Edward Lee hat im Kurzgeschichtenband „Kannibalen“ aufgrund der derben Kost bei seinem Beitrag Madenmädchen im Gefängnis der toten Frauen mit am meisten Aufmerksamkeit erregt. Mit Haus der bösen Lust könnte er zum Wiederholungstäter werden.
Dabei ist das Buch eigentlich eine Mogelpackung. Nimmt man die versexte Mysterygeschichte und lässt die ordinären Augenblicke weg, bleibt eine dieser Groschenheftserien, die Frauen in beliebigen Bahnhofsbuchhandlung mit Amore und Grusel ködern. Vanessa? Mystery? Mondlicht? Oder wie sie heißen! Um dieser Unterstellung entgegen zu wirken, schummelt Lee noch ein wenig Sideways (nur mit Bier statt Wein) rein und lässt die Figuren über Gott und Glaube philosophieren. Ja, irgendwie schon gruselig.
Bevor sich der erwartungsvolle Schockerrezipient aber gelangweilt abwendet, lässt Lee es alle paar Seiten mächtig krachen. In Rückblenden werden die Schrecken des amerikanischen Bürgerkriegs thematisiert, dass es der Horrorgeschichte gar nicht bedurft hätte Die Härchen stellen sich mir auch so auf.
Die Sexgeschichten zwischen Männlein und Weiblein bzw. Männlein und Männlein inklusive Pinkelporn nehmen sich dagegen geradezu lächerlich aus und wirken gezwungen. Da will Lee wohl einfach seinem Ruf gerecht werden. Das schockt aber nur im prüden Amerika, in Deutschland kriegen wir Titten und Ärsche auf dem Titelblatt jedes billigen Boulevardblatts präsentiert. Da sind wir abgehärtet.
Ist das Buch lesenswert? Ja. Auch wenn die Mischung etwas abenteuerlich ist, geht das Buch gut rein – zumindest solange man nicht nach dem Sinn fragt. Und für die weiblichen Leser gibt es auch ein Happy End. Glaubt aber nicht, dass Männer tatsächlich so sind!