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End Of Green

Autor: DJ / Kommentare: Bisher keine

Bild von End Of GreenEigentlich seit jeher ein Garant für erstklassige, aber dennoch eigenständige Musik irgendwo zwischen Gothik-Rock und Stoner-Gitarrenwänden, konnten End Of Green das große Lob bisher nur von Seiten der Fanzines einfahren. Mit dem im Sommer veröffentlichten Longplayer Dead Enhd Dreaming scheint sich das Blatt allerdings zu wenden. Große Reaktionen gibt es diesmal auch von der populären Szenepresse, die Höchstnoten fallen wie die herbstlichen Blätter und somit stehen die Zeichen auf Sturm für die Stuttgarter. Aber wie erklärt sich der Sinneswandel’ bzw. worauf lässt sich die bis dahin scheinbar ausnahmslos positive Kritik zurückführen? Michael: Ich sag jetzt mal ganz keck: Dead End Dreaming ist eine sehr gute Platte. Dass wir mittlerweile auch von größeren Medien wahrgenommen werden, liegt teils wahrscheinlich daran, dass die mittlerweile zu verstehen anfangen, was wir da überhaupt seit Jahren tun…. Sag ich jetzt, mal ganz optimistisch. Sound Base: Vielleicht liegt es auch daran, dass die Songs auf Dead End Dreaming eingängiger sind und schneller auf den Punkt kommen. Eine bewusste Entwicklung oder ein unbewusster Reifeprozess? Michael: Wir waren schon immer sehr schlecht darin, Dinge zu planen. Da sind wir Bauchmenschen von, äh, ganzem Herzen. Andererseits waren wir schon immer melodieverliebte Verrückte. Das ist nun mal so. Aber ich hoffe sehr, dass wir uns stetig weiterentwickeln. Wäre merkwürdig, wenn das nicht der Fall sein sollte. Aber das wichtigste ist, dass man sich nicht in Theorie verstrickt. Unsere Musik lebt von unseren Emotionen. Sound Base: Wie viel Einfluss hatte Produzent Alex Krull auf die Songs? Und wie weit standen die Songs, als ihr ins Studio gegangen seid? Michael: Wir gehören zu der Sorte altmodischer Bands, die erst Lieder schreiben und dann ins Studio gehen. Diese Reihenfolge hat sich bewährt und macht auch eindeutig Sinn. Alex und der Rest der Mastersound-Boys hatten einen gesunden Einfluss auf den Feinschliff der Songs. Die Arbeit war sehr kreativ, besonders beim Gesang. Sound Base: Habt ihr denn für Dead End Dreaming nur neue Songs verwendet oder sind auch alte Lieder zum Zug gekommen, weil sie nun einfach ins Konzept der Platte passten? Michael: Dead End Hero besteht in seiner Grundform schon seit sechs - acht Jahren. Wir haben da beispielsweise nie den richtige Dreh gefunden, das Lied fertig zu machen. Es fehlt immer das gewisse Etwas. Dieses Mal hat es geklappt. Auf dem Album fanden einige alte Skizzen Berücksichtigung, bei Cure My pain war das auch der Fall. Das sind aber meist keine "alten Songs" sondern eher - eben - Skizzen. Sound Base: Wofür genau steht der Titel der Platte? Der Traum ist eine Sackgasse? Ist er das wirklich? Oder träumt man sich zu Tode? Oder besteht der Tod nur ausTräumen? Und wenn ja, was träumt man denn, wenn man Tod ist? Michael: Du stellst Fragen…Wenn wir all diese Antworten wüssten, könnten wir die Welt retten, oder? Unser Ursprünglicher Gedanke war die Realitätsflucht in die Traumwelt beziehungsweise genau der Umgekehrte Fall: Vor lauter Träumen nicht mehr in die Realität zu finden. Beides endet in einer Sackgasse. Mittlerweile haben wir allerdings noch wesentlich mehr Gedankenspiele zu diesem Titel hinter uns. Sound Base: Drinking myself to sleep erinnert mich an exzessive Wochenenden in der Jugend, wo man nach zwei Tagen durchfeiern von Sonntag auf Montag nicht schlafen konnte und deshalb erneut einen zischen musste, am