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Garbage: Absolute Garbage (DVD) Tipp

(Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 10,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Garbage Absolute Garbage (DVD)Mit der Werkschau von „Absolute Garbage“ gehen die 90er tatsächlich dem Ende entgegen. Wir schreiben zwar schon das Jahr 2007, aber wenn man ehrlich ist, dann ist dieses Jahrzehnt bei weitem musikalisch nicht so ergiebig und vor allem so aufregend wie noch nach der großen Welle des vorausgegangenen. Nach „Nevermind“ gab es plötzlich kein Halten mehr und die Indiemusik drängte unaufhaltsam in den Mainstream. Plötzlich schien alles möglich, eine Stilvielfalt trat zu Tage, wie es sie noch nie gegeben hat. Genau dies rief drei Produzenten auf den Plan es doch auch mal gemeinsam und mit einer Band zu wagen. Freilich brauchten sie noch ein Aushängeschild und so suchten sie als Gegenpol eine Sängerin. Eigentlich war die ganze Geschichte als Freizeitprojekt angelegt und sollte den Herren ein bisschen Spaß bringen. Eine Sängerin fand man schließlich in dem fast unbekannten Mädchen Shirley Manson. Was dann folgte war so was wie der Traum einer jeden Band. Mehr als 12 Millionen Alben verkaufte die Band und ließ fast keine Konzertbühne, Halle oder Festival aus. Auszeichnungen wurden fast im Laufschritt eingesammelt.

Freizeitprojekt bei dieser Supergroup? Ob die Herren daran jemals selber wirklich geglaubt haben? Der Erfolg war ja fast schon beängstigend vorprogrammiert. Nebenbei setzte Drummer Butch Vig vorher ja schon mit „Gish“ von den Smashing Pumpkins und „Nevermind“ von Nirvana zwei Meilensteine in die Welt und avancierte in diesem Jahrzehnt zu dem Indiepapstproduzenten schlechthin. Garbage selber schenkten der Welt vier Alben, das gleichnamige Debüt (95), „Version 2.0“ (98), „Beautiful Garbage“ (01) und „Bleed Like Me“ (05). Ist „Absolute Garbage“ nun der Nachruf? Schafft es die Band noch mal ein weiteres Kapitel in der Bandgeschichte aufzuschlagen? Beantworten können es die Vier wohl selber nicht so ganz genau. Die Zeit wird es zeigen.

Es stellte sich immer die Frage wer oder was Garbage waren? Oder noch besser, wer die Fans waren und vielleicht noch sind? Gab es überhaupt Fans? Oder war Garbage genau die richtige Gruppe zur richtigen Zeit? Irgendwie konnte sich seinerzeit so ziemlich jeder auf die Gruppe einigen. Vom Punk, über den Indienerd, hin zum Beamten, zum Popper, über den Schlipsträger bis sogar in die elterlichen Wohnstuben. So ziemlich jeder konnte etwas mit Garbage und deren Musik anfangen und wer nicht, der erfreute sich spätestens bei den Videos an Shirley Manson.

Eben diese Videos gibt es nun auf der DVD Version von „Absolute Garbage“ erneut zu bewundern. Andere Worte kann man für die Videoästhetik nicht finden. Chronologisch angeordnet fängt die ganze Geschichte mit „Vow“ an. Der Clip ist als reines Performancevideo angelegt. Die Band spielt sich im Hintergrund die Seele aus dem Leib, während Frau Manson den unnahbaren Vamp gibt, dem sich damals schon keiner entziehen konnte. „Queer“ mit seiner schwarzweiß Optik und einer Shirley Manson, die mit der Kamera spielt, setzt danach noch einen drauf. Spätestens bei „Only Happy When It Rains“ wird klar, dass die Band schon immer ihre eigenen Stärken genau kannte. Wer konnte sich damals schon dieser lasziven Shirley Manson im blauen Kleidchen entziehen? Das Video ist ja nicht nur sexy, sondern fast schon Sex pur. Die Herren Vig, Erikson und Marker werden da auch trotz Kajal nur zum schmucken Beiwerk. Bei „Stupid Girl“ wurde dann nach „Vow“ ein weiteres Mal ein Bandvideo gedreht, allerdings in komplett anderer Aufmachung. Hier ist fast die ganze Palette von Videooptik zu sehen - alt, schwarzweiß bis hin zu knallbunt. Das kühle Video zu „Milk“ passt sich hervorragend dem Song an, bevor es mit „Push It“ wieder mehr zur Sache geht. Dies ist auch gleichzeitig das erste Mal, dass hier eine richtige Geschichte erzählt wird. Hauptdarstellerin? Richtig! Shirley Manson. „I Think I´M Paranoid“ erfreut die Welt dann wieder als richtiges Bandvideo, allerdings frönt die Band auch hier in ihrer Vorliebe für schwarzweiß Ästhetik. „Special“ kommt im Stile eines Videospiels und ist mal eine ganz nette Abwechslung und in der Umsetzung sehr gelungen. Von „When I Grow Up“ ist hier die Live-Performance-Collage enthalten. Ein weiteres Erzählvideo findet sich anschließend mit „You Look So Fine“, wobei die visuelle Umsetzung wesentlich interessanter als die musikalische ist. Natürlich darf auch der James Bond Gassenhauer „The World Is Not Enough“ nicht fehlen. Von dem guten Teil kann man halten was man will, aber das Video ist absolut gelungen. Danach darf man eine neue Frau Manson bewundern. Bei „Cherry Lips [Go Baby Go]" sind nicht nur die Haare kurz, nein von rot wurde zu blond gewechselt – gewöhnungsbedürftig. Die Idee die vier Protagonisten als leere Kleiderhüllen agieren zu lassen und ansonsten nur in aufgehängten Fernsehern zu zeigen ist nicht nur nett, sondern auch ganz witzig geraten. Ein weiters Live-Video gibt es mit „Shut Your Mouth“ zu sehen, bevor ein weiteres Mal mit „Why Do You Love Me“ und „Bleed Like Me“ eine Geschichte erzählt wird. Gespannt sein durfte man auf den neuen Song „Tell Me Where It Hurts“. Insgesamt ist der Track schon sehr auf das Formatradio zugeschnitten und lässt alte Stärken der Band nur noch geringfügig aufblitzen. Das dazugehörige Video ist jedoch sehr nett geraten.

Heimlicher Star dieser Kollektion ist allerdings die absolut sehenswerte Dokumentation „Thanks For Your Uhh, Support“. Im Grunde sind solche Beigaben oft absolut verzichtbar. Dieser über 70 Minuten(!) lange Film hat es allerdings in sich. So nahe kam man der Band wohl noch nie. Hier gibt es jede Menge Backstage Impressionen und bisher noch nie gesehenes Material zu bestaunen. Die komplette Geschichte wurde während ihrer zehnjährigen Karriere gefilmt. Man hat als Betrachter den Eindruck, als blicke man in ein Privatvideo. Nicht, weil die Qualität so schlecht ist, sondern weil man immer wieder den Eindruck gewinnt, dass man hautnah dabei ist. Zudem machen diese knapp 70 Minuten eins ganz deutlich: Garbage waren eine richtige Band und hatten jede Menge Spaß bei ihrer Arbeit.

Fazit: Die DVD dürfte für den ein oder anderen Betrachter nicht nur eine Reise in den Garbage Kosmos sein, sondern auch direkt in die eigene Jugend. Jeder, der mit diesen Songs und Videos aufgewachsen ist, der sollte sich dieses schmucke Stück auf jeden Fall zulegen. Das waren noch Zeiten, als auf MTV noch Videos gezeigt wurden. Gute Erfindung – die DVD.

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