Evie hat unreine Träume, aber das darf niemand wissen. Denn in der abgeriegelten Stadt werden die Bewohner durch den „Bruder“ und sein System in Kategorien der seelischen Reinheit eingeteilt. Unkeusche Gedanken, Aggressivität und kritische Fragen führen zur sofortigen Rangänderung – als D ist man Aussätziger und wird auch so behandelt.
Draußen vor der Stadt warten die Bösen, die die guten Menschen der Stadt bedrohen und ihr Seelenheil in Gefahr bringen. Nur wer der Neutaufe zustimmt, einem Eingriff am Gehirn, darf Teil der Gemeinschaft in der Stadt werden.
Evie’s Zukunft ist gesichert, da sie mit Lucas, Kategorie A und rechte Hand des „Bruders“, verlobt ist. Aber Lucas ist immer so kontrolliert und daher ist Raffy, sein offener, gefühlsbetonter Bruder, schon seit Jahren die heimliche Liebe der 17jährigen. Als Lucas hinter ihre Beziehung kommt, wird Raffy für verrückt erklärt und in den Rang K degradiert. K für „Killable“!
Jetzt bleibt den beiden nur die Flucht ins Ungewisse, wenn sie nicht sterben wollen – eine Flucht, die Evie das Leben in der Stadt und auch Lucas plötzlich in einem ganz anderen Licht sehen lässt…
„Das letzte Zeichen“ (cbt) ist der erste Band der neuen Reihe von Gemma Malley.
In ihrer Nachkriegs-Welt leben einige Auserwählte in der „Stadt“, einer Lebenswelt ständiger Eigen- und Fremdkontrolle, geprägt von einem vorgeschobenen Frieden und der unterschwelligen Angst vor Repressalien in der erzwungenen Konformität. Sie wirkt durch die kurzen, knappen und fast emotionslosen Beschreibungen noch farbloser und bedrückender.
Leider schafft es Gemma Malley nur selten, diese Kühle zu durchbrechen und die aufblitzenden und durchaus fesselnden Emotionen ihrer Protagonisten auch glaubhaft zu machen. Raffy steckt durchgehend in einer verspäteten Trotzphase und wirkt daher hilflos und auch unsympathisch, Evie verheddert sich immer wieder in ihrer Selbstreglementierung und ihr holpriger Weg daraus überzeugt nicht wirklich – einzig Lucas kann berühren und wegen ihm mag man weiterlesen, während man nach einem Taschentuch greift. Die anderen Personen, leider auch der „Bruder“, bleiben blass gegenüber der Welt und ihren Strukturen. Daher fiebert man nicht so sehr mit ihnen mit und es baut sich nicht ganz die Spannung auf, die möglich gewesen wäre bei dieser tollen Grundkonstellation.
Fazit: Eine großartige Idee für ein dystopisches Gesellschafts-Szenario, die leider nicht durchgehend spannend erzählt wird und durch eine abgeklärte Sprache zu selten Emotionen transportiert. Trotzdem muss man einfach wissen, wie es im nächsten Band weitergeht – denn es bleiben viele Fragen offen.