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Farin Urlaub Racing Team (FURT): 22.11.2008, Palladium, Köln

Autor: schlimm / Kommentare: Bisher keine

Mittlerweile machen sich Temperaturen bemerkbar, die man in unseren Breitengraden gemeinhin als winterlich bezeichnen kann. Trotzdem scheute eine Gruppe von Unbeugsamen nicht davor zurück, am Samstag im Kölner Stadtteil Mülheim ein T-Shirt zur Schau zu tragen. Farin Urlaub und sein Racing Team luden in den Krachgarten ein und alle sind sie dem Ruf gefolgt. Der Ort des Geschehens war natürlich wieder rappelvoll. Schon erstaunlich, wo doch einen Tag zuvor schon an selber Stelle eben jener Krachgarten geöffnet hatte. Zudem war der Tourauftakt in der verbotenen Stadt in Düsseldorf ja auch quasi um die Ecke gelegen.

Aber die Fanmeute ist nicht nur groß, sondern eben auch treu und da sind wir wieder bei den T-Shirts (gut, ein paar Pullover gab es auch zu sehen). Gefühlte 99 Prozent führten nämlich an diesem Abend ihr Leibchen aus. Die älteren Besucher hatten wohl ganz tief hinten im Schrank gewühlt und so durfte man die Konzerthistorie der Die Ärzte ab den 80ern bewundern. Aus sämtlichen Epochen der Band schien die Fanschar zu stammen und vereinte sich zu einem kunterbunten Haufen. Aber auch FURT wurde gebührend geehrt und so sah man ebenfalls den ein oder anderen stolzen Konzertgänger, der auch schon auf das ein oder andere Liveerlebnis mit Farin Urlaub und seinem Racing Team zurückblicken konnte. Dies ist insofern schon erstaunlich, da FURT es anscheinend ebenfalls schaffen, immer wieder aufs Neue, ganz junge Fans zu begeistern und auch die älteren Semester kommen immer wieder gerne. Es gibt nicht viele deutschsprachige Künstler, die dies von sich behaupten können.

Um kurz vor 20 Uhr war die Spannung dann auf dem Höhepunkt. Der Innenraum feierte sich selbst und verhöhnte mit den üblichen Spielchen die Leute auf der Empore. Jeder Ton, der von der Bühne kam, wurde frenetisch gefeiert. Selbige war übrigens mit einem schwarzen Tuch verhangen und so gab es erstmal rein gar nix zu sehen. Ein Gong läutet dann auch zum großen Aufmarsch ein. Es war also angerichtet und eine stattliche Anzahl an Zuschauern, die auch schon am Vorabend anwesend waren, flippten in freudiger Erwartung förmlich aus.

Der Vorhang wurde eingerollt und was dann in den folgenden knapp zwei Stunden folgte, war nicht nur beste Unterhaltung, sondern eine fein arrangierte und austarierte Rockshow. „Nichimgriff“ läutet den Songreigen ein. Man könnte auch Hitreigen schreiben, denn was FURT hier raushauten war und ist schon aller Ehren wert. Was auf den ersten Blick dann locker und lässig aussieht, lässt fast vergessen, dass da eine Menge Können vorhanden ist. Man muss an dieser Stelle auch mal den Mannen am Mischpult ein großes Kompliment aussprechen. Das schlauchartige Kölner Palladium ist nämlich alles andere als der optimale Konzertort. Trotzdem war der Ton von vorne bis hinten glasklar und kam auch in der letzten Ecke der Halle sehr gut an.

Gespannt durfte man natürlich auch darauf sein, wie sich die neuen Sachen von „Die Wahrheit übers Lügen“ in das Liveset einfügen werden. Die Songs wurden ebenso frenetisch von der Menge angenommen und die Umsetzung konnte sich absolut hören lassen. Und so Geschichten wie „Gobi Todic“ sind einfach wie für die Bühne gemacht. Aber auch die ernsteren Töne wie z.B. von „Pakistan“ fügten sich hervorragend ein.

