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Duffy: Rockferry

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Das Debütalbum von Duffy wird von der Musikwelt mit größter Spannung erwartet. Über die Sängerin erzählt man sich die abenteuerlichsten Geschichten und jedes nur denkbare Klischee scheint aus der Schublade gezaubert zu werden. Man könnte fast meinen, dass es sich hier um eine walisische Ausgabe von Björk handeln würde. Um Duffy ranken sich jedenfalls ähnliche Mythen und wenn man liest, wie sie aufgewachsen ist, dann hat das fast schon Drehbuchcharakter. Eine eigene Musiksammlung hatte sie nicht, überhaupt gab es in ihrer Umgebung kaum aktuelle Musik zu vernehmen. Nein, sie wohnte nicht auf dem Mond, sondern in der Küstenregion namens Nefyn. Auch um ihre Stimme und ihre Songs erzählt man sich die dollsten Geschichten. Bernard Butler, seines Zeichen ein Schwergewicht im britischen Musikzirkus, hat ihr dabei als Co-Songschreiber und Produzent tatkräftig unter die Arme gegriffen. „Rockferry“ hat mit dem ganzen Theater im Vorfeld schon eine Last zu tragen unter der das ganze Album zusammenbrechen könnte. Tut es aber nicht! Die zehn Songs schultern alles ganz vorzüglich.

Ostern ist nun vorbei, aber man hat das Gefühl, man befindet sich im tiefsten Winter. Es ist kalt, windig und es hat selbst in Köln geschneit wie den ganzen Winter zusammen nicht. Der Frühling breitet sich in den vier Wänden trotzdem mit großen Schritten aus. Dank „Rockferry“ ist man weit von einer Winterdepression entfernt. Duffy und ihr Debütalbum versüßen einem den Tag.

Die zehn Songs verteilen sich auf knapp 40 Minuten und werden in Zukunft ganz sicher immer wieder Vergleichen mit dem musikalischen Schaffen einer anderen angesagten Künstlerin unserer Zeit standhalten müssen. Duffy und ihr Debütalbum klingen verdammt stark nach Amy Winehouse. Und dies kann man durchaus als Kompliment verstehen. Duffy hat zwar nicht diese tiefe Röhre, dafür hat ihre Stimme eine ganz tolle Klangfarbe, die nicht minder markant ist, erinnert bisweilen auch stark an Dusty Springfield.

Los geht der Songreigen mit „Rockferry“. Die Nummer klingt nach Soul, Motown und nach einer großen Portion 60er Jahre. Bernard Butler steuert ein dezentes, aber sehr effektives Gitarrenspiel bei. Der Song zieht einem schon gleich zu Beginn die Schuhe aus. „Warwick Avenue“ ist in den Arrangements noch ausgefeilter und fährt die ganz große Klangpalette auf. „Serious“ ist in seiner Lieblichkeit fast schon nicht mehr zu übertreffen. Die Nummer ist zwar totaler Kitsch, mit seiner süßlichen Naivität aber so was von charmant, dass man sich dieser einfach nicht entziehen kann. Spätestens hier hat sich die gute Laune eingestellt, die einen von nun an den ganzen Tag begleiten wird. „Stepping Stone“ wird von einer Prise Melancholie durchzogen, bevor es mit „Syrup & Honey“ spärlich instrumentiert in eine bluesige Richtung geht. Die Stimme von Duffy kommt hier so richtig schön zur Geltung.

Die zweite Albumhälfte beginnt mit „Hanging On Too Long“ mit einem Streicherarrangement ohne allerdings zu kitschig zu wirken. „Mercy“ dürfte ja schon hinlänglich bekannt sein und hat einen großen Anteil an den Vorschusslorbeeren des Albums. Die zackige und schmissige Nummer, gepaart mit dieser markanten Stimme klingt nach einer vergangenen Zeit, fetzt aber trotzdem ungemein, ist sexy und macht Spaß. „Delayed Devotion“ ist dagegen fast bieder. Die solide Nummer geht aber durchaus in Ordnung. Falls der nächste Bondfilm noch mit Musik veredelt werden muss, bitte, hier ist „I´m Scared“. Zwar nicht als Titelsong geeignet, aber irgendwo im Film sollte der Track schon zu gebrauchen sein. „Distant Dreamer“ beendet die Scheibe dann absolut bezaubernd und hinreißend.

Fazit: Duffy hat mit „Rockferry“ ein wirklich gutes Debütalbum vorgelegt. Die Scheibe schafft den Spagat nach Musik aus einer vergangenen Zeit zu klingen und trotzdem eine absolute Frische an den Tag zu legen. Das Album zaubert etwas Sonnenschein in die eigenen vier Wände. Die Scheibe ist süßlich, manchmal kitschig und trotzdem absolut über jeden Zweifel erhaben und erwärmt einfach nur das Herz.

Und hier gibt es einen schönen Albumplayer:

http://www.duffy-music.de/albumplayer

 

 

 

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