
Ein neues Album von den Doves hatte man ja schon gar nicht mehr erwartet. Nach dem sehr guten Debüt „Lost Souls“ und dem würdigen Nachfolger „The Last Broadcast“ gab es im Jahre 2005 mit „Some Cities“ einen kleinen Einbruch. Klar, das Werk war nicht schlecht, konnte aber an die beiden Vorgänger allerdings auch nicht anknüpfen. Eine Tour folgte und dann? Plötzlich verschwanden sie aus dem Radar der Öffentlichkeit. Die Drei zogen sich zurück und lebten und arbeiteten in einer Scheune. Sie werkelten fast zwei Jahre in dem improvisierten Studio. Das Ergebnis liegt nun mit „Kingdom of Rust“ vor.
Die elf Songs klingen nach vielen, vielen Stunden Arbeit. Dicke Soundschichten werden aufgebaut, dann wieder abgerissen. Hier passiert so viel, wie bei anderen Künstlern in einem ganzen Bandleben nicht. Es scheint so, als wenn Kraftwerk sich mit U2 die Klinke in die Hand geben, die wiederum auf Muse treffen. Eine Prise Coldplay wird mit den Queens Of The Stone Age verrührt und fertig ist ein vorzügliches Gericht.
Der Albumopener „Jetstream“ ist schon alleine das (Eintritts-)Geld wert. Ganz langsam baut sich der Spannungsbogen auf bevor sich dieser komplett über dem Zuhörer entlädt. Der Titeltrack „Kingdom of Rust“ ist da eher ruhiger und würde sich auch gut als Soundtrackbeitrag machen. Die melancholische Grundnote verleiht dem Song etwas Großes und Erhabenes. Mit „The Outsiders“ gibt es die nächste Wendung. Das elektronische Gewitter könnte auch von einer neuen Muse Scheibe sein, bevor U2-artige Gitarrenwände einsetzen, nur um mit einem Basslauf zu kontern, der sich vor den Queens Of The Stone Ages verbeugt. Zusammengehalten wird alles von einer Gesangslinie, die stark an Coldplay erinnert. Passt alles nicht zusammen und geht nicht? Doch! Bei den Doves geht das.
Danach darf der Zuhörer endlich etwas verschnaufen. Trotzdem hat „Winter Hill“ nicht nur eine nette Melodie zu bieten, sondern auch viele kleine Spielereien denen man sich nicht entziehen kann. „10:03“ ist zwar nett, aber hier wird die Scheibe erstmals aus den Höhen auf den Boden der Tatsachen geholt. Das treibende „The Greatest Denier“ und auch das sphärische „Birds Flew Backwards“ oder das akustisch angehauchte „Spellbound“ schlagen in eine ähnliche Kerbe. So richtig interessant wird es allerdings erst wieder mit „Compulsion“. Getragen von einem hervorragenden Basslauf pumpt die Nummer unaufhaltsam nach vorne. Mit „House Of Mirrors“ hauen die Doves noch mal eine Perle im Stile der ersten Hälfte raus. Unaufhörlich treibt die Nummer in Richtung Abgrund – ohne eingebaute Bremsen und doppelten Boden. Das fast schon sakrale „Lifelines“ rundet das Album anschließend gut ab.
Fazit: Auf „Kingdom of Rust“ gibt es sehr viel zu entdecken. Jeder Durchlauf fordert den Hörer wieder voll und ganz. Die ersten Songs der Scheibe sind derart stark, dass sie einem fast den Atem rauben. Die kleine Schwächephase danach kann den guten Gesamteindruck nicht schmälern, weil auch diese Songs überzeugen und es nach hinten raus auch wieder Klangwelten gibt, die erahnen lassen, wie viel Arbeit in dieses epochale Werk gesteckt wurde.
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am Montag, den 30. März 2009 um 14:41 Uhr veröffentlicht
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