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Feist: The Reminder

(Polydor/Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Feist The ReminderWenn man das glockenklare Organ von Leslie Feist hört, dann kann man es gar nicht glauben, dass sie zu Beginn ihrer Karriere mal in einer Punk-Band sang oder besser grölte. Auch ihren Beitrag zur allerorten gelobten Indie-Combo Broken Social Scene ist nicht unbedingt ein Indiz auf momentanes künstlerisches Schaffen. Mit „The Reminder“ kann man sich nun erneut ein Bild davon machen. Hat die 31jährige Kanadierin zuvor noch mit Coverversionen überzeugt, handelt es sich bei den neuerlichen Songs um Eigenkompositionen. Unterstützung erhielt sie dabei durch ihre Live-Band und Freunde.

Aufgenommen wurden die dreizehn Songs in einem 200 Jahre alten Prachtbau in einem Randbezirk von Paris. Wenn man dem Presseinfo glauben darf, dann war dieser ganze Prozess und für nicht wenige Künstler schwierige Teil, oftmals verbunden mit einem Hang zum Wahnsinn, für Feist und ihre Mitstreiter eine vollkommen entspannte Angelegenheit. Angeblich entstanden Teile davon im Schlafanzug. Songs die also (fast) im Schlaf eingespielt wurden.

Diese entspannte Grundstimmung hört man „The Reminder“ nun auch deutlich an. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass man eine zuschlagende Autotür, Hundegebell oder Vogelgezwitscher während der Tracks vernehmen kann – zum Teil gewollt, zum Teil ungewollt. „So sorry“ eröffnet die Platte dann auch standesgemäß sehr entspannt. „I Feel It All“ schlägt dann sicher etwas aus der Art. Schmissig und rockig, natürlich für Feist Verhältnisse, ragt der Track in jeglicher Hinsicht heraus. Auch wenn die Grundstimmung von „The Reminder“ grundsätzlich sicher eher melancholisch gestimmt ist, so verbreitet diese Nummer doch recht gute Laune und ist fast schon tanzbar. Mit einer lässigen Coolness trägt sie anschließend „My Moon My Man“ vor. Musikalisch passiert dazu eine ganze Menge. Überhaupt hat die Platte diesbezüglich sehr viel aufgefahren. Hier gibt es auch mal ein Banjo, Vibraphone, Farfisa, Trompete und sonstiges Brimborium zu hören. Trotzdem wirkt die ganze Geschichte nie überladen. Hier sitzt alles und hat Luft zum atmen. „The Park“ bewegt sich eher in Singer/Songwriter Gefilden, bevor es mit „The Water“ wieder etwas schneller wird. „Sealion“ durchzieht eine countryeske Atmosphäre, um mit „Past in Present“ ruhiger in den Folk-Bereich überzugehen.

Die zweite Albumhälfte läutet dann das ruhige „The Limit To Your Love“ ein. „1234“ beginnt als Kinderabzählreim um dann allerlei musikalische Spielereien aufzubieten. „Brandy Alexander“ zeigt Feist wieder von ihrer ganz ruhigen und entspannten Seite. Träumerisch knüpft daran Intuition an. Leider kommt „Honey Honey“ auch nicht recht aus den Puschen und so droht zum Ende hin etwas Langeweile. Die eindringliche Stimme von Feist hebt den Song allerdings dann doch wieder etwas aus dem Mittelmaß heraus. Herzzerreißend, wie die Frau es versteht ihr Organ einzusetzen. Den versöhnlichen Albumabschluss gibt es dann mit „How My Heart Behaves“.

Fazit: Feist ist mit „The Reminder“ eine wunderschöne Platte gelungen, die sich abseits des Mainstreams eine Nische gesucht hat und mit diesem Werk auch sicher finden wird. Musik zum träumen, entdecken, zuhören, (selten) tanzen und einfach genießen. Musik, die nicht nur zum bloßen Konsumgut verkommt, sondern sich „echt anfühlt“ und das ist zwischen dem ganzen Plastik heutzutage ja fast schon eine Seltenheit.

Wer sich selbst ein Bild machen will, der sollte dies mittels diesem schönen Albumplayer tun:

http://www.feist-music.de/albumplayer/

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