nächsten Tagaber genauso platt war als hätte man nicht geschlafen. Bei uns nennt man das ,Affe schieben’, wenn man Sonntags ohne Alk keinen Schlaf findet und immer noch aufgekratzt ist. Wie nennt ihr das im Süden und geht der Song genau über dieses Thema? Michael: Fast. Es geht eher um den Moment, in dem du Schlaf finden möchtest, sich die Leichen in deinem Keller aber ständig zu Wort melden und es schlichtweg unmöglich ist, endlich zu schlafen. Manchmal lassen sich diese Dämonen und Stimmen mit Alkohol ein wenig milde stimmen. Wenigstens für ein paar Stunden. Ob das allerdings eine auf Dauer erfolgreiche Lösung ist, wage ich zu bezweifeln. Aähm. "Affen schieben" nennt man bei uns glaub ich Entzug… Sound Base: Zum Song Dead End Hero habt ihr euren ersten Videoclip gedreht? Das Ergebnis finde ich ,lustig’. Da ich selber schon einmal einem ähnlichen Videodreh als Statist beiwohnen durfte, weiß ich, welch lange Prozedur es ist, bis der Clip (angeblich) endlich im Kasten ist. Wie lange hat der Dreh gedauert? Wie habt ihr die Leute bei Laune gehalten? Und warum wirkt das ,Personal’ beim Tanzen doch etwas hüftsteif? Michael: Lustig? Wir hatten gerade mal sechs Stunden Zeit für den Dreh. Mit Charme, Vodka und etwas Rock’n'Roll haben wir das Beste gegeben, dass unsere Helfer sich wohlfühlten. Das war für fast alle Anwesenden "das erste Mal". Wir waren übrigens gottfroh, dass die Leute so lange durchgehalten haben. Respekt und Danke nochmal hierfür. Sound Base: Was geschah nach dem Videodreh? Wurden die Leute rausgekegelt? Oder gab es noch ein kleines Konzert von euch bzw. ein netter Umtrunk? Michael: Es war eigentlich eine sehr gute Stimmung. Wir haben irgendwann allen freigestellt, ob sie noch ein bisschen mit und bei uns rumhängen wollen. Eigentlich war das alles ein bischen wie ein sonntäglicher Kaffeklatsch - nur ohne Kuchen aber mit Karaoke-Disco. Sound Base: In einem anderen Interview mit euch habe ich gelesen, dass angeblich Videoclips von Rockbands keine Chance bei den grossen Musiksendern haben. Ist das wirklich noch immer so? Wenn ich ab und an bei MTV oder VIVA rein zappe, lande ich doch häufig in genau solchen Clips. Ist nicht gerade jetzt die beste Zeit, um es als Rockband mit einem Videoclip zu versuchen? Michael: Definitiv nicht. Auf jedes Tokio Hotel kommen garantiert 500 "obdachlose" Rockgruppen. Das war aber schon immer so. wir regen uns schon lange nicht mehr über diese Mechanismen auf. Bringt auch nichts. Ich denke, dass man vermutlich sehr nah an die Entscheider der Musiksender rankommen sollte. In unserer Portokasse ist leider kein Budget für Abendessen mit MTViva oder derartige Freizeitaktivitäten. Sound Base:Die Tour zu ,Dead End Dreaming’ ist bereits gelaufen. Wie sieht dein persönliches Resümee aus? Und werdet ihr eine zweite Tour fahren? Michael: Der erste Teil der Tour lief überwältigend gut. Ja, und jetzt geht’s weiter wir buchen uns jetzt den Rest des kommenden Jahres voll und spielen wie blöd. Wir machen das schließlich gerne. Sound Base: Auf der Tour zur letzten Platte habe ich euch in Köln gesehen und trotz melancholischer Musik nicht den Eindruck von traurigen Zeitgenossen gehabt. Ganz im Gegenteil. Fällt es euch an manchen Tagen schwer, auf der Bühne die richtige Stimmung für die Songs zu finden? Lässt sich die ursprüngliche Stimmung, in welcher ein Song entstand überhaupt reproduzieren? Michael: Wir haben nie behauptet, dass wir den ganzen Tag mit einem Strick um den Hals spazieren gehen. Vermutlich trägt unsere Musik sehr viel dazu bei, dass wir etwas ausgeglichener