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Fall Out Boy: Folie à Deux
(Universal)


Autor: schlimm / Wertung: 7,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Kritikerlieblinge waren Fall Out Boy noch nie. Im Vorfeld ihrer neuen Scheibe „Folie à Deux“ sind sie daher auch schnell bemüht diese Tatsache selber in die Welt zu posaunen. Klingt fast ein bisschen wie das Pfeifen im Wald und der Versuch im Vorfeld der zu erwartenden Kritikerschelte entgegenzutreten. Verunsicherung? Die Band hat in der Vergangenheit allerdings auch ein großes Stück dazu beigetragen, dass sie abseits ihrer Fans nicht unbedingt gemocht wurden. Zu berechnend schien die Musik zu sein. Hochglanzemo, der mehr auf den Erfolg schielte, denn auf die musikalische Qualität. Man konnte schon hier und da den Eindruck gewinnen, dass das ganze System und der Erfolg „Fall Out Boy“ wie aus dem Baukasten zusammengestellt wirkte. Planbarer Erfolg? Inklusiver plötzlich aufgetauchter Nacktbilder im Internet, Namenssuche durch die Fans und und und. Auf der anderen Seite steht da natürlich der immense kommerzielle Erfolg der Band auf der Habenseite. Auch eine Grammynominierung gab es schon – von den unzählig abgeräumten Preisen ganz abgesehen.

Mit „Folie à Deux“ gibt es also ein neues Werk  zu bestaunen. Die dreizehn Tracks können sich selbstverständlich wieder hören lassen, bei der Produktion wurde alles andere als gekleckert. Um die spiegelverkehrte Trackliste lesen zu können bedarf es dann schon einer kleinen Spielerei. Texte im Booklet sucht man vergeblich (die kann man sich dann auf der Homepage runterladen – neben einem Bonustrack), dafür gibt es je ein Hochglanzfoto eines Bandmitglieds.

„Lullabye/Disloyal Order Of Water Buffaloes“ ist der erwartete Emobeginn für die großen Stadien dieser Welt. Dicke Hose heißt die Devise. Die erste Überraschung wartet danach gleich mit „I Don’t Care“ auf den Hörer. Fall Out Boy waten plötzlich in dicken Glamgewässern. Die Nummer entwickelt sich regelrecht zu einer Hymne und haut einen Refrain raus, der sich in den Gehörgängen festsetzt. Gefällt! „She´s My Winona“ bewegt sich danach zwar auf bekanntem Terrain, hat in den Strophen allerdings eine bisher nicht gekannte Leichtigkeit zu bieten. Die Ohohoh-Chöre laden zudem wieder die jüngere Hörerschaft kräftig zum mitgrölen ein. Warum auch nicht? „America’s Suitehearts“ spielt anschließend wieder mit einigen Glamelementen, hat gesanglich durch einige Brüche aber auch genug Abwechslung zu bieten, damit es eben nicht langweilig wird.

Fall Out Boy spielen ja auch gerne mal mit einigen Versatzstücken des Elektro – nachzuhören bei „Headfirst Slide Into Cooperstown On A Bad Bet“. Der Song entwickelt sich freilich dann zu einer typischen Rockhymne im Stile der Band. Von „The (Shipped) Gold Standard“ bleibt leider nichts hängen und auch das hymnenhafte „(Coffee’s For Closers)“ tritt danach auch nicht den Beweis an die Langeweile zu beenden. Nett – mehr aber auch nicht. Das balladekse „What A Catch, Donnie“ hat nicht nur eine Latte von Gastsängern zu bieten – von Elvis Costello bis hin zu Brendon Urie von Panic at the Disco – sondern auch eine unverschämte Ohrwurmmelodie. „27“ erweist sich dann leider erneut als Hänger. „Folie à Deux“ hat trotzdem immer noch ein Pfund, sprich einen Song, in der Hinterhand, der die ganze Kiste dann doch recht abwechslungsreich gestaltet. Bei „Tiffany Blews“ unterstütz Lil Wayne Fall Out Boy und bei „w.a.m.s“ haben The Neptunes ihre Finger im Spiel. Die Revue von „20 Dollar Nose Bleed“ erweist sich sogar als bester Track der gesamten Scheibe und mit „West Coast Smoker“ gibt es sogar noch einen amtlichen Stampfer als Rausschmeißer.

Fazit: Mit „Folie à Deux“ haben Fall Out Boy ein sehr abwechslungsreiches Album vorgelegt. Die Scheibe kann sogar einige richtige dicke Pluspunkte verzeichnen, sodass die eher verzichtbaren Tracks kaum auffallen. Insgesamt hätten es auch drei bis vier Songs weniger getan, aber die eher jüngere Zielgruppe dürfte an dem Werk ganz sicher Gefallen finden und es soll nun bitte keiner meckern, dass bei Fall Out Boy keine Weiterentwicklung zu hören wäre. Sicherlich ist dies eine Hochglanzproduktion, aber das kennt man ja auch von anderen US-Künstlern. Dies mindert aber keinesfalls den guten Gesamteindruck der Scheibe!

http://www.falloutboy.de/ecards/folie-a-deux/

www.falloutboy.de

18.03. München – Tonhalle

20.03. Köln – Palladium

21.03. Berlin – Columbiahalle

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