Viele wissen mit achtzehn Jahren noch nicht, was sie einmal beruflich machen wollen. Bei Gregory Darling war dies schon fast klar bevor er laufen oder sprechen konnte. Nein, seine Eltern haben ihn nie gedrängt Musiker zu werden, im Gegenteil, sein Vater hat ihm sogar davon abgeraten. Allerdings waren die mahnenden Worte eher noch mehr Antrieb für ihn. Darling hört sie heute noch: „Er erzählte mir, dass man schon ein Verrückter sein müsse, um sich auf diese Reise zu begeben. Aber genau darum geht es für mich“. Im zarten Alter von zehn Jahren kam er dann endlich auf die Schule, wo auch schon sein Vater sein Unwesen getrieben hatte und konnte dort sein Klavierspiel verbessern.
Der Rest ist schnell zusammengefasst. Der Sprössling war dann doch vielleicht gar nicht so schlecht und so winkte für ihn und seine Band Darling Cruel schnell ein lukrativer Plattenvertrag von PolyGram. 1990 gab es dann auch endlich die Veröffentlichung von deren Debütalbum „Passion Crimes“. Man schaffte es sogar mit der Single „Everythings Over“ in die Billboard Charts und mit dem Video auf MTV. Für das zweite Album „Movies For The Mind“ konnte sich beim Label allerdings schon keiner mehr erwärmen, Fürsprecher waren mittlerweile auch nicht mehr an Bord und so fristet das Werk noch heute sein Dasein hinter irgendeiner Schranktür. Darling selber verdiente sich fortan als Sessionsmusiker seine Lorbeeren und Brötchen und freundete sich über die Jahre mit einem gewissen Julian Lennon an.
Im Hier und Jetzt gibt es nun endlich das Solodebüt „Shell“ zu hören und natürlich im CD Fachgeschäft Ihres Vertrauens zu erwerben. Aber auch dieses Album hat mehr oder weniger schon einiges auf dem Buckel. Die Songs entstanden nämlich in den Jahren zwischen 2001 und 2004 in Julian Lennon´s Tree House Studio, irgendwo am Meer in Frankreich. Nicht weniger als 100 Songs schrieb und komponierte der Pianist während dieser Zeit. Im Jahre 2005 stellte er diese seinem alten Produzentenkumpel Bob Rose zur Verfügung. Die finale Songauswahl für „Shell“ gibt es nun in Form der vorliegenden zwölf Tracks zu hören.
Und was es da zu hören gibt, scheint wie ein guter Wein zu sein. Reif, fast schon wie ein Alterswerk hört sich die gesamte Platte an, die insgesamt sehr homogen wirkt. Zeitlos gut und zeitlos schön sind diese zwölf kleinen Perlen geraten. Musikalisch angesiedelt ist die ganze Geschichte irgendwo in Americana Gefilden, versehen mit Popversatzstücken. Hin und wieder kommt Darlings Passion durch und manche Momente erinnern an den einsamen Pianisten. Diese intimen Momente zwischen Darling und Zuhörer sind fast schon im BarrJazz anzusiedeln. Ideen hat Darling jedenfalls reichlich, manchmal so viele, dass es fast schon zu viel für einen Song ist. Dies sind allerdings auch eher die Ausnahmen. Insgesamt überwiegt eine luftigleichte, bisweilen lässige Atmosphäre die Szenerie. Was vielleicht etwas fehlt, sind herausragende Momente, so plätschert alles ein bisschen gleichförmig so vor sich hin. Allerdings erschließt sich hier auch nicht alles direkt beim ersten Hördurchgang, was ein untrüglich gutes Zeichen ist, denn hier gibt es so viel zu entdecken und will erarbeitet werden, dass man dem Werk ruhig ein paar mehr Durchläufe geben darf und sollte. Doch, nette Geschichte, vielleicht ist die Plattenfirma dieses Mal dann so schlau und gibt Darling die Chance für ein zweites Album – verkehrt wäre es sicher nicht.
Homepage Gregory Darling
Immer wieder interessant, wenn man den Original-Waschzettel, der mit der Platte verschickt wird liest, und dann angeblich “selbst verfasste” Besprechungen: Ganze Sätze komplett abgeschrieben, anstatt selbst eine Rezension zu verfassen….
Schön fleissig im Info abgeschrieben, aber trotzdem falsch: “Passion crimes” kam gar nicht 1990 heraus…
Comment by Georg Loegler — August 27, 2007 @ 4:56 pm
Lieber Herr Loegler, vielen Dank für den Kommentar und die Kritik! Bitte mit Behauptungen wie “Ganze Sätze komplett abgeschrieben, anstatt selbst eine Rezension zu verfassen….” in einem öffentlichen Raum ganz vorsichtig umgehen, dies entspricht ja keineswegs den Gegebenheiten. Die Plattenfirmen und Promotionagenturen legen ihren Produkten sicher gerne mal so genannte “Waschzettel” bei um die Rezensenten auch mit entsprechenden Informationen zu versorgen. Eine Geheimhaltung eben dieser Informationen ist eigentlich nicht Sinn und Zweck der Geschichte und selbstverständlich finden sich dann die Eckdaten in so manchen Reviews bzw. Rezensionen wieder - egal ob Printmedien oder eben auch online. Dies sind aber eben nur die Eckdaten, oftmals als Einleitung, dann folgt in den meisten Fällen sicher die Meinung der jeweiligen Autors - so auch hier geschehen, die Kritik ist somit für mich nicht ganz nachvollziehbar. “Passion Crimes” kam 89 in den Staaten raus, manche Quellen sprechen auch von 90, weil 89 erstmals eine LP auf den Markt kam und ein Jahr später dann die CD. Es gibt sogar Hinweise auf ein Tape aus dem Jahre 88. Vieles ist insoweit widersprüchlich und da muss man sich einfach mal auf die Infos, die man schwarz auf weiß vorliegen hat verlassen…Weiterhin viel Spaß bei uns und Kritik, Anregungen, Verbesserungen, Lob etc. ist immer gerne willkommen!
Comment by schlimm — August 27, 2007 @ 9:29 pm