Eric Fish, ist das nicht der Sänger von Subway to Sally? Ehemals folkige Metalband, jetzt auf der Suche nach der neuesten deutschen Härte? Ja genau, der ist das; hier ganz unprätentiös, nur mit einer akkustischen Gitarre, bei manchen Liedern von zwei Freunden begleitet ebenfalls auf akkustischer Gitarre und Mundharmonika, ganz in schwarz mit einer schwarzen Lederbandana auf dem längst nicht mehr langen Blondhaar . So ganz und gar nicht Rockstar, eher Liedermacher und vor allem nicht auf einer Bühne vor mindestens 1500 Leuten sondern im kuschelig kleinen, mit 200 Leuten voll ausgebuchten Club.
Und das soll funktionieren? Das soll was sein?
Leute, es ist! Es ist was ganz Besonderes, zumal solche Konzerte in der Regel 4 bis 6 Stunden(!) dauern und das Vergnügen, auch wenn Eric diese Übung seit ein paar Jahren zwischen November und Januar durchzieht, nur einer im Vergleich zu den STS Konzerten winzigen Klientel vorbehalten bleibt.
Musik gibt’s wie gesagt in rauhen Mengen auf dieser 73 min langen CD, aber ganz andere als man sie von Subway to Sally kennt. Crosby, Stills, Nash & Young, Brandos, Pothead, Nick Cave, Red Hot Chili Peppers und Steve Miller werden hier in neuem Gewand präsentiert . Aber auch seine Wurzeln auf deutschem Boden verleugnet Eric nicht und bringt z.B. mit dem alten Karussell-Song „Ehrlich will ich bleiben“ eine Hommage an alte Barden vergangener DDR-Zeiten.
Bemerkenswert sind aber besonders seine Eigenkompositionen, die man ihm so nicht unbedingt zutrauen muss. Ehrliche Lieder, die seine Sicht der Welt widerspiegeln, in denen er sehr direkt Stellung nimmt zu dem, was ihm an unserer Gesellschafft nicht gefällt. Das ist weniger plakativ und deutlich mehr zum Nachdenken anregend als beispielsweise der „Falsche Heiland“ von STS. „Im Spiegel“ oder auch „Anders sein“ seien hier als Beispiel genannt.
Die Songauswahl wird dem dem live gebotenen Repertoire jederzeit gerecht, auch wenn nicht jeder alle seine Favoriten wiederfinden wird. Ich hätte gerne noch „Es ist an der Zeit“ (Wader) und vielleicht ein kleines Dudelsackstückchen gehört. Denn auch das gehört zu Erics Konzerten als fester Bestandteil mit dazu.
Das Album ist sauber produziert, die Liveatmosphäre kommt jederzeit fast gänsehautproduzierend rüber und der Sound ist makellos.
Wenn es irgend was zu meckern gibt, dann vielleicht das Englisch von Eric & Friends, das dem von meinem Lieblingsdillettanten Chris Boltendahl (Grave Digger) kaum nachsteht. Besonders spannend wird das beim genialen Weeping Song von Nick Cave. Irgend jemand muss den Jungs noch mal erklären, dass da mehrere Frauen auf den Bergen stehen und was der Unterschied zwischen „woman“ und „women“ ist. Und wenn wir schon dabei sind, der CSN&Y-Song heißt „Find the cost of freedom“…
Die CD ist trotzdem durchweg gelungen und Erics Livekonzerte unbedingt besuchenswert. Daumen hoch für ein aussergewöhnliches Album.
Homepage Eric Fish