In irgendeinem verschlafenen Ort im Weserbergland lärmt seit über einem Jahrzehnt Final Cry - bislang allerdings auf nationaler Ebene ungehört. Und auch wenn es der Band sicherlich nicht schmecken wird: Daran wird auch der neue Player Neptune’s Relief nichts ändern.
Das soll nicht heißen, dass die Band schlecht ist. Nein, wenn man auf traditionellen Power Thrash steht, könnte man mit der aktuellen Scheibe durchaus warm werden, aber es heißt auch nicht, dass die Gruppe sensationell gut ist. Denn hier fehlt noch ein wenig Saft, der die Old School Ecke in meinem Herzen höher schlagen lässt. Die Momente, die Z.B. Platten wie No place for disgrace von Flotsam & Jetsam oder The years of decay von Overkill heute noch unvergessen und mich wach machen wie 2 Liter Kaffee intravenös.
Drei Gründe lassen sich hierfür finden: 1) Es fehlt bei vielen Songs noch der magische Moment, die packende Hookline, das gewisse Etwas, 2) es fehlt Sänger Mario Reese trotz Reibeisenstimme an dem Gespür für wirklich unvergessene Harmonien und 3) die Produktion ist zwar solide, aber tritt letztendlich im direkten Vergleich zum heutigen Standard nicht genug Arsch. Wobei ich letzteres nicht einmal schlimm finde.
Beim zweiten Weizen macht Neptune’s Cry aber gerade aufgrund seines altbackenen Charakters dennoch viel Freude. Auch wenn die Höhepunkte erst zum Schluss einsetzen: Die Eigenkomposition Scarlet Sleep knallt gerade aufgrund der mehrstimmigen Shots und das Hallow’s Eve Cover Pluging to Megadeath lässt die Sehnsucht nach dem unvergessenen 80er Thrash aufflammen. Alleine dafür sind 7.5 Punkte gerechtfertigt.