Kritiker sind und waren begeistert, die Fangemeinde ist in Rekordzeit gigantisch gewachsen und jede Menge prominente Fürsprecher gibt es auch noch. Hoppla, haben wir es hier etwa mit dem nächsten Hype zu tun? Wobei es bei uns im Blätterwald bisher ja noch ziemlich ruhig war. So langsam ändert sich das gerade. Im Grunde aber auch schon wieder merkwürdig, wo doch das Album eigentlich schon im letzten Jahr vom kleinen und feinen Hamburger Lado Label veröffentlicht wurde. Hier und da ist zu vernehmen, dass es sich dabei um das Debütalbum bei uns handelt, im Grunde aber schon das dritte Werk der Band ist. Nun kommt der Nachschlag. Nein, es gibt nichts Neues im eigentlichen Sinne, sondern nur eine Neuauflage des schon bekannten Albums von 2006. Alles klar?
Um wen geht es eigentlich? Um Gossip! Bei wem es jetzt noch nicht läutet wie unter den Glocken des Kölner Doms, der hat zumindest die letzten zwölf Monate keinen Blick nach UK gewagt. Die Band aus Arkansas ist dort in aller Munde und mittlerweile bekannt wie der sprichwörtlich bunte Hund. Das größte Interesse fokussiert sich dabei auf Sängerin Beth. Nicht nur, dass das Juni-Cover des NME eine nackte Beth zierte, nein auch die Wahl zur coolsten Person des Planeten durch die NME Leser fiel auf sie. Auch wenn die Frau aufgrund ihres gesamten Erscheinungsbildes und ihrer schweißtreibenden Live-Shows sicher im Rampenlicht steht, sollte man ihre beiden Mitstreiter nicht vergessen, die den entsprechenden Klangteppich auslegen.
Gossip sind schon sechs Jahre aktiv und nun soll also auch endlich nach UK im Rest von Europa der große Durchbruch gelingen. Wobei groß natürlich immer relativ ist. „Standing in the way of control“ bringt jedenfalls alles mit um eine der Indieplatten 2007 zu werden. Hier gibt es eine Mischung aus Punk, Soul und Blues versehen mit Danceelemten zu hören. Schnell wurde eine neue Schublade mit dem Namen Dance-Punk beschriftet und Gossip darunter abgelegt. Man muss ja nicht für alles krampfhaft einen Namen finden, es reicht ja auch, wenn man die Band und die vorliegende Scheibe in das weite Feld der Indie-Musik einordnet.
An den Reglern saß übrigens kein Geringerer wie Guy Picciotto, der Mastermind von Fugazi. Für das Artwork zeichnete sich mit Kim Gordon von Sonic Youth direkt die nächste Ikone aus und verantwortlich. Was die Platte und den Sound der Band insgesamt so außergewöhnlich macht ist die Punk-Attitüde gepaart mit einer Stimme, die zum Teil an Soulgrößen vom Schlage einer Diana Ross oder Aretha Franklin heranreicht.
Die Temperaturen draußen sollen heute, wo diese Zeilen hier entstehen, die 40 Grad Marke ankratzen. Schwüle macht sich breit, man schwitzt und warum sollte es der Musikanlage besser ergehen? Nichts passt besser zu den Temperaturen wie Gossip. Egal ob das Trio rockt als wäre es der Hölle entsprungen oder auch mal mit „Coal To Diamonds“ oder „Listen Up!“ ruhigere Töne anschlägt. Jeder der 10 Tracks ist ein Knaller. „Fire with Fire“, „Standing In The Way Of Control“, „Eyes Open“ „Your Mangled Heart“, alles Tanzflächefüller. Der Bass pumpt, die Gitarren scheppern und Beth Ditto singt sich die Seele aus dem Leib. Bei der 2007 Version gibt es nun noch „Listen Up!“ in neuem Gewand und Soulwax haben sich des Titeltracks angenommen, der nun im Nite Remix zu hören ist. Ganz nett, aber insgesamt sicher verzichtbar.
Fazit: Hype hin, Hype her - eine gute Platte ist und bleibt eine gute Platte. Klar, das Rad wird hier nicht neu erfunden, hier macht es die Mischung - eine aufregende noch dazu. In der Summe ergibt das eine Scheibe, die ihresgleichen sucht. Mitreißendes Gesamtkunstwerk!