Inhalt: Die junge Königstochter Elisa sucht verzweifelt nach einem Weg, ihre in Schwäne verzauberten Brüder von dem Zauber der bösen Stiefmutter zu befreien. Ihre weite Reise, die all ihre Entschlossenheit und Kraft fordert, führt die Prinzessin in prächtige Schlösser, magische Wälder, über das endlose Meer und gelegentlich selbst in andere Märchen des Dichters. Anlässlich des 200. Geburtstags des dänischen Märchenerzählers ‚Hans Christian Andersen’ treibt es nicht nur viele Bücher mit teils ausgezeichneten Illustrationen in die Auslagen der Buchgeschäfte und Bibliotheken, sondern verneigt sich auch der Hörspielmarkt vor dem Poeten. Weil es allerdings zahlreiche Vertonungen seiner Märchen gibt, hat der ‚Megaeins Verlag’, der in letzter Zeit vor allem aufgrund seiner exzellenten historischen Hörbücher aufzufallen wusste, eine opulentere Umsetzung erarbeitet. Den Originaltext vorgetragen vom preisgekrönten Schauspieler ‚Ulrich Noethen’ (u.a. ‚Der Untergang’, ‚Comedian Harmonists’) durchziehen Szenen aus anderen Märchen aus der Feder ‚Andersens’, wie z.B. ‚Die kleine Meerjungfrau’ und ‚Moorkönigs Tochter’. Unterlegt wird die Lesung mit zeitgenössischen Jazzklängen, die zum einen die musikalische Untermalung stellen, zum anderen aber auch für die eine oder andere Geräuschkulisse sorgen, wie z.B. den Karren, der die Königstochter ‚Elisa’ am Ende zum Scheiterhaufen fährt. Die eigenwillige Textadaption stammt von ‚Juri von Krause’, der als Tonmann und Regisseur schon bei den ‚Megaeins Verlag’ Produktionen ‚Der Kampf um Troja’ und ‚Die Nibelungen’ beteiligt war. Den Einsatz der Szenen aus anderen ‚Andersen’ Märchen kommentiert er folgendermaßen: „Die großen fast mystischen Bilder und Motive dieses von Andersen nacherzählten, dänischen Volksmärchens finden sich auch in anderen seiner Märchen wieder. Es bot sich deshalb an, ganz subjektiv die Geschichte durch einige dieser Parallelmotive, Betrachtungen und traumartigen Sequenzen zu erweitern.“ Wobei gerade zu diesen Sequenzen die Jazzkapelle bei den Kompositionen von ‚Niko Meinhold’ einen deutlichen Zacken zulegt, Erzähler ‚Ulrich Noethen’ rasend die Zeilen hinunterbetend im Klanginferno abtaucht, um sich wie eine Welle wieder über das Orchester zu erheben. Gerade dieses Verwirrspiel, welches wie Fieberträume die eigentliche Erzählung unterbricht, dürfte stark geschmacksabhängig sein. Überhaupt werden sich nicht alle mit den streckenweise dominierenden Jazzklängen anfreunden können. Allerdings verleihen gerade sie der Darbietung ihre eigene Note und stellen damit einen deutlichen Mehrwert dar. Nicht zu vergessen der lebhafte Vortrag von Erzähler ‚Ulrich Noethen’. Megaeins Verlag hebt durch die Umsetzung das Märchen definitiv aus dem Kreis des zu erwartenden Zielpublikums, nämlich Kindern. Die in einem hübschen Pappschuber eingefasste CD mit Origami-Schwan spricht nicht zuletzt aufgrund der Jazzdarbietung eher ein reiferes Alter an. Dessen Angehörige dürften die Audioreise in die Märchenwelt allerdings sehr zu schätzen wissen.
Rezensionen
H.C. Andersen: Die wilden Schwäne TIPP
(Megaeins Verlag)
Autor: DJ / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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