Gavin DeGraw kennt hierzulande so gut wie kaum jemand. Dies soll sich nun mit dem selbstbetitelten, neuen Album ändern. Ob dies dem jungen Singer und Songwriter gelingt muss man abwarten. Auf den vorliegenden zwölf Tracks hat er jedenfalls hörbar sein Herzblut reingelegt und ein schönes Mainstreamrockalbum aufgenommen, welches irgendwo zwischen Matchbox Twenty und den Counting Crows rangiert. An der einen oder anderen Stelle blitzen auch die Wallflowers und Keith Urban durch. Ein sehr amerikanisches Album also und ob der New Yorker damit in Europa punkten kann? Wie gesagt, es bleibt abzuwarten.
Die Scheibe hat alles zu bieten von Pop, Rock über Soul bis hin zu bluesigen Elementen. Los geht es schön rockig mit „In Love with a Girl“. Fette Produktion, eingängiger Refrain, so funktioniert wohl gut gemachter Radiorock. „Next to Me (Wait a Minute Sister)“ macht im Anschluss weniger auf dicke Hose, knüpft im Grunde aber mit einem sonnigen Refrain nahtlos an den Opener an. Ein erster Höhepunkt folgt mit „Cheated On Me“. Die Nummer kann mit einem schönen Pianothema punkten, ohne auf die rockigen Elemente zu verzichten. „I Have You To Thank“ ist in ähnlichem Fahrwasser angesiedelt. Gavin DeGraw macht nicht nur Musik, sondern er hat auch Geschichten zu erzählen. „Cop Stop“ verfolgt den Erzählstil, der viele Singer- und Songwriterqualitäten zu bieten hat, auf Rockelemente aber trotzdem nicht verzichtet. „Young Love“ hat zum Abschluss der ersten Albumhälfte sogar eine astreine Ballade zu bieten.
„Medicate The Kids“ eröffnet die zweite Hälfte dann wieder sehr rockig, groovt aber auch ganz gut durch die Prärie. Wer jetzt nicht mitwippt, der ist wahrscheinlich am Stuhl festgetackert. Bei „Relative“ überzeugt Gavin DeGraw die Zuhörer mit seinem Gesangsvortrag und holt die Nummer damit aus dem Mittelmaß heraus. Einen weiteren balladesken Song gibt es anschließend mit „She Holds A Key“ auf die Lauscher, bevor „Untamed“ zwar auf hohem Niveau weitermacht, aber auch etwas austauschbar klingt. „Let It Go“ schlägt dann abermals eher die ruhigeren Töne an, bevor „We Belong Together“ aus "Tristan And Isolde" das Album mit einem Ausrufezeichen beendet.
Fazit: Das Album ist rockiger und auch massentauglicher als sein Vorgänger geraten. Zum Refrain hin, lässt sich Gavin DeGraw hin und wieder zu hymnenhaften Momenten hinreißen und man wähnt den Mann schon auf den ganz großen Bühnen dieser Welt – inklusive fettem Backgroundgesang. Die Produktion ist dementsprechend fett, handwerklich ist das sowieso alles erstklassig und auch stimmlich kann DeGraw überzeugen. Das Album hat, wenn überhaupt, einzig das Problem, sich nicht besonders von der Masse abzuheben, ähnliche Scheiben gibt es nämlich schon wie der sprichwörtliche Sand am Meer. Auf der anderen Seite werden Freunde des gepflegten Mainstreamrocks voll und ganz auf ihre Kosten kommen!