Es gibt sie noch, diese kleinen einsamen Inseln. Für ein Zeitfenster von einer knappen Dreiviertelstunde scheint die Welt hier drinnen sich nicht mehr zu drehen, während jenseits der Fensterscheiben der alltägliche Wahnsinn tobt. Musik die berührt und zu Herzen geht ist wie der ruhende Fels in der Brandung - Musik von Glen Hansard und Marketa Irglova zum Film „Once“. Nicht irgendwelche zusammengestellten Songs, die letztlich mit dem Film nichts zu tun haben, sondern solche, die speziell dafür geschrieben wurden bzw. auch im Film zu hören sind. Das Werk startet bei uns am 17. Januar in den Kinos und pünktlich dazu erscheint nun auch der Soundtrack.
Inhaltlich befasst sich der Film mit einem jungen Dubliner Straßenmusiker, der auf eine tschechische Pianistin trifft. Die beiden versuchen ihre Träume zu verwirklichen und nähern sich dabei nicht nur musikalisch aneinander an. Der Film konnte schon den Publikumspreis beim Sundance Film Festival gewinnen. Wie wir schon vor knapp einem Jahr im persönlichen Gespräch mit Glen Hansard erfahren durften, hat dies die beiden Hauptprotagonisten völlig überwältigt, da sie damit nicht gerechnet hatten. Ursprünglich waren auch nur drei Filmvorführungen während des Festivals geplant, letztendlich sind zehn daraus geworden!
Die musikalische Unterstützung für „Once“ ist so viel mehr und funktioniert auch durchaus als eigenständiges Werk. Die vorliegenden Songs schaffen es auch so, den Zuhörer mit auf eine Reise zu nehmen, die Bilder entstehen wie von selbst im Kopf. Schon der Albumopener besticht durch eine dichte Atmosphäre. „Falling Slowly“ ist an Emotionalität kaum zu überbieten und besser als mit der Hausband The Frames. Gänsehaut wechselt sich mit einem dicken Klumpen im Hals ab. Melancholie kann so schön sein und vor allem so schön vertont werden. Dem steht auch „If You Want Me“ in nichts nach. Auch hierbei handelt es sich um ein Duett, bei dem allerdings die Stimme von Marketa im Vordergrund steht. Dies ist im Übrigen eine weitere schöne Facette des Albums, zwei unterschiedliche Stimmen, die so auch eine Menge Abwechslung bieten. „Broken Hearted Hoover Fixer Sucker Guy“ ist ein kurzes Zwischenspiel von Hansard, bevor das Album mit „When Your Mind´s Made Up“ wieder ein weiteres schönes Duett mit Glen und Marketa zu bieten hat. Mit „Lies“ schließt sich ein fast gehauchtes Stück von Hansard an, bevor es mit „Gold“ ein kurzes Interference gibt. Ein Wort noch zur Instrumentierung: Die ist vornehmlich zurückhaltend bist spärlich. Akustikgitarre und Piano reichen oftmals aus, die Songs werden dominiert und getragen von den beiden Stimmen. Wo es vonnöten ist, bereichern natürlich auch Bass, Percussion und Drums das Klangbild. Bei der Produktion hat Hansard jedenfalls ein sehr glückliches Händchen gehabt.
Die zweite Albumhälfte wird mit sanften Pianoklängen aus der Feder von Irglova bei „The Hill“ traurigschön eröffnet, bevor vier Nummern von Glen Hansard folgen. Erstere ist mit „Fallen From The Sky“ ein positiv angehauchtes Stück Musik, was fast ein bisschen zu kitschig wirkt. Dafür ist „Leave“ dann komplett reduziert und beschränkt sich nur auf das Nötigste. „Trying To Pull Myself Away“ geht fast schon als Rocknummer durch, nur um danach mit „All The Way Down“ wieder in komplette Melancholie zu verfallen. Der Track, der dem Film und dem Soundtrack den Namen gegeben hat wirkt fast schon etwas belanglos, was aber an der Vielzahl an großartigen Songs hier liegt, da geht diese ruhige, unspektakuläre Nummer etwas unter. Mit „Say It To Me Now“ endet der Soundtrack dann mit einem Glen Hansard, der sich die sprichwörtliche Seele aus dem Leib singt und all´ sein Seelenpein in den Song zu legen scheint – ergreifend und beeindruckend!
Fazit: „Once“ ist ein ganz starker Soundtrack, der auch wunderbar als eigenständiges Werk funktioniert und den Hörer mitnimmt auf eine Reise in sein eigenes Kopfkino. Musik die zu Herzen geht? Definitiv! Authentischer kann sie nicht sein!
@ein ganz starker Soundtrack
Das kann ich nur bestätigen. Eine einfach großartige Zusammenstellung eingängiger Songs, die zum Träumen anregen. Auch die Band von Glen Hansard “The Frames” ist empfehlenswert.
Comment by Jan — August 23, 2008 @ 1:57 pm