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Eddie Vedder: Into The Wild (Music For The Motion Picture) Tipp

(Sony BMG)

Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Pearl Jam Fans können sich momentan über mangelnde Präsenz ihrer Lieblinge sicher nicht beschweren. Das letzte reguläre Studioalbum ist ja fast noch taufrisch, eine viel umjubelte Tour führte die Band sowohl im Jahre 2006, wie auch 2007 in unsere Gefilde, das opulenten sieben CD Set „ Live At The Gorge“ sorgte diesen Sommer schon für Verzückung, die Veröffentlichung der sehr schönen Italien DVD „Immagine In Cornice“ steht kurz bevor und nun kommt Sänger und Frontmann Eddie Vedder auch noch mit seinem Soloalbum zum Film „Into The Wild“ um die Ecke! Diese Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollzähligkeit, scheint die Band und deren Mitglieder zur Zeit doch so umtriebig wie lange nicht mehr zu sein. Und trotzdem zeigt der geneigte Hörer und besonders der Fan noch keine Ermüdungserscheinungen. Pearl Jam schaffen es nämlich trotz der immensen Quantität durch ein fast schon erschreckendes Maß an Qualität zu überzeugen.

Für die Vertonung von „Into The Wild“ hat sich Regisseur Sean Penn eine Zusammenarbeit mit Eddie Vedder gewünscht. Man schätzt und mag sich und hat über die Jahre immer mal wieder zusammengearbeitet. „Long Road“ und „Dead Man Walking“ für den gleichnamigen Film dürften sicher einem größeren Publikum bekannt sein, ebenso wie das Beatles Cover „You`ve Got To Hide Your Love Away“ für den Film „I Am Sam“. Es war da fast schon eine logische Konsequenz, dass Vedder mal einen kompletten Soundtrack für einen Penn Film schreibt.

„Into The Wild“ ist zwar nur knapp etwas länger als 33 Minuten, aber von A bis Z eine sehr liebevolle Geschichte geworden und wunderschön in der Gestaltung. Die Aufmachung gleicht der eines Buches. Der Innenteil glänzt dann nicht nur mit den Songtexten, sondern auch einigen Bildern des Filmes. Mit Brad Klausen zeichnet sich für das Artwork ein weiterer Bekannter aus dem Pearl Jam Umfeld aus. Ihm zur Seite stand dabei Eddie Vedder, der unter seinem Alterego Jerome Turner gleich das ganze Konzept entworfen hat. Eine weitere, aus der Musikwelt nicht mehr wegzudenkende Größe ist mit dem Fotografen Anton Corbijn für das Backcover verantwortlich.

Natürlich nützt die beste Verpackung nichts, wenn der musikalische Inhalt nicht stimmt. Aber dies stand ja eigentlich sowieso nicht zu befürchten. Neun der elf Songs stammen aus der Feder von Eddie Vedder. Los geht der Songreigen mit dem fast schon rockigen und fröhlichen „Setting Forth“. Sehr schöner Auftakt, der unheimlich Lust auf mehr macht. „No Celling“ steht dem in fast nichts nach, ist von seiner Grundstimmung aber schon eine ganze Prise melancholischer. Erstaunlich, denn „Far Behind“ hält das Gaspedal auch noch immer durchgetreten. Selbstverständlich nicht bis zum Anschlag und natürlich weit von den schnellen Pearl Jam Songs entfernt, aber schon im Midtempo-Bereich angesiedelt. Dies dürfte für den ein oder anderen überraschend sein, da viele an ein pures Eddie Vedder Album sicher ganz andere Erwartungen hatten und haben. Das folgende „Rise“ ist dann Vedder pur, nur er und seine Ukulele. Danach folgt mit „Long Nights“ eines der schönsten Stücke von „Into The Wild“. Die tiefe und warme Stimme von Vedder gepaart mit spärlicher Instrumentierung und dieser tieftraurigen melancholischen Grundnote dürften beim Zuhörer nicht nur eine dicke Gänsehaut erzeugen, sondern hier und da auch für das ein oder andere Tränchen im Knopfloch sorgen. Das rein akustische „Tuolumne“ macht sich in der Filmatmosphäre sicher ganz gut, ist auf dem Album allerdings nichts mehr als eine kleine nette Auflockerung und insgesamt sicher verzichtbar. Die Single „Hard Sun“ ist das Kernstück des Albums. Nicht nur, dass der Track mit 5:22 Minuten der längste der Scheibe ist, nein der Coversong (die Originalversion stammt von Gordon Peterson) ist auch ein verdammter Ohrwurm. Unterstützung erhält Vedder beim Gesang von Corin Tucker. Mit „Society“ schließt sich ein weiterer Song an, der nicht aus der Feder von Vedder stammt, sondern von Jerry Haman, die hier auch Gitarre spielt und für den Backroundgesang verantwortlich ist. Wunderschöner Track, der eine sehr stimmige Atmosphäre verbreitet. „The Wolf“ besticht durch eine simple Orgelmelodie und Vedder ahmt hier wahlweise eben jenen Wolf nach oder ein indianisches Geheule. „End Of The Road“ ist im Ansatz zwar ein „elektrischer Song“ aber auch dieser ist vom Grundton eher in ruhigem Fahrwasser angesiedelt. Den würdevollen Albumabschluss gibt es dann mit „Guaranted“, aber Vorsicht, die CD sollte man schon ganz durchlaufen lassen.

Fazit: Mit „Into The Wild“ hat Eddie Vedder einen wunderschönen Soundtrack aufgenommen. Hier überwiegt eine ruhige und melancholische Grundatmosphäre und ist trotzdem ganz weit davon entfernt langweilig zu sein. Ebenso lässt sich dieser Soundtrack ganz hervorragend als eigenständiges und sehr gefühlvolles Stück Musik genießen, sprich es funktioniert auch abseits des Films. Ein Album voller Schönheit, da darf man sich schon auf den ein oder anderen Song daraus auf der nächsten Pearl Jam Tour freuen! Elf Songs für die ich gerne elf Sterne vergebe!

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