Manchmal ist es doch schön in Erinnerung zu schwelgen. Was waren das noch für Zeiten, als man an einem lauen Sommerabend auf den Festivals dieser Welt einer Rockband bei der Verrichtung ihrer Arbeit zuschauen durfte? Diese Rockband nannte sich Bush und ist längst Geschichte. Eine offizielle Auflösung gab es zwar nie, allerdings einigte man sich auf eine Schaffenspause und interne Querelen machten und machen die ganze Geschichte sowieso nicht einfacher. Bush waren vielleicht nicht die Lieblingsband schlechthin und die Jungs mussten sich auch oftmals als britische Nirvana-Klone bezeichnen lassen, unter dem Strich waren ihre Konzerte aber immer ein mitreißendes Ereignis und sie haben nicht nur vereinzelt tolle Songs aufgenommen, sondern sogar auf Albumlänge überzeugt.
Um Aushängeschild Gavin Rossdale wird es auch ruhiger und er fällt eher als Ehemann von Gwen Stefani auf, denn durch sein musikalisches Schaffen. Neben einigen anderen Projekten ruft er mit Institute eine neue Band ins Leben. An die alten Erfolge kann dies freilich nicht mehr anknüpfen. Nun folgt mit „Wanderlust“ also der Versuch unter eigenem Namen wieder Fuß im Musikgeschäft zu fassen. Unter die Arme gegriffen haben ihm dabei Bob Rock, Linda Perry und Dave Stewart. Hat Rossdale nun schon keine eigenen Ideen mehr?
Die Frage kann man wohl eindeutig mit Ja beantworten. „Wanderlust“ ist in jeglicher Hinsicht eine Enttäuschung. Die markante Stimme von Rossdale ist noch eine positive Meldung wert, aber der große Rest? Die Texte sind erschreckend banal und musikalisch ist dies über weite Strecken ein einziges Trauerspiel. Hin und wieder gibt es solide Rockzutaten, allerdings klingt das einfach zu sehr nach Strickmuster A und wie am Reißbrett entworfen. Hier fehlt eindeutig die Seele, von guten Ideen mal ganz abgesehen - Pseudorock. Als Zuhörer bekommt man erschreckend seichte Kost serviert und die ein oder andere Powerpopballade (!) gesellt sich nun zum Repertoire von Rossdale. Auch wenn die Scheibe nach hinten raus („This Is Happiness“, „Another Night In The Hills“) an Fahrt aufnimmt, kann dies nicht über den Eindruck hinwegtäuschen, dass das alles zu aalglatt geraten ist. Erschreckend uninspiriert. Mehr als nett ist das leider alles nicht.
Fazit: Und wieder muss man enttäuscht feststellen, dass ein Held vergangener Tage besser nicht mit seinen neuen musikalischen Ergüssen an die Öffentlichkeit gegangen wäre. „Wanderlust“ hat zwar den ein oder anderen netten Ansatz zu bieten, aber immer, wenn man gerade denkt, jetzt kommt das Teil aus den Puschen, war es dann doch wieder nur die altbekannte Soße. Gavin Rossdale macht jetzt überwiegend in Pop – wer es mag. Auf die alten Zeiten – fünf Sternchen!