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Eric Clapton: Mein Leben Tipp

(Kiepenheuer & Witsch Verlag)

Autor: schlimm / Wertung: 11,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Eric Clapton Mein LebenEric Clapton darf man ruhig zu einem der größten Gitarristen der Vergangenheit, Gegenwart und sicher auch der Zukunft zählen. Andere denken mit 62 Jahren sicherlich über den Eintritt in das Rentenalter nach, nicht so Eric Clapton. Noch immer ist der Mann äußerst aktiv und arbeitet an verschiedenen musikalischen Projekten und begeistert seine Fans und Zuhörer immer noch mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz. Zurückblicken kann er auf ein langes, bewegtes Leben auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Genau dies hat er nun mit seiner Autobiografie getan.

Clapton erzählt seine Geschichte selber. Zwar hat mit Christopher Simone Sykes ein Ghostwriter und Freund angefangen das Leben von Mr. Slowhand aufzuschreiben, aber Clapton war alles andere als glücklich mit diesem Umstand. Die ersten, fertigen Kapitel veranlassten ihn schließlich dazu die Geschichte direkt selber in die Hand zu nehmen. Clapton fühlte sich mit dem bisherigen Ergebnis nicht wohl „….das war nicht ich“. Während seiner Welttournee reflektierte er also über die letzten Jahrzehnte – seine letzten Jahrzehnte - und begann mit dem Schreiben.

Herausgekommen ist dabei ein Werk, welches in Zukunft als Blaupause für so manche ähnlich gelagerte Arbeit gelten sollte. Wo andere mit großen Worten eine riesige Luftblase aufbauen erzählt Clapton unaufgeregt und ohne Hysterie seine Lebensgeschichte. Schonungslos kommt dabei eine zum Teil tragische Geschichte zu Tage, die man in dieser Deutlichkeit bisher nicht kannte. Wer jetzt allerdings Abhandlungen über Gitarrentechniken und Aufnahmeprozesse erwartet, der wird eventuell enttäuscht werden. Nein, darum geht es hier nicht, sondern vielmehr hat „Mein Leben“ abseits von Claptons musikalischen Aktivitäten dessen Lebensweg zu bieten – nicht mehr, aber auch nicht weniger! Das Buch ist somit sicherlich auch ein klein wenig Therapie für eine geschundene Seele.

Schon die Beschreibung seiner Kindheit hat tragische Züge. Seine eigene Mutter hielt er lange Jahre für seine größere Schwester, seine Großeltern für seine Eltern und den Vater hat er gleich gar nicht kennen gelernt. Zu Tage kommt dabei ein zutiefst verletzter und schüchterner Junge. Auch seine ersten sexuellen Erfahrungen verunsichern ihn noch mehr, was sich so im Gedächtnis festsetzt, dass er da Jahre noch drunter leiden muss. Die Kindheit prägte ihn so derart, dass er zu dem stillen und zurückhaltenden Menschen wurde, den man auch heute noch kennt. Seine Sonderrolle innerhalb der Familie bestimmte auch seinen weiteren Lebensweg und so konnte er sich nie mit dem ganzen Rummel um seine Person anfreunden, der in den Schriftzug „Clapton Is God“ mündete.

Durch die Musik lernte er sich schließlich auszudrücken. Jegliche Spielart des Blues faszinierte ihn und hilft ihm letztlich durch das – durch sein – Gitarrenspiel sich mitzuteilen. Ganz besonders angetan hat es ihm Robert Johnson. Jedes Wort von Clapton über den Blues und was dieser für ihn bedeutet nimmt man ihm unbesehen ab. Fast liebevoll berichtet er von seinen ersten Gehversuchen als Gitarrist. Als Leser ist man so mittendrin in diesem Leben und kann erahnen, welche Bedeutung die Musik für Clapton hat und hatte.

Natürlich finden sich hier auch jede Menge Kollegen verewigt. Dylan, Stones, Beatles, Winwood, Hendrix, Page, Beck und und und. In den goldenen 60ern kannte wohl jeder jeden. Wer jetzt allerdings auf einen voyeuristischen Blick hinter die Kulissen hofft, der wird vermutlich wieder enttäuscht werden. Es ist allerdings ein großes Glück, dass es dies hier eben nicht gibt. Unpathetisch berichtet Clapton einfach davon, wie es sich zu dieser Zeit wohl wirklich abgespielt hat.

Natürlich schreibt Eric Clapton auch seine Abstürze nieder. Frauen kommen und gehen und aufgrund seiner Vita ist er wohl nicht im Stande Liebe zu geben und zu empfinden. Drogen- und Alkoholexzesse treiben ihn an den Rande des Wahnsinns. Verherrlicht wird hier nichts, beschönigt allerdings auch nicht. Dieser schmale Grat hebt das Werk aus der breiten Masse deutlich heraus! Die späten Jahre der Läuterung kommen natürlich auch nicht zu kurz und so erhält man hier als Leser einen umfassenden Einblick in ein bewegtes Leben, welches sich in der zweiten Hälfte doch noch zum Guten gewendet hat.

Fazit: Nein, eine Glorifizierung hat „Mein Leben“ sicher nicht zu bieten. Clapton hat hier eine erstaunliche Selbstreflexion an den Tag gelegt, wozu wohl nur wenige Menschen in der Lage sind. Vermutlich hatte das Aufschreiben der eigenen Lebensgeschichte auch therapeutischen Charakter. Aufrichtig, ohne große Aufgeregtheit erzählt Eric Clapton hier seine Geschichte und lässt den Leser dabei in seine Abgründe blicken. Am meisten ist Clapton aber seine schonungslose Ehrlichkeit anzurechnen ohne dabei sentimental oder ausufernd zu werden. Somit hebt sich dieses Werk sehr weit aus der Masse von Autobiografien ab. Man würde sich wünschen, es würde mehr davon in ähnlicher Art und Weise geben. „Mein Leben“ von Eric Clapton ist eine der besten Musikbiografien der letzten Jahre! Danke dafür!

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