sind. Ying und Yang oder wie auch immer - ich denke man kann nur befreit lachen, wenn man sich seiner "anderen Seite" voll und ganz bewusst ist. Ich mag beispielsweise Woody Allen oder Loriot - da weiß ich oft nicht, ob das witzig oder tottraurig ist. Humorvoll sind wir aber in der Tat, ich sehe nur große Unterschiede zwischen den Dingen über die wir lachen und dem Zeug, das gemeinhin Comedy genannt wird. Uns geht es gar nicht mal so sehr darum, die Stimmung eines Songs auf der Bühne zu reproduzieren. Wir lassen uns vom Bauchgefühl leiten. Klar, i hate wird nie eine Happypunk-Nummer werden. Aber an manchen Abenden weichen Melodien einer Noise-Wand. An ganz anderen Abenden spielen wir Lieder dann auch einfach nicht, weil die Stimmung nicht da ist. Unser Bauchgefühl, eben. Sound Base: Als Hobbykoch interessiere ich mich immer für lokale Speisen. Welches Essen hat euch an welchen Orten auf Tour am wenigsten geschmeckt und wo habt ihr besonders gute Erinnerungen dran? Gibt es Momente, wo das Essen in anderen Gegenden Heimweh hervorruft? Michael. In Neukirch bei Dresden gab’s mal Gemüseauflauf. Eigentlich eine tolle Sache - wäre bloß nicht Speck ("damit’s besser schmeckt") drin gewesen. Als Vegetarier macht man da schon mal ein etwas längeres Gesicht. Ansonsten ist mir Catering recht egal - obwohl ich bekennender Esser bin. Aber wir fahren ja nicht zum Essen in der Gegend herum. Aber was ganz klar ist: In Linz holt man sich ein Stück Linzer Torte, in Salzburg würde ich keine Mozartkugel von der Bettkante rollen lassen …. Heimweh durch Essen, kenne ich nicht. Eher umgekehrt. Wenn ich Halloumi Käse schmecke, wäre ich gerne auf Zypern. Sound Base: Gibt es Länder, wo ihr besonders gerne einmal touren würdet? Und was ist der Grund dafür? Michael: Da sind wir offen. Klar reizt es mal in Städten/Ländern zu spielen in denen man noch nie war. Wir freuen uns allerdings auch, wenn wr in Gegenden sind, in denen wir schon x-mal waren. Ich würde natürlich gerne mal in Barcelona spielen … schöne Stadt. Oder Paris, oder New York…. die Liste ist liderlich lang. Sound Base. Ihr seid eine Stuttgarter Band. Können wir beim fußballerischen Tiefflug des VFB beim nächsten Mal wieder mit einem deutlich traurigeren End Of Green-Album rechnen? Oder anders ausgedrückt: wird Euch die spielerische Talfahrt des VFB inspirieren? Und wen siehst Du als künftigen Trainer des VFB? Michael: Aber Hallo! Zwei Fünftel unserer Band interessieren sich leider gar nicht für Fußball, der eine davon aber wenigstens auf der Playstation. Was dein Urteil über den VfB angeht: Abgerechnet wird am Schluß. Falls das alles nach hinten losgeht, plädiere ich für eine Fünfer-Spitze als VfB-Trainerstab: Kardinal Mazinger und Rainier als Trainer, Michelle als Taktikfuchs, ich wäre sportlicher Berater und Kirk Kerker sorgt für Fengshui in der Kabine. Direkten Einfluß auf unsere Platten hatte der VfB aber noch nie. Last Night On Earth war keineswegs eine fröhliche Platte, obwohl der VfB da in der Champions League kickte. Sound Base: Euren Sänger Michelle kennt man nur mit Mütze. Was verbirgt sich unter der Haube? Michael: Was wohl? Haare, Schädel und sehr viele merkwürdige Gedanken. Wie bei allen, äh, normalen Menschen. Manchmal schmuggelt er auch den Eiffelturm darunter über die Grenze. Nur um die Franzosen zu ärgern. Sound Base: Welche Frage würdest Du dir also selber zum Abschluss dieses Interviews stellen? Michael: Wenn ich mir beim Niesen die Nase, Ohren und den Mund zuhalte. Explodiert dann mein Kopf?

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