Die Babypause ist beendet und Erykah Badu meldet sich zurück. Mit „New Amerykah Part 1“ erscheint endlich ihr neues Album. Auch wenn es sich hier erst um ihr drittes Werk auf Albumlänge handelt, hat die 36jährige doch schon einen mehr als nachhaltigen Eindruck in der Musikwelt hinterlassen und dem weiten Feld des R & B ihren Stempel aufgedrückt. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ihr neues Werk sehnsüchtig erwartet wurde, damit dem stagnierenden Genre mal der Radiostaub aus den Gliedern gepustet und neues Leben eingehaucht wird.
Erfreulich an „New Amerykah Part 1“ ist die Songauswahl. Meistens neigen ähnlich gelagerte Künstler ja gerne mal dazu, ein Album bis zum Anschlag voll zu stopfen . Nicht selten bleibt dabei die Geschmackspolizei auf der Strecke und es finden sich jede Menge Füller auf den Scheiben wieder. Mit etwas unter einer Stunde Spielzeit hat das Album genau die richtige Länge, ohne dass es zu langatmig wird.
Erykah Badu ist wieder diese unvergleichliche Mischung aus Soul, R & B, Hip Hop und zum Teil Jazz gelungen. Die Mischung macht es hier. Old-School trifft auf Moderne und macht „New Amerykah Part 1“ zu einem spannenden Gemischtwarenladen. Wo sich andere Künstler wie Mary J. Blige zum Teil viel zu sehr im Mainstream verlieren hat Erykah Badu regelrecht eine innovative Alternative anzubieten.
Der Albumopener „Amerykah Promise“ entpuppt sich als perfekter Einstieg und entwickelt sich zu einem wahren Groovemonster. Sofort erfolgt mit „The Healer“ ein Bruch. Der Song wirkt fast schon spartanisch und wird von einem Glockenspiel getragen. Hier steht die Stimme ganz im Vordergrund und erzeugt eine beklemmende und bedrückende Atmosphäre. Großartig. Mit dem anschließenden „Me“ gibt es dann wieder eine Kurskorrektur. Mit dezentem Trompetenspiel und einer warmen und entspannten Stimme und Stimmung und Jazzanleihen kommt die Nummer daher. Wer jetzt denkt, dass dies alles gar nicht zusammenpasst, wird überrascht sein. Trotz aller Vielfältigkeit wirkt die Scheibe fast schon überraschend homogen. „My People“ mit dem immer wiederholenden Mantra nervt bisweilen zwar etwas, aber spätestens beim solide groovenden und fast schon gewöhnlichen „Soldier“ wird man wieder entschädigt. „The Cell“ zieht das Tempo noch mal an, bevor es mit „Twinkle“ endgültig in Richtung spartanischer R & B abseits des Radios geht. „Master Teacher“ hat zwar ein paar interessante Ideen zu bieten, nervt auf Dauer aber auch etwas. „That Hump“ ist eigentlich belanglos, auch wenn die Instrumentierung recht gelungen ist. Erykah Badu holt den Song aber mit ihrer markanten Stimme noch mal aus dem Mittelmaß. Erinnert bisweilen sogar an Macy Gray. Mit „Telephone“ gibt es dann einen vermeintlich ruhigen Albumausklang, aber bitte nicht abschalten, denn das war noch lange nicht alles, wer noch mal richtig zappeln will, wird noch auf seine Kosten kommen.
Fazit: „New Amerykah Part 1“ ist ein recht abwechslungsreiches und zu großen Teilen spannendes Album. Erykah Badu stellt ein weiteres Mal ihre Extraklasse abseits der Mainstreampfade unter Beweis. Fans dürften eigentlich nicht enttäuscht werden und auch Freunde des Genres werden garantiert Gefallen an der Scheibe finden. Übrigens recht nette Aufmachung von Cover und Booklet. Wie man hört, sollen die nächsten Alben schon fertig sein! Man darf gespannt sein, was uns Erykah Badu in Zukunft präsentieren wird.