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Die Ärzte: 16.12.2007, ISS Dome, Düsseldorf

Autor: schlimm / Kommentare: Bisher keine

Der Winter hat zumindest von den Temperaturen nun doch noch den Weg mit großen Schritten nach Deutschland gefunden. Mit ebenso großen Schritten hat sich eine stattliche Anhängerschaft auf den Weg nach Düsseldorf gemacht um der Kälte zu trotzen und sich und „die Beste Band der Welt“, namentlich Die Ärzte, zu feiern und eine amtliche Rockshow auf die Bretter zu legen und die Halle in ein Treibhaus zu verwandeln. Bis es so kommen konnte, waren einige Fans allerdings sicher kurz vor dem Erfrierungstod. Der Einlass im ISS Dome zu Düsseldorf ist bei Konzerten immer wieder eine Wonne. Die Schlange schien endlos lang zu sein und durfte zudem noch vom Verkehr unterbrochen werden. Da hat sich mal wieder wer richtig Gedanken gemacht, Hut ab! Es bleibt ein völliges Rätsel, warum die Verkehrsführung, die Parksituation und vor allem der Einlass dort nicht besser in den Griff zu bekommen ist. Vergleichbare Hallen in Köln und Oberhausen haben das weitaus besser im Griff. Der ISS Dome ist und bleibt ein einziges Ärgernis und eine Zumutung.

Einmal in der Halle angekommen, durfte man erneut über den Geschäftssinn von den Die Ärzte staunen. Kurz hinter dem Eingang konnte man schon die limitierten Konzert-Shirts für das Abschlusskonzert in Düsseldorf käuflich erwerben. An den offiziellen Verkaufsständen war auch einmal mehr der Teufel los, T-Shirts, Kapuzenpullis und CDs gingen weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. Bei den moderaten Preisen auch sicher kein großes Wunder. Auch, wenn die Jungs es verstehen, den Rubel rollen zu lassen, werden die Fans trotzdem nicht ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Der ganze Kram wird schon zu einem zivilen Obolus angeboten. Das aktuelle Album „Jazz Ist Anders“ in der Economy CD-Version nur auf den Konzerten zu verkaufen ist auch nicht die schlechteste Idee und für 7 € sicher auch erschwinglich. In dieser Hinsicht ein sehr guter Service und faire Preise sind auf Konzerten heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr – bei den Die Ärzte schon! Entsprechend uniformiert war dann auch ein Großteil des Publikums, von Jung bis Alt hatte fast jeder mindestens ein Die Ärzte Utensil an.

Die Ärzte sind schon ein Phänomen. Mittlerweile dürfte die dritte, wenn nicht schon vierte Generation Ärzte-Fans nachgewachsen sein. Als die Jungs ihre ersten musikalischen Gehversuche starteten, dürfte ein Großteil des Publikums noch als Quark im Schaufenster gelegen haben. BelaFarinRod erfreuen sich heute fast größerer Popularität denn je und das Tourmotto „Es wird eng“ ist einmal mehr Programm.

Gegen 19.30 kam dann Bela B. höchstpersönlich auf die Bühne um den Supportact anzusagen. Nicht unerwähnt ließ er dabei, dass das Die Ärzte Konzert „heute Abend heftig wird“. Ja und es wurde heftig, aber erstmal betraten die Stimm- und Mundakrobaten von Yeomen die Bühne. Dargeboten wurden Songs vom Schlage Last Resort (Papa Roach), Are You Gonna Be My Girl (Jet), Engel (Rammstein!) oder Summer of 69 (Bryan Adams!!) und das auf einem Die Ärzte Konzert. Wer sich drauf eingelassen hat, wurde sicherlich gut unterhalten, beeindruckend was die fünf mit ihren Stimmen anstellen konnten war es auf jeden Fall.

