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Editors: In This Light And On This Evening
(PIAS Recordings)


Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

EditorsDie Spatzen haben es schon im Vorfeld des neuen Editors Album von den Dächern gepfiffen: Die Gitarren werden eingemottet, die Keyboards rausgeholt. Jaja, ist klar, denkt man noch und dann legt man zum ersten Mal „In This Light And On This Evening“ auf und ist schockiert. Was bitte ist denn das? Was ist passiert? Sind das wirklich die Editors oder hat man nicht im Eifer des Gefechts eine 80er Scheibe in den Player gelegt? Eine kurze Überprüfung ergibt, dass dem nicht so ist. Vielleicht liegt dann einer der seltenen Fehler vor und auf der richtigen CD befindet sich das falsche Album – oder umgekehrt. Nein, auch dies scheint alles zu stimmen, denn diese Stimme ist unverkennbar mit den Editors verbunden.

Puh, schwere Kost. Ich hasse die 80er-Musik. Das ist doch alles Mist. Wo sind denn bitte die alten Editors hin? Die Editors, die man für die ersten beiden Alben so sehr ins Herz geschlossen hat? Und überhaupt, was soll das alles? Ich will das nicht, ich will meine Editors zurück! Gedanken, die einem beim ersten Durchlauf durch den Kopf gehen.

Na ja, die Scheibe ist als Ganzes ja immer noch totaler Mist. Zum Glück ist da ja noch der Titeltrack. Meine Güte, der Spannungsaufbau bei „In This Light And On This Evening“ sucht ja seinesgleichen. Diese Grabesstimme, diese tiefe Trauer. „I Swear To God“? Ich auch, das ist so erhaben, so großartig, so düster. Dies geht einem so ungefähr beim zweiten und dritten Durchlauf durch den Kopf.

Warum nur, warum nur machen die Editors jetzt auch auf 80er? Kann diesen Trend denn keiner stoppen? Der Titeltrack ist natürlich einer der besten Albnumopener des Jahres, aber der Rest? „Bricks And Mortar“ ist das denn jetzt 80er Synthiescheiß? Was sollen denn diese OMD-Anleihen? Moment, ist das nicht eigentlich eher Kraftwerk? Ich mag Kraftwerk! Ich bin verwirrt. Und dann dieses “Papillon”. Gut, zugegeben, dies hat Hitpotenzial, aber das hört sich doch viel zu sehr nach den Eurythmics an und die mag ich ja nun überhaupt nicht. Auf der anderen Seite, ist da nicht auch eine große Portion Depeche Mode mit drin? Depeche Mode mag ich doch. Ich bin noch verwirrter. Nach dem sechsten Durchlauf ist jetzt aber eine Pause angesagt.

Mensch, der Titeltrack ist einer der besten Songs des Jahres und „Papillon“ ist ein verdammter Hit. Hey, was ist denn bei „You Don´t Know Love“ los? Höre ich da etwa Talk Talk? Die mag ich! Warum ist mir das bisher nicht aufgefallen? Ach ja, ich war ja noch damit beschäftigt mich über den anderen 80er-Kram auf diesem Album aufzuregen. Ist aber auch wirklich zu viel auf diesem Album. Aber der Refrain hier ist ja wirklich nicht schlecht. Mal weiter hören. Moment, klingt „The Big Exit“ nicht wie eine Minimalisten-Techno-Version der Tindersticks? Ähm, die Tindersticks mag ich ja – sehr sogar. So, die zehnte Runde reicht jetzt aber auch.

Gut, ich gebe es ja zu, die Scheibe ist nicht so schlecht, wie ich zunächst dachte. „In This Light And On This Evening“, „Papillon“, „You Don´t Know Love“ sind ja nun wirklich nicht schlecht. Hups, was ist denn bei “The Boxer” los? Das ist doch bekanntes Editors Terrain. Warum ist mir das denn bisher entgangen? Ach ja, ich regte mich ja noch über die 80er auf. Ups, „Like Treasure“ ist ja auch nicht so weit von den alten Editors entfernt. Sollte das Album vielleicht doch nicht so schlecht sein? Und ja, ich gebe es ja zu, selbst „Eat Raw Meat = Blood Drool“ hat mit seinem monotonen Beat und diesem nachhaltigen Refrain etwas, wenn ich nur wüsste was? Gut, der orchestrale Abgesang „Walk The Fleet Road“ ist ja auch recht erhaben und verdammt, ich gebe es zu – großartig. Ich gebe mich geschlagen, die Editors haben mich mit diesem Album doch noch gekriegt!

Fazit: “In This Light And On This Evening” ist keine leichte Kost. Nein, man hat von den Editors sicher etwas anderes erwartet. Schreien wir nicht immer alle danach, dass eine Band mutig sein soll? Reden wir nicht immer von Innovation? Es wäre ein leichtes für die Editors gewesen den einmal eingeschlagenen Pfad weiter zu beschreiten und noch eine Weile auf der Erfolgsformel zu reiten. Haben sie aber nicht! Dafür meinen aufrichtigen Respekt! Ist das Album innovativ? Auf eine gewisse Art und Weise ja, denn die Editors holen bekannte musikalische Versatzstücke in ihre ganz eigene Welt. Und unter uns: Ein Album, welches mit jedem Durchgang wächst, wo man immer wieder etwas Neues entdecken kann, war noch nie die schlechteste Wahl. Langweilig wird es hier jedenfalls nicht! Man muss allerdings wollen!

http://www.editorsofficial.com

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