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Grinderman: dito Tipp

(Mute/EMI)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Grinderman: ditoDie Band Grinderman veröffentlicht mit dem gleichnamig betitelten Werk ihr Debütalbum und doch handelt es sich hier um gestandene Musiker, die der Welt schon so manche musikalische Großtat beschert haben. Hinter diesem Projekt verbergen sich Warren Ellis, Martyn Casey, Jim Sclavunos und Nick Cave. Zusammengefunden haben sich die vier im Jahre 2004 in Paris um Songs zu schreiben. Diese Arbeitsweise war für Cave-Verhältnisse schon eher ungewöhnlich. Es ist ja durchaus von dem Mann bekannt, dass er seine Songs in einem Büro am Schreibtisch komponiert, maximal auf und mit einem Piano. Feste Arbeitszeiten sollen dabei inklusive sein. Nun also schrieb Cave seine Texte eher intuitiv, das eingespielte Trio an den Instrumenten lieferte ihm dazu die musikalische Grundlage. Herausgekommen ist dabei letztlich die Nick Cave & The Bad Seeds Scheibe „Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus“. Die Vier allerdings fanden so viel Gefallen an ihrer stringenten Arbeitsweise und arbeiteten von nun an weiterhin in dieser Formation zusammen.

Nick Cave beschreibt die ganze Arbeitsweise dazu wie folgt: „ Es gab diesen Moment, da konnte ich nicht mehr wie im Büro komponieren. Seit den Sessions in Paris fiel es mir viel leichter, einfach zu der Musik von Warren, Jim und Martyr zu singen und Songs zu schreiben. Mit fertigem Schlagzeug und Bass im Rücken singt man auch ganz anders. Und auch meine lyrische Sichtweise änderte sich dadurch.“

Aussagen und Hintergründe, die für diese Album essenziell sein dürften. Wer nämlich Nick Cave & The Bad Seeds so ca. ab „The Boatman´s Call“ für sich entdeckt und schätzen gelernt hat, den wird „Grinderman“ evtl. verschrecken. Hatte sich Cave doch in den letzten Jahren fast zu einem perfekten und großartigen Crooner entwickelt und lag der Fokus doch eher auf den ruhigeren Tönen, so gibt es jetzt doch eine Abkehr davon hin zu mehr rauen Tönen. Optisch hat man sich da auch etwas angepasst bzw. verändert. Prägte bisher eleganter Stil das Erscheinungsbild, so sehen die bärtigen Jungs jetzt doch eher aus wie die wilden Waldschrate. Das gesamte Konzept wurde also auf Grinderman zugeschnitten.

„Get It On“ eröffnet den elf Song starken Reigen von morbider Schönheit. Cave durchlebt bei diesem Song schon sämtliche Gefühlswelten eines Sängers. Die Gitarre scheppert und schrammelt, die übrigens von Cave persönlich gespielt wird. Casey und Sclavunos erzeugen mit ihrem minimalistischen, auf den Punkt gebrachten Spiel den passenden Klangteppich dazu. Warren Ellis ist sowieso ein Fall für sich, was der Mann (im Verlaufe der Platte) an der Bouzouki, Violine, Viola und Fendocaster abliefert wird wieder für offene Münder sorgen. „No Pussy Blues“ macht in dieser Manier weiter. Auch wenn nach einleitendem Schreibmaschinengeklapper und anfänglicher Ruhe der Hörer auf eine falsche Fährte gelockt wird. Die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, der dann losbricht. Nach Minute 1.40 gibt es allerschönsten Krach in Form eines heftigen Feedbacksausbruchs. Danach kehrt die Band wieder zum Minimalismus zurück und die Stimme von Cave steht deutlich im Vordergrund, bevor bei Minute 3.30 wieder die Hölle losbricht. „Electric Alice“ knüpft dort an, ist von der Grundstimmung mit seinen Soundfetzen aber etwas ruhiger geraten. Der Song „Grinderman“ schält sich danach fast schon bedrohlich aus den Boxen. Das Gitarrenspiel erinnert nicht nur hier an Blixa Bargeld, der bei diesem Projekt sicher auch seine helle Freude gehabt hätte. „Depth Charge Ethel“ ist wahrscheinlich die Grinderman-Version eines Punkrocksongs. Das rockt und das fetzt und zeigt dem jungen Nachwuchs mal kurzerhand, wie diese Spielart zu klingen hat. Ein Brett von einem Song.

„Go Tell The Women“ überzeugt mit seiner Coolness. Cave trägt seinen Text hier eher sprechend vor, denn das er singt. Passt aber sehr gut zur Instrumentierung. „(I Don’t Need You To) Set Me Free“ wartet und gefällt mit eher typischen Songstrukturen auf. Von der Grundtendenz ist der Track eher melancholisch gestimmt. Danach rockt der Vierer wieder mit „Honey bee (Let’s fly to Mars)“ bei durchgetretenem Gaspedal durch die Prärie. Trotz aller Derbheit und allem Krach machen die Jungs das mit Stil und einem ganz eigenen Charme. Bei „Man In The Moon“ blitzt dann am ehesten durch, was die vier Jungs sonst so bei ihrer Hauptband veranstalten. Ruhiger und sehr schöner Song, der auch wunderbar auf „The Boatman’s Call“ einen Platz gefunden hätte. „When My Love Comes Down“ rockt noch mal in minimalistischer Manier, bevor mit „Love Bomb“ eine Art „Best Of“ die Scheibe abschließt und noch mal alles in den Song presst, was auf den vorangegangenen zehn Tracks schon dargeboten wurde.

Fazit: Grinderman erinnert stark an Birthday Party. Überraschend dürfte es dennoch sein, dass gerade Cave noch mal musikalisch die Richtung wechselt und sich wieder mehr allerschönstem Krach hingibt. Dieses Gewand steht ihm und seinen Mitstreitern ausgesprochen gut. Herausgekommen ist dabei ein vorzügliches Album, bei dem es eine ganze Menge zu entdecken gibt, auch eine ganze Menge Schönheit.

Homepage Grinderman

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