Die Surfwelle will einfach nicht abreißen. Zur Zeit scheint es im Musikgeschäft nur zwei wichtige Stile zu geben: Weibliche Sängerinnen, die den guten, alten Soul wieder aufleben lassen und musizierende Surfer oder zumindest solche, die so klingen. Jack Johnson war einer der Ersten, der mit Lagerfeuerromantik die Welt und die Herzen seiner Zuhörer eroberte. G. Love, Jamie Scott, David Celia oder wie zur Zeit Jason Mraz sind da nur die Sperrspitze eines neuen Genres. Gerne darf auch Ben Harper mal mitmachen. Was das alles mit Donavon Frankenreiter zu tun hat? Der Freund von Jack Johnson(!) bringt mit „Pass It Around“ nun seinen dritten Longplayer raus, auf dem beim Titeltrack Ben Harper(!!) dabei ist und auf dem es natürlich wieder jeder Menge entspannter Töne des Surfers(!!!) zu hören gibt. Noch Fragen?
Eine weitere Parallele gibt es zudem zu Jack Johnson: Mit „Pass It Around“ entfernt sich Frankenreiter ein Stück von der akustischen Lagerfeuerromantik – ähnlich wie eben Johnson auch schon mit seinem letzten Werk. Das soll es einstweilen nun aber auch mit den Vergleichen gewesen sein. Die müssen allerdings auch zwangläufig kommen, denn wer in so einem kleinen Teich wie die ganze (Surfer-)Bagage fischt, setzt sich diesen ja schon selber aus.
Rechnet man den Bonus-Track „Everything To Me“ hinzu, dann präsentiert uns Donavon Frankenreiter auf knapp 40 Minuten und elf Tracks wieder allerfeinste, entspannte Musikkost. Unter die Arme gegriffen haben ihm dabei, neben Ben Harper, mit Mike Daley von Whiskeytown und Grant Lee Philips weitere sehr prominente Kollegen. Man kann das Gehörte einfach nicht schlecht finden. Dieser entspannte, mal rootsige und rockige, mal funkige Vibe, der sich hier aus den Boxen schält, verbreitet einfach gut Laune und lässt die Sonne auch in den heimischen vier Wänden hell scheinen. Dieser sommerlichen Atmosphäre kann sich selbst der größte Miesepeter nicht entziehen und wenn es schon keinen richtigen Sommer in unseren Breitengraden gibt, kann man sich diesen wenigsten in Form dieser luftigleichten Kompositionen nach Hause holen.
„Life, Love & Laughter“ setzt mit fast schon rockigen Tönen gleich zu Beginn ein erstes Ausrufezeichen und macht mit seinem fetten Chorus zum Refrain gleich Lust auf mehr - Rootsrock, der allerdings nicht altbacken klingt. „Too Much Water“ legt noch eine Prise Funk drauf, bevor es mit „Come With Me“ dann doch fast wieder ans Lagerfeuer geht – aber auch wirklich nur fast. „Your Heart“ hat anschließend eine faustdicke Überraschung zu bieten. Die Nummer wird im Stile einer Mariachi-Band vorgetragen. Die Keyboards sind allerdings auch etwas gewöhnungsbedürftig. Insgesamt wirkt der Song etwas überfrachtet. Die Idee dazu stammt übrigens von Produzent Joe Chiccarelli, der sicherlich schon bessere in seinem Leben hatte.
Wurde eigentlich schon das Wörtchen entspannt in Zusammenhang mit Donavon Frankenreiter und „Pass It Around“ genannt? Ja? Mann kann es gar nicht oft genug wiederholen. „Hit The Ground Running“ ist ein weiteres Paradebeispiel für ein entspanntes Stück Musik. Wer einen Song wie „Someone´s Something“ schreibt, kann einfach kein schlechter Mensch sein. Und wer eine solche Nummer verächtlich als belanglos abstraft, muss schon ein sehr schweres Leben und das Lachen verlernt haben. „Sing A Song“ und „Pass It Around“ sind sogar noch mal richtige Höhepunkte im letzten Albumdrittel.
Fazit: Donavon Frankenreiter hat mit „Pass It Around“ ein weiteres, man muss es so sagen, gutes Surfalbum aufgenommen. Nein, seine Herkunft verheimlicht er auch auf dieser Langrille nicht – will er auch gar nicht. Wer diesem Genre sowieso sehr zugetan ist, der kann bei der Scheibe sicher blind zugreifen. Alle, die auf eine entspannte und relaxte Atmosphäre abfahren, sei dieses Album ebenfalls ans Herz gelegt. Trotzdem muss man Donavon Frankenreiter auch mal kritisieren. Kann ihm bitte mal wer sagen, dass er mit seinem Tom Selleck Schnauzer nicht cool ist, sondern dass die Rotzbremse einfach scheiße aussieht? Danke! Obwohl – ist auch egal, sehen wir das einfach ganz entspannt – jeder so wie er eben will…“Pass It Around“!