Hans Hölzel wird wohl immer als eine der prägenden musikalischen Figuren der 80er Jahre angesehen. Nicht wenige werden dabei sicher verächtlich die Nase rümpfen und den Mann in die Kiste des Grauens der Musikgeschichte einsortieren. Damit tut man dem Wiener, der unter dem Namen Falco zu Weltruhm kam, auf jeden Fall unrecht. Die Kompositionen von Rob und Ferdi Bolland oder Robert Ponger in Verbindungen mit den Texten von Falco waren so viel mehr. Wie auch der Künstler selbst, war auch die von ihm vorgetragene Musik stets schwer greifbar und machte an jeder Ecke wieder einen dieser unvorhergesehenen Schlenker. Sein Gesangsvortrag war in dieser Form auch ungewöhnlich und letztendlich hat er nicht, wie so oft behauptet, künstliche Popmusik gemacht, sondern oft künstlerisch wertvolle Singles der Musikwelt hinterlassen. Auf Albumlänge konnte Falco selten überzeugen, dafür waren die Auskopplungen immer wie kleine Diamanten. Zum 50. Geburtstag am 19. Februar und zum neunten Todestag am 6. kommt mit „Hoch Wie Nie“ nun eine Werkschau auf den Markt. Mit insgesamt 33 Songs, die sich auf zwei CDs verteilen, hat man sich nicht lumpen lassen. Selbst wer die vielen Hits von Falco kennt, der dürfte hier noch das ein oder andere Schätzchen finden. Natürlich hat er auch viel Mist gemacht und aufgenommen, aber auf „Hoch Wie Nie“ hält sich das selbstredend in Grenzen und es überwiegen die positiven Momente, die in den besten Augenblicken als musikalische Großtat angesehen werden können. Die Texte werden zum Teil im Sprechgesang witzig, zum Teil zweisprachig und pointiert vorgetragen. Da sitzt wirklich jedes Wort. Auch wenn manches kontrovers diskutiert wurde, so war doch vieles sehr tiefgründig, man musste und muss sich nur mal die Mühe machen und genau hinhören und die eigenen Gehirnwindungen anstrengen, denn auf dem Silbertablett hat Falco nie was präsentiert. Die Texte wollen erst erarbeitet werden. Natürlich sind auf dieser Zusammenstellung alle großen Hits enthalten. Heute in der Nachbetrachtung oder Rückschau wird dabei noch einmal deutlich, dass die Musik von Falco doch sehr tief in den 70erm verwurzelt ist. Man höre sich nur „Der Kommisar“ an. Der Song ist eine Mischung aus Grandmaster Flash und Rick James. Auch „Junge Römer“ erinnert stark an einen anderen ganz großen seiner Zunft. Der Track ist quasi ein Best Of David Bowie. „Helden Von Heute“ macht dann auch gar keinen Hehl daraus, dass es sich hier um Bowies´ „Heroes“ handelt. „Wiener Blut“, „Vienna Calling“ oder „Emotional“ fehlen selbstverständlich auch nicht. Der auf Skandal getrimmte Song „Jeanny“ ist natürlich auch enthalten und verdeutlich auch heute noch, welches künstlerische Potenzial der Mann doch hatte. Sein Welthit „Rock Me Amadeus“ findet sich hier ebenfalls wieder wie auch sein später Erfolg von „Out Of The Dark“. Hier und da gibt es natürlich auch einige Sachen, die Falco besser unter Verschluss gehalten hätte, aber nun gut, auch diese Seite gehört zu diesem großartigen Künstler. Fazit: „Hoch Wie Nie“ darf eigentlich in keiner Plattensammlung fehlen, die Anspruch auf künstlerisch wertvolle Musik legt. Falco wurde zu Lebzeiten oft verkannt, vielleicht wird er eines Tages zu einer Ikone, einstweilen können wir seinen „Großtaten“ auf dieser Zusammenstellung lauschen.
Rezensionen > Musik
Falco: Hoch Wie Nie TIPP
(Sony BMG)
Autor: schlimm / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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