Lennon oder McCartney? McCartney oder Lennon? Während manche noch über dieser Frage grübelnd sitzen, antworten andere zur Überraschung vieler mit Harrison! Der stets als stille Beatle bezeichnete George Harrison ist der heimliche Liebling vieler Fans der wichtigsten und berühmtesten Band im Rockzirkus – The Beatles. Auch nach dem Ende der Fab Four hielt er sich größtenteils aus dem ganzen Zirkus der Klatschpresse heraus und machte lieber mit und durch seine Musik von sich reden. Es war übrigens nicht Bob Geldof oder gar Bono, die als erste Initiatoren eines Benefizkonzertes auf den Plan traten. Es war George Harrison mit seinem „Concert For Bangla Desh“ im Jahre 1971 im New Yorker Madison Square Garden.
Es gibt so viele unnütze „Best Of“ Kollektionen, aber ganz sicher nicht „Let It Roll“ von George Harrison. Äußerst bemerkenswert, dass es erst jetzt eine Label-übergreifende Sammlung von Harrison gibt. Seine Frau Olivia stellte die Trackliste höchstpersönlich zusammen. Selbstverständlich wurde das Material auch digital remastert. Giles Martin übernahm den Job in den Londoner Abbey Road Studios. Verwendung fanden neunzehn Songs, die sich fast auf eine Spielzeit von 80 Minuten erstrecken.
Es ein Album von George Harrison in neuer Klangqualität war längst überfällig. Trotzdem muss man ein wenig Kritik anbringen. Warum wird dieser große Ausnahmekünstler nur mit einer CD gewürdigt? Es muss ja nicht direkt ein Box-Set sein, aber so bleiben doch einige Songs auf der Strecke, die für sein Gesamtschaffen essenziell und wichtig sind. „Bangla Desh“ und „You“ sind eigentlich unverzichtbar, fehlen aber hier. Auch ein „Dark Horse“ vermisst man hier schmerzlich. Selbstverständlich wird man auf derart gelagerten CDs immer Lücken in der Tracklist finden, aber ein George Harrison ist ja nun kein Wald- und Wiesenkünstler, sondern einer der wichtigsten Personen der modernen Musikgeschichte.
Der Schwerpunkt der CD liegt so auf dem phänomenalen Erstling „All Things Must Pass“, „Cloud 9“ und „Brainwashed“. Komplettiert wird das Werk mit weiteren Einzeltiteln und seinen großen Beatles-Nummern in der Liveversion vom „Bangla Desh“ Konzert. Der Soundtrackbeitrag „Cheer Down“ und die Dylan-Komposition „I Don´t Want To Do It“ sind für Fans sicher kein Neuland, aber für Neueinsteiger eine feine Geschichte, da diese Songs nur schwerlich zu kriegen sind.
Sehr schön und liebevoll ist die Gestaltung der CD. Vom unschuldigen weiß des Covers über das üppige Booklet ist das eine sehr feine Geschichte geworden. Neben vielen Fotos der verschiedenen Karriereabschnitte gibt es noch eine (für CD) ausführliche Biografie der musikalischen Solo-Eckpunkte von George Harrison von Warren Zanes.
Die Songs selber sind natürlich größtenteils kleine Perlen und in dieser verbesserten Klangqualität nochmals eine Bereicherung des Gesamtkatalogs. Gut, dass die furchtbare Single „Got My Mind Set On You“ direkt zu Beginn verbraten wurde. Danach kann man sich voll und ganz beim schönen „Give Me Love (Give Me Peace On Earth)" entspannen, man höre sich nur diese wunderbare Gitarre an. Natürlich darf „My Sweet Lord“ nicht fehlen. Die Geschichte und den ganzen Streit um die Nummer dürfte ja hinlänglich bekannt sein, ändert aber nichts daran, dass dies nicht mehr und weniger ein Meisterwerk ist und bleibt. Direkt im Anschluss folgt das Jahrhundertwerk „While My Guitar Gently Weeps“ in der Liveversion vom Bangla Desh Konzert. Von „All Things Must Pass“ über „This Is Love“, „All Those Years Ago“ oder „What is Life“ reicht die Palette an Hits, die jeder kennt. Künstlerisch sehr wertvoll! Unter den neunzehn Songs befindet sich unter Garantie für jeden Hörer ein persönlicher Lieblingshit. Für die einen wird es das großartige „Something“ sein, für andere „Blow Away“ oder „Isn´t It A Pity“ (löblich, dass man den Song als Schlusspunkt noch auf das Album gepackt hat) und für wieder andere „Here Comes The Sun“ in dieser wundervollen Liveversion.
Fazit: Eine Werkschau von George Harrison war längst überfällig. Diesen Zweck erfüllt nun „Let It Roll“ endlich. Es handelt sich dabei zwar nicht um die ultimative „Best Of“ Zusammenstellung, denn dafür fehlen einfach zu wichtige Songs. Die Aufmachung entschädigt diesen Umstand allerdings wieder etwas und die Musik selber ist natürlich über jeden Zweifel erhaben und die klangliche Qualität umwerfend gut, wodurch einige Songs direkt noch mal aufgewertet werden. Die Songs verdienen ohne Zweifel sowieso die Höchstwertung, leichte Abzüge gibt es nur in der B-Note aus oben genanntem Grund.
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am Mittwoch, den 10. Juni 2009 um 10:50 Uhr veröffentlicht
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