Glen Campbell ist der Prototyp des stillen Stars. Der Mann hat an so vielen erfolgreichen Projekten mitgearbeitet, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Im Laufe der Jahre entwickelte er sich zu einem der bestbezahlten und meistgebuchten Studiomusiker. Er arbeitete mit Elvis Presley, Dean Martin, Frank Sinatra und den Monkees. Das Gitarrespielen hat er als Autodidakt erlernt. Diese Künste durfte er auf einem der besten Alben der Pop- und Rockgeschichte unter Beweis stellen, denn er spielte auch auf "Pet Sounds" von den Beach Boys mit. Auch live vertrat er zu dieser Zeit keinen Geringeren wie Brian Wilson. Seine eigene Karriere kam erst zum Ende der 60er hin in Schwung, als er sich dem kommerziellen Country Pop zuwandte. Zu dieser Zeit wurde er auch Moderator seiner eigenen, sehr erfolgreichen Show "The Glen Campbell Goodtime Hour".
Mittlerweile zählt er zu den „40 Greatest Men Of Country“. Trotzdem scheint er heute fast vergessen und ist nur noch Insidern und Fachleuten ein Begriff. Umso schöner ist es, dass er sich nun mit „Meet Glen Campbell“ zurückmeldet. Bei dem Album handelt es sich allerdings nicht um Kompositionen aus seiner eigenen Feder, sondern um ein astreines Werk voller Coverversionen. Ausgesucht wurden 10 Songs unterschiedlicher Genres.
Die ersten Töne von „Sing“ sind einem sofort vertraut, es sei denn, man hat die letzten Jahre verschlafen. Richtig vermutet, hierbei handelt es sich um die Travis-Nummer. Die musikalische Interpretation von Campbell ist sehr nahe an das Original angelehnt und passt perfekt zu dem Mann. Die stimmliche Umsetzung gibt dem Song eine etwas andere Richtung und ist hier das Salz in der Suppe. Danach folgen mit „Walls“ und „Angel Dream“ zwei Tom Petty & The Heartbreakers Tracks, die natürlich wie geschaffen sind für das Organ von Campbell. Man merkt direkt, dass sich der Mann hier wohl fühlt. Mit „Time Like These“ folgt dann allerdings eine faustdicke Überraschung oder wer hätte erwartet, dass sich der gute Glen an das, im weitesten Sinne, Grungefach heranwagt? Bei näherer Betrachtung passt die Nummer aus der Feder der Foo Fighters wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Die Keyboard- und Streichersequenzen sorgen allerdings auch dafür, dass das ganze etwas verkitscht wirkt. Trotzdem interessante Interpretation.
In der zweiten Albumhälfte findet sich mit „All I Want Is You“ ein Höhepunkt der Scheibe wieder. Noch heute spielen U2 diesen Song von ihrem Album „Rattle And Hum“ gerne live. Campbell orientiert sich mit seiner Umsetzung an der von U2, allerdings so, wie die Iren den Song, mit viel Bombast, zum Schluss hin vortragen. Die Magie, die U2 bei „All I Want Is You“ erreichen, geht ihm allerdings ab. „Jesus“, im Original von Velvet Underground und „Good Riddance“ von Green Day hätte man auch nicht unbedingt hier erwartet – umso schöner, dass diese so gelungen und passend sind.
Fazit: „Meet Glen Campbell“ ist ein kleines und feines Coveralbum geworden. Campbell schafft es, die zehn Songs so klingen zu lassen, als wären sie aus seiner eigenen Feder entsprungen. Dies ist mehr, als es die meisten Alben ähnlicher Machart vorweisen können!
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