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Ekel Alfred: Ein Herz und eine Seele Tipp

(Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

Autor: schlimm / Wertung: 12 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Ekel Alfred Ein Herz und eine SeeleWer kennt sie nicht? Oder besser wer kennt IHN nicht? Ekel Alfred und Ein Herz und eine Seele hat sicher jeder schon mal im Fernsehen gesehen. 1973 brachte Peter Märthesheimer die Familie Tetzlaff ins deutsche Fernsehen und ab da war nichts mehr wie vorher. Die Begeisterung für diese Familie ist auch heute noch beim Fernsehzuschauer ungebrochen. Als der WDR vor fast 3 ½ Jahrzehnten die Sendung erstmalig ausstrahlte kam die ganze Geschichte schon einer kleinen Revolution gleich. Nie zuvor hatte es eine unterhaltende Reihe im Deutschen Fernsehen gegeben, in der die Regierung und ihre Vertreter so unverblümt, ja unflätig angegriffen wurden. Auch die sonstigen Kommentare von Familienoberhaupt Alfred waren sicher alles andere als politisch korrekt. Für reichlich Gesprächsstoff war also gesorgt. Das Konzept war übrigens nicht neu, sondern von der erfolgreichen britischen Serie „Till Death Us Do Part“ abgekupfert. Diese erfreute sich auf der Insel um den konservativen und königstreuen Hafenarbeiter Alf Garnett und seiner Familie bereits seit dem Jahre 1965 größter Beliebtheit.

Mit „Ekel Alfred – Ein Herz und eine Seele“ gibt es nun eine überarbeitete Neuauflage. Der Autor F.-B. Habel ist seit Ende der siebziger Jahre Filmpublizist. Eine besondere Liebe scheint ihn mit den Tetzlaffs zu verbinden, hat er doch in den späten neunziger Jahren die besten Sketche mit ihnen für das Zimmertheater Berlin-Karlshorst inszeniert. Mit dem vorliegenden Buch setzt er der Serie nun ein kleines, ach was, ein großes Denkmal. Hier werden alle Folgen mit den besten Sprüchen, Höhepunkten aus den Dialogen sowie zahlreiche Szenenfotos dargestellt. Das Werk ist auch als Gedenken an den 60. Geburtstags von „Michi“ Dieter Krebs zu sehen.

Wer die siebziger Jahre hautnah erlebt hat oder in diesem Jahrzehnt aufgewachsen ist, der muss sich dieses Buch einfach zulegen. Man wird dieses 216 Seiten starke Werk ganz sicher in sein Herz schließen und lieben. Das ganze ist ein bisschen wie eine Zeitreise und ein Blick in die eigene Vergangenheit. Ich erinnere mich noch allzu gut, was diese Sendung doch für Diskussionen in der Familie, Nachbarschaft und bei Bekannten hervorgerufen hat. Auch wenn ich selber die Anfänge nicht live erlebt habe, bzw. erleben durfte, dafür war man als Kind natürlich noch zu klein, so kommen bei der Lektüre des Buches doch wieder jede Menge Erinnerungen hoch. Und es ist immer noch höchst erstaunlich, wie bissig, ja wie unverblümt hier die Dinge zur Sprache kommen. Auch heute noch darf „Ekel Alfred“ gerne kontrovers diskutiert werden und das in Zeiten, wo man denkt, es kann eigentlich nichts mehr schockierend sein.

Es ist mehr als interessant, wie Alfred sich und seiner Familie mit seinem Halbwissen, gepaart mit einer ganzen Portion Vorurteilen gegen alles und jeden, die Welt erklärt. Es ist schon die hohe Kunst wie er verbal über seine begriffsstutzige Ehefrau Else, die lästigen Nachbarn oder streikende Arbeiter herfällt. Die Phantasien des paranoiden Kleinbürgers und Nörglers sind von einer ganz besonderen Qualität. Und wenn man sich heute so umblickt, dann hat man den Eindruck, dass diese auch so aktuell wie nie zu sein scheinen.

Neben den einzelnen hier beschriebenen Folgen hat das Buch auch noch jede Menge mehr zu bieten. So darf man sich natürlich auch jeder Menge Kommentare erfreuen. Ebenso äußern sich auch die Hauptakteure, darunter Heinz Schubert (der Alfred) und Elisabeth Wiedemann (die Else). Der geistige Vater der Serie, Wolfgang Menge, gibt ebenfalls Auskunft über die Arbeit an der Serie.

Fazit: Die Lektüre von „Ekel Alfred - Ein Herz und eine Seele“ ist ein einziges, großes Vergnügen. Hier gibt es eine eingebaute Lachgarantie. Das Werk eignet sich hervorragend um immer wieder darin zu blättern und zu schmökern. Einzelne Passagen kann man immer und immer wieder lesen und genießen. Eine sehr liebevolle Hommage an diese außergewöhnliche Serie, sehr gelungen!

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