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H. P. Lovecraft: Der Fall Charles Dexter Ward TIPP

(Version 1: LauschRausch / Version 2: Titania Medien)

Autor: DJ / Kommentare: Bisher keine

LauschRausch - Der Fall Charles Dexter Ward von H.P. LovecraftKurz hintereinander veröffentlichen die Hörspiellabel LauschRausch und Titania Medien beide eine Vertonung der H.P. Lovecraft Erzählung Der Fall Charles Dexter Ward, was anfänglich zu der Befürchtung führen musste, dass man sich gegenseitig nicht nur die Show sondern auch die Käufer stiehlt. Doch die unterschiedlichen Interpretationen der Geschichte sorgen dafür, dass man sich nicht in die Quere kommt, nein, dass man sogar schon von einem großen Bogen sprechen kann, den die beiden Label umeinander machen.

Charles Dexter Ward, ein junger, eigensinniger Mann aus einer wohlhabenden Familie, entfremdet sich bei seiner Ahnenforschung immer mehr von seinen Eltern. Fasziniert von der Person seines Urahns Joseph Curven nimmt er dessen okkulten Forschungen wieder auf und erleidet dabei eine erschreckende Persönlichkeitsveränderung, die schließlich zu seiner Einweisung in die Nervenheilanstalt von Dr. Waite führt. Als er am 13. April 1928 auf unerklärliche Weise aus seinem verschlossenen Zimmer verschwindet, beginnt man mit der Ursachensuche tief in der Vergangenheit des Geschlecht Wards - nämlich beim aus der Familienchronik getilgten Joseph Curven.

Grusel Kabinett - Der Fall Charles Dexter Ward 24/25 von H.P. LovecraftNatürlich orientieren sich beide Label an der Originalgeschichte von Lovecraft, doch während sich LauschRausch eng an den ursprünglichen Text und seine zeitliche Abfolge halten, nimmt man es bei Titania Medien nicht so eng mit dem Original. Dies führt vor Allem dazu, dass die ursprünglich komplexe Erzählung in das Konzept der Schauer-Romantik gepresst wird, mit dem Titania Medien ihre Reihe Gruselkabinett schmücken.
Was bleibt, ist in erster Linie eine recht geradlinige Erzählung, die man im Gegensatz zur LauschRausch Umsetzung als easy listening bezeichnen darf. Denn LauschRausch wagt es, den komplizierten Fall in eine ebenso komplizierte Erzählung zu packen. Hier wird munter zwischen Vergangenheit und Gegenwart gesprungen, Briefwechsel mit gespielten Szenen gemischt, Hörspiel, Dokumentation und Feature zu einem anfangs schwer durchschaubaren Ganzen verschmolzen, bei dem der Hörer schon einmal den Faden verliert und dadurch gezwungen ist, zurückzuspringen und ein zweites Mal konzentrierter zu hören. Kenntnisse des Originals sind hierbei hilfreich. Oder man nimmt nachher die Titania Medien Umsetzung als Königs Erläuterung.

Und auch bei der Atmosphäre hat LauschRausch die Nase - zu meiner eigenen Überraschung - vorn. Selbstverständlich ist die Produktion von Titania Medien deutlich moderner, klarer und dynamischer, aber die etwas dumpfe Umsetzung von LauschRausch fängt den Geist der Lovecraft Erzählung nicht zuletzt aufgrund der originellen musikalischen Untermalung durch einen Kontrabass tatsächlich ein. Als Referenz muss man hier einfach die Szene in der Vergangenheit nehmen, in der der Bauernhof von Joseph Curven gestürmt und die Männer dabei etwas Unnennbares freisetzen. Der brüllende Kontrabass scheint ein adäquates Mittel, um die schrecklichen Laute der lovecraftschen Kreaturen darzustellen.
Dramatischer ist sicherlich der Score beim Leverkusener Label. Wie immer setzt man vornehmlich auf Orchesterklänge, die allerdings meinem persönlichen Bild einer Lovecraft Geschichte nicht gerecht werden. Bis auf das Finale in der Nervenheilanstalt. Dies wurde gerade durch die Musik so packend inszeniert, dass man sich selbst am hellen Tag in einer überfüllten S-Bahn nicht einer Gänsehaut bis zur letzten Haarwurzel erwehren kann.

Punkten kann Titania Medien natürlich auch erneut mit dem kleinen, aber feinen Sprecherensemble. Namen wie Ernst Meincke, Hans- Werner Bussinger oder Frank Schaff sprechen für sich. LauschRausch fällt hier ein wenig ab, da man neben gestandenen Profis wie Christian Rode, Simon Jäger oder Thomas Danneberg auch den einen oder anderen Laien bzw. Semi-Professionellen einbaut, der die Qualität etwas runterzieht.

Erwähnt werden muss aber noch die liebevolle Verpackung bei LauschRausch. Wie schon bei Berge des Wahnsinns hat man sich Mühe gegeben, dem zahlenden Käufer einen deutlichen Mehrwert in Form eines umfangreichen Booklets zu bieten. Den Titania Medien Ward erhält man übrigens in zwei Versionen: Einmal als zwei Einzel-CDs oder beide CDs zusammengefasst in einem Schuber.

Nach Genuss beider Fassungen - und ein Genuss war es sicherlich - muss ich das überraschende Fazit ziehen, dass LauschRausch mit seiner Umsetzung knapp vor Titania Medien liegt. Es ist einfach die anspruchsvollere Umsetzung, die gegenüber der simpleren Erzählung den finalen kleinen, aber feinen Unterschied macht. Wer allerdings eine exzellente Vertonung ohne Mängel wünscht, sollte lieber zur Titania Medien Version greifen. Empfehlen kann ich aber an dieser Stelle - nicht nur für Lovecraft Freunde - beide Hörspiele.

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