Selbstverständlich hat Farin Urlaub die Setliste bunt gemischt und so folgte nach dem fulminanten Start mit „Unsichtbar“ gleich der erste Kracher von „Am Ende der Sonne“. Die Scheibe war dann auch für die rockigen und harten Momente der Abends zuständig. Aber selbstverständlich macht es ja bekanntlich die Mischung und als dritten Track gab es dann mit „Ich gehöre nicht dazu“ gleich auch eine Nummer vom Solodebüt „Endlich Urlaub“. Klasse! Insgesamt schüttelte die Band knapp dreißig Songs aus dem Ärmel. Überhaupt die Band! Diese verdient nicht nur Applaus, sondern Respekt und Anerkennung. Was Nessie an der Gitarre und Cindia mit dem Bass veranstalten ist schon allererste Sahne. Endlich mal ist ein Bass klar und deutlich zu vernehmen und gibt hier und da sogar den Ton an. Sehr effizientes und druckvolles Spiel, sieht – oder besser hört – man so auch nicht alle Tage. Auch die Bläsersektion von den Busters und Schlagzeugerin Rachel sind eine Bereicherung für den Bandsound. Und dann wäre da ja noch die famose Backgroundband, die ebenfalls für den Gesang und die Percussion zuständig ist. So ergibt sich doch eine recht eigenständige Band, die sämtliche Spielarten beherrscht. Von druckvoll und hart, bis hin zu tanzbar, nachdenklich und leise. Wann hat man Farin Urlaub eigentlich zuletzt tanzen sehen? Das Racing Team schafft jedenfalls das Kunststück und so gab er an diesem Abend auch eine Kostprobe seines Könnens. Überhaupt war die Stimmung auf der Bühne locker und gelöst und das übertrug sich dann auch auf das Publikum.

Zeitweise glich das Palladium einer Partyhölle. „1.000 Jahre schlechten Sex“, „Der ziemlich okaye Popsong“ oder „Petze“ hatten aber auch genug Argumente für die Zuschauer zu bieten, mal ordentlich auf den Putz zu hauen. Politische Statements kamen natürlich auch nicht zu kurz und so konnte sich jeder bei „Lieber Staat“ mal wieder ein paar Gedanken machen. Die Bühne wurde abwechselnd in weißes, rotes oder blaues Licht getaucht. Mehr brauchte es aber auch nicht, denn das Bühnenbild mit zwölf Racing Team Protagonisten bot auch so genug fürs Auge und Aktion gab es ebenfalls reichlich zu bewundern. Höhepunkt in dieser Hinsicht war vermutlich, als das komplette Racing Team zu den Zugaben Percussions spielte.

Fazit: Farin Urlaub hat mit dem Racing Team eine völlig eigenständige Band ins Leben gerufen, die sich von seiner Hauptband Die Ärzte doch stark unterscheidet. Die Vielzahl an Instrumentierungen erlaubt es dem Racing Team den einzelnen Songs eine ganz eigene Note zu verleihen. Diese Stärke kommt gerade live wunderbar zum Vorschein. Das Konzert im Kölner Palladium verdient in jeglicher Hinsicht das Prädikat „Besonders Wertvoll“! Das Dargebotene machte regelrecht Lust auf mehr. Darum hier noch mal die restlichen Tourdaten, also auf in den Krachgarten:

25.11. Münster Halle, Münsterland
26.11. Leipzig, Arena
29.11. Würzburg, Arena
30.11. Frankfurt, Jahrhunderthalle
03.12. CH-Winterthur, Eulachhalle
04.12. München, Zenith
06.12. Trier, Arena
07.12. A-Hohenems, Tenniseventcenter
09.12. A-Graz, Stadthalle
12.12. Stuttgart, Schleyerhalle
13.12. Hannover, AWD Hall
14.12. Bielefeld, Seidenstickerhalle
17.12. Erfurt, Thüringenhalle
19.12. Berlin, Columbiahalle
20.12. Hamburg, Sporthalle

(Soundbase bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Völker hört die Tonträger, ganz besonders bei Benno und natürlich bei Farin Urlaub und dem Racing Team!)

www.farin-urlaub.de

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