Die Hohen Frauen der Undae haben eine Vision – etwas geht vor! Denn mit dem schwindenden Wasser wird sich auch der Lauf der Geschehnisse des Kontinentes verändern.
So machen sich drei von ihnen auf, ihrer Bestimmung zu folgen und die zwölf Quellen aufzusuchen, um Anfang und Ende zu vereinen und so das Gleichgewicht wieder herzustellen, das die Menschlichkeit in der Welt erhalten soll.
Begleitet werden sie auf dieser Reise durch das Land von drei Kriegern aus Welsien, dessen schwindendes, durch Parm bezwungenes Volk im eisigen Gebirge leben muss. Sie dienen nicht nur zum Schutz je einer Unda, sondern werden auf der Reise mit sich selber und ihren Ängsten konfrontiert.
Und da ist noch Babu, der Sohn des Friedens und Neffe des Thon. Ein Hirte, der überraschend zum Jäger auserkoren wird und mit seinem zweiten Herz, dem Falken Juhut, fliehen muss, als er eine lang zurück liegende Intrige aufdeckt. Er sinnt eigentlich nur auf Rache und hat doch einen ganz eigenen Platz in der Vision der Hohen Frauen…
„Zwölf Wasser – Zu den Anfängen“ von E.L. Greiff (dtv) ist der erste Band einer… na? Genau, einer Trilogie! Und bringt mit 600 Seiten zum Auftakt ordentlich Stoff mit. Man merkt, dass es hier zunächst um die Einführung der Personen und die Erklärung der Welt geht, in der die Geschichte spielt.
E.L. Greiff gibt diesen Einführungen viel Raum, arbeitet mit ausführlichen, wunderbaren Beschreibungen der Landschaften und Städte. Allerdings nimmt sie dadurch auch Spannung raus und erst ab ungefähr der Hälfte des Buches kommt die Geschichte dann in Fahrt. Die magischen Idee der zwölf Quellen, die die Menschen nicht nur mit Wasser sondern auch mit ihren positiven menschlichen Eigenschaften versehen, sowie die böse dämonische Macht im wölfischen Gewand werden nebenher eingebunden und lassen erst im Laufe des Buches ihre wahre und tiefgreifende Bedeutung erkennen.
Auch die Protagonisten, allen voran Felt, Babu und Reva, haben viel Raum sich zu entwickeln und bleiben dabei immer bei sich selbst und dadurch glaubwürdig. Greiff spinnt um sie ein komplexes Netz aus stückchenweise gegebenen Informationen und Zusammenhängen, das sich wohl erst im Laufe der nächsten Bände wirklich vollständig darstellen wird.
Fazit: High Fantasy mit einer langen Anlaufzeit – für den wirklich gut geschriebenen Auftaktband dieser Trilogie braucht man ein wenig Geduld und den Willen, sich auf viel interessantes „Drumherum“ und intensive Auseinandersetzungen mit den Personen einzulassen. Dann kann er wirklich mitnehmen in eine andere Welt.