Die anschließende Zeit versuchten sich die wartenden Fans mit den obligatorischen Wellenspielchen zu verkürzen. Der Innenraum war schon heiß gelaufen, die Tribünenfraktion allerdings noch nicht auf Betriebstemperatur. Spätestens beim „Intro“ und dem anschließenden „Himmelblau“ (die Band war zunächst hinter einem Vorhang mit Bandlogo verborgen) stand die komplette Halle Kopf. Mit „Lied vom Scheitern“ folgte direkt ein weiterer Song von „Jazz Ist Anders“. Die Stimmung wurde mit „Hurra“, „Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas!“ oder „Ich ess Blumen“ mit einem kurzen Intermezzo von „Gehn wie ein Ägypter“ noch eine Stufe verstärkt. Auch im weiteren Verlauf spielten BelaFarinRod jede Menge Klassiker, ließen aber auch Platz für eher unbekannte und rare Stücke. Bei 40 Songs kam da wohl jeder auf seine Kosten. Ältere Hits vom Schlage „Buddy Holly´s Brille“, Madonnas Dickdarm“ oder „Westerland“ wechselten sich mit Tracks neueren Datums ab. Die Stimmung war natürlich dementsprechend.

Fragende Gesichter gab es allerdings bei den ersten Zugaben. „Elektrobier“, „1 2XU (Lest die Prawda)“ und „Punkbabies“ schien doch einem Großteil unbekannt zu sein und entsprechend ging die Stimmung auch etwas nach unten. Trotzdem Daumen hoch, dass Die Ärzte die Nummern überhaupt bringen und dann auch noch an dieser Stelle – Respekt! Mit „Sweet Gwendoline“, „Sommer, Palmen Sonnenschein“ und „Mein kleiner Liebling“ gab es im Anschluss weitere (mittlerweile) selten bzw. lange nicht mehr gespielte Songs obendrein. Die Halle nahm diese natürlich dankbar auf. Das obligatorische „Zu Spät“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Als Zuschauerwunsch musste „Erna P.“ herhalten, gewünscht vom „Bräutigam und Die Ärztefan“. Dankeschön dafür! Auch wenn bei diesem Klassiker wieder fragende Gesichter zu sehen waren, stellte dies eine mehr als gelungene Abwechslung dar. Schluss war dann allerdings noch lange nicht, bei „Schrei nach Liebe“ und dem anschließenden „Unrockbar“ wurden noch mal die letzten Kräfte mobilisiert, bevor „Dauerwelle vs Minipli“ die Tour beendete.

Ein Die Ärzte Konzert wäre natürlich kein Die Ärzte Konzert wenn nicht auch zwischen den Songs eine Menge erzählt würde und der ein oder andere Schabernack getrieben würde. Bela B. dürfte spätestens seit gestern auch Mr. Pink oder Pinky genannt werden. Farin Urlaub taufte ihn aufgrund seines (Entschuldigung) grauenhaften pinken Anzugs jedenfalls so. „Frauke-Chantal gegen Schnuffi – untentschieden“ war ein weiterer Running-Gag des Abends. Farin und Bela haben sich jetzt jeweils ein Maskottchen zugelegt und animierten das Publikum jeweils zu Sprechchören für Schnuffi (Farin) oder Frauke-Chantal (Bela). Da waren doch einige Lacher garantiert. Zwischendurch wurden auch munter die Instrumente getauscht, Farin war auch am Bass oder hinter der Schießbude zu finden, Bela versuchte sich auch mal an der Gitarre und Rod wechselte ebenfalls mit Farin das Instrument und die Bühnenseite. Wer schon mal ein Die Ärzte Konzert besucht hat, der weiß, dass hier nicht immer alles klappt und manches improvisiert werden muss. Rod hatte dann doch einige Probleme mit seiner Gitarre und durfte schließlich die „schmalbrüstige“ von Farin bedienen. Überhaupt Bela und Farin, wenn die beiden irgendwann keine Lust mehr auf das Musikgeschäft haben, könnten sie auch problemlos als Animateure arbeiten. Bereitwillig nahm das Publikum die Aufforderungen zu jeglichen