Gus Black soll zu den zehn besten Singer/Songwritern seiner Zunft gehören. Ihm wird ein feinfühliger alternativer Folk-Pop attestiert. Davon kann man sich nun auch auf seinem neusten Album überzeugen (lassen). Die Entstehungsgeschichte des Werkes ist dabei fast so ungewöhnlich wie die Musik selber. Ursprünglich war nämlich eine ganz andere Scheibe schon so gut wie im Kasten. Die Songs waren laut seiner Aussage irgendwo in konventionellen Rockgefilden angesiedelt. Dann schlug er allerdings eine gänzlich andere Richtung ein „…während der Studioaufnahmen hatte ich bereits neue, sehr viel ehrlicher und intimer klingende Songs geschrieben, die ich inspirierender fand als die Stücke des Album“. Der Rest ist wohl, wie man so schön sagt, Geschichte.
Auch „Today Is Not…“ hat keine erhebliche Wendungen im Klanggebilde gegenüber den Vorgängern zu bieten. Melancholie wird wieder ganz, ganz groß geschrieben. Gus Black geht allerdings die Lagerfeuerromantik ab, die bisweilen bei anderen Kollegen erheblich nervt. Gus Black flüstert und haucht sich durch seine Songs, dass es eine wahre Freude ist. Wenn man als Zuhörer die Augen schließt hat man direkt das Gefühl, der Mann und seine Gitarre sitzen direkt neben einem und spielen nur für einen selber. Kein Ton oder Wort zu viel. Alles sitzt, passt und hat Luft. Ja, hier darf man durchaus einfach mal sagen, dass dies schöne Musik ist.
Gesangliche Unterstützung erhält Gus Black von seinen beiden Mitstreiterinnen HT Heartache und Constance Bake. Die beiden steuern sogar eigene Songs bei. Heartache hat beispielsweise das süßliche „I´ve Been Trying To Pretend You Don´t Exist“ beigesteuert. Bake ist für das wunderschöne „Variations On A Theme Called Honesty“ verantwortlich. Die Scheibe schafft das Kunststück Songs mit Streichern zu veredeln, ohne dabei kitschig zu klingen – nachzuhören bei „Blood And Belonging“. Rockige Momente gibt es nur ganz dezent, dann aber in schönster Indie-Popmanier wie beim treibenden „Out On The Amsterdam“. Wenn dann noch eine positive Grundstimmung wie bei „Little Prince Town“ hinzu kommt, dann sieht man am Horizont die Sonne aufgehen. Schwelgerische Musik, die trotzdem eine gewisse Magie verbreitet, die man oft genug bei den Kollegen so schmerzlich vermisst.
Fazit: Gus Black hat (mal wieder) eines der lieblichsten Alben des Jahres vorgelegt. Er hat nach eigener Aussage auch genug vom ganzen Zirkus und der Abzocke und möchte nur noch ehrliche Musik aufnehmen. Wenn dies der Ansatz war, dann ist ihm dies in Gänze gelungen. Worthülsen gibt es bei dem Mann nicht, seine Musik spricht für ihn. Beeindruckend!