Live-Konzerte sind anscheinend für eine einzige Band erfunden worden. Keine andere Band hat sich im Laufe ihrer Karriere einen solch legendären Ruf erspielt wie die Grateful Dead. Die Band hat sich immer mehr durch ihre Aktivitäten auf der Bühne definiert, als derer abseits und im Studio. Scharen von Fans folgten ihr überallhin. Nicht wenige Konzerte erreichten so Legendenstatus unter den Deadheads, wie sich die Fans selber nennen. Ein Konzert sticht dabei ganz besonders heraus: New Year´s Eve 1976. Dabei handelte es sich um das erste Sylvester-Konzert der Dead seit 1972. Dieses Ereignis ging seinerzeit als eine der besten Radio-Rock-Shows in die Geschichtsbücher ein. Endlich liegt das Set nun in einer amtlichen Digi-Pack-Box vor. Das Set verteilt sich auf 3 CDs. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass so mehr als drei Stunden Spielzeit zustande gekommen sind, denn auch für ausufernde Konzerte waren die „Dead“ bekannt. Los geht es mit „Promised Land“ von Berry. Schon die ersten Töne wissen durch perfekten Klang zu überzeugen. Druckvoll, klar und deutlich sind hier die einzelnen Instrumente und der Gesang zu vernehmen. Sehr bluesig und auf den Punkt gebracht wird dieses Stück interpretiert. Weiter geht es dann mit „Bertha“ geschrieben von Garcia und Hunter. Der Bass von Phil Lesh groovt, die Gitarre von Garcia spielt locker leicht und der Gesang kommt dazu klar aus den Boxen. Drums und Tasteninstrumente sind dazu noch das sprichwörtliche Salz in der Suppe, grandios! „Mama Tried“ von Haggard geht danach als astreiner Americana-Track durch. „They Love Each Other“ wird getragen vom sehr stimmigen Zusammenspiel Gitarre und Bass und im Refrain vom stimmigen Chorus. Dazu schälen sich glasklare Gitarrensoli aus den Boxen. „Looks Like Rain“ führt diesen entspannten Stil fort und driftet fast schon in die balladeske Ecke ab, ohne allzu kitschig zu werden. Prunkstück ist hier wieder das Gitarrenspiel von Garcia und natürlich der Duett-Gesang mit Donna Godchaux. Schmissig geht es mit dem Stück „Deal“ weiter, welches aus der Feder von Garcia und Hunter entsprungen ist. Das erste Set wird mit „Playing In The Band“ beendet. Und wie! Die Band driftet in eine ihrer berüchtigten Jam-Session ab. Da ist alles dabei von Walzer bis hin zum funkigen 4/4 Takt um schließlich wieder beim eigentlichen Thema zu enden. Grandiose 23 Minuten! Wer dieses musikalische Monster verdaut hat, kann direkt bei Set 2 und Disc 2 einsteigen. Eröffnet wird mit der Weir/Hunter Nummer „Sugar Magnolia“. Feinster Rock erwartet hier den Zuhörer, irgendwo angesiedelt zwischen Blues und Südstaatenrock. Temporeich und feurig geht es dann mit „Eyes Of The World“ weiter. Auch hier räumt sich die Band reichlich Platz für Improvisationen ein um danach nahtlos in „Wharf Rat“ überzugehen. Rockig wird es dann mit „Good Lovin´“. In etwas mehr als 5 Minuten kommt der Track dann auch ziemlich schnell auf den Punkt, jedenfalls für Grateful Dead Verhältnisse. „Samson & Delilah“ macht in dieser Manier weiter. Beendet wird dieses Set dann mit „Scarlet Begonias“, wo sich ebenfalls der nötige Raum für eine amtliche Jam-Session genommen wird. Mit „Around And Around“ steigt die Band dann bluesig in Set 3 ein. „Help On The Way“ ist danach einer der kürzeren und entspannten Songs aus der Feder Garcia/Hunter. Das folgende „Slipknot!“, geschrieben fast von der gesamten Mannschaft knüpft dort nahtlos an, bevor die Drums sich auch ausführlich in Szene setzen dürfen. Zu „Not Fade Away“ braucht man eigentlich nicht viel sagen, sollte jeder Musikliebhaber kennen. Trotzdem wird der ein oder andere staunen, was Grateful Dead daraus gemacht haben. Ebenso dürfte das folgende „Morning Dew“ für Erstaunen sorgen, wunderschöne Klavier- und Gitarrenarbeit. „One More Saturday Night“ rockt dann wieder auf den Punkt gebracht und zeigt eine andere Facette dieser famosen Live-Band. „Uncle John´s Band“ und das traditionelle „We Bid You Goodnight“ beenden dann ein grandioses Konzert. Fazit: Der Sound und die Songauswahl sind top und die spielerische Freude nicht zu überhören. Wer eine Live-Band in bester Spiellaune erleben möchte, der wird um diese wunderschön aufgemacht 3 CD Box im Digi-Pack nicht herum kommen! Begeisterndes Live-Set!
Rezensionen > Musik
Grateful Dead: Live at the Cow Palace: „New Year´s Eve 1976“ TIPP
(Rhino / Warner)
Autor: schlimm / Wertung: 11.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
No Comments »
No comments yet.
RSS feed for comments on this post. TrackBack URI