Eigentlich ist der Status der Foo Fighters unglaublich. Mittlerweile tun sich selbst die größten Künstler und Bands schwer ein ganzes Stadion auszuverkaufen und diese vier Jungs hier füllen mal eben an zwei Abenden hintereinander das Wembley Stadion in London. Am 6. und 7. Juni lockten sie jeweils 86.0000 Zuschauer an um sich ihre Show anzusehen. Diese beiden Konzerte waren gleichzeitig auch die beiden größten Gigs, die sie als Headliner in ihrer Karriere bisher spielten. Es lag da natürlich nahe, das auch entsprechend für die Nachwelt festzuhalten. Nun kann man schon den Zusammenschnitt der beiden Konzertabende auf DVD bewundern.
Zur Verstärkung haben sich die Vier dann auch gleich noch ein paar Freunde eingeladen. Pat Smear ist fast schon wie selbstverständlich dabei. Gehört er eigentlich wieder zur Band? Oder noch? Immer noch? Na egal, wie dem auch sei, es ist immer wieder eine Freude, wenn er dabei ist. Drew Hester kümmert sich um die Percussion, Rami Jaffee an den Tasten sollte ja auch ein Begriff sein und an der Violine darf Jessy Greene den Klang veredeln. Aber keine Angst, was sich vielleicht auf den ersten Blick wie die große Weichspülerei anhört entpuppt sich dann doch ganz anders. Die Foo Fighters legen eine erstklassige Rockshow auf die Bretter – ohne Kompromisse! Im Gegenteil, sie brettern und rocken sich durch ihr Set, dass es eine wahre Freude ist.
Dave Grohl, Taylor Hawkins, Nate Mendel und Chris Shiflett steht die Überraschung aufgrund der imposanten Kulisse ins Gesicht geschrieben. Ansonsten alles wie immer: Taylor Hawkins sieht immer aus wie die etwas dünnere Ausgabe von Brad Pitt, er bearbeitet konzentriert und angestrengt seine Felle und ist ebenso für den Backgroundgesang zuständig. Chris Shiflett hingegen kann sich nicht entscheiden zwischen Bescheidenheit und der großen Rockstarpose. Nate Mendel steht, wie immer, versunken da und gibt sich voll und ganz seinem Bass hin. Und Dave Grohl? Der hat sich mittlerweile zu einer Front- und Rampensau entwickelt, wie sie im Rockstarbuch ganz vorne steht.
So einfach ist es natürlich nicht. Denn um so eine amtliche Meute über die Länge eines kompletten Konzertes bei Laune zu halten, bedarf es schon einer gewissen Extraklasse. Die Foo Fighters haben selbstverständlich ihre Hausaufgaben gemacht und sie beherrschen ihre Instrumente aus dem Effeff. Der Sound bläst sowieso alles um und die Songs sind allesamt als Hits zu bezeichnen. „The Pretender“ und „Times Like These“ eröffnen die Show kongenial. Die Fans im Innenraum drehen schon hier komplett am Rad und Dave Grohl lässt nicht nur seine mittlerweile amtliche Matte kreisen, sondern nutzt auch hier schon den ellenlangen Laufsteg für ein Bad in der Menge.
Die ersten vier bis fünf Songs brettern die Foo Fighters förmlich durch ihr Set. Eine große Kommunikation mit dem Publikum gibt es nicht. Erst als Dave Grohl meint er müsste die Atmosphäre mit einem respektablen Rülpser auflockern, ist auch hier das Eis gebrochen. Die 18 Songs bestehen fast nur aus Klassikern, da bilden auch die neueren Songs vom letzten Album keine Ausnahme. Wenn nach dem krachigen „Breakout“ das großartige „Stacked Actors“ folgt, bangt man fast unweigerlich durch das Wohnzimmer. Taylor Hawkins darf sich bei einem Solo den Arsch abtrommeln. Die Foo Fighters wissen halt, was zu einer Rockshow gehört.
Dazu gehört auch ein Akkustikpart. Dieser wird von „Skin And Bones“ eingeläutet. „Marigold“ und das abermals beeindruckende „My Hero“ zeigen eindrucksvoll, dass die Band auch weiß, wie man auch hier die Spannung aufrecht erhält. Der Höhepunkt der Show und der DVD dürfte aber der Auftritt von 50 % Led Zeppelin sein. Jimmy Page und John Paul Jones betreten die Bühne und da erstarren fast selbst die Foo Fighters in Ehrfurcht. Zusammen spielen sie deren Klassiker „Rock and Roll“ mit Hawkins am Mikro und Grohl hinter der Schießbude! Ebenso wird noch „Ramble On“ dargeboten. Das ganze Stadion scheint eine Gänsehaut zu haben und selbst auf der heimischen Couch stellen sich sämtliche Haare auf! „Best Of You“ beendet dann ein beeindruckendes Set!
Die filmische Umsetzung ist äußerst gelungen und fängt die Dynamik der Show sehr gut ein. Der Sound ist natürlich auch zeitgemäß und kommt sehr druckvoll aus den Boxen. Was leider abermals fehlt ist jegliches Bonusmaterial und Extras! Dies gibt dann doch einen kleinen Abzug in der B-Note, denn da hätte es doch sicherlich genug Möglichkeiten gegeben.
Fazit: „Live At Wembley Stadium” zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, dass die Foo Fighters es mittlerweile auch verstehen die ganz großen Bühnen zu rocken. Zudem ist es äußerst bemerkenswert wie viele Hits die Band am Start hat. Auf dieser DVD Produktion wurde dies alle wunderbar eingefangen. Schade, dass es keine Extras gibt, denn dann wäre das Teil hier sicher eine der besten Live-DVD-Produktionen des Jahres 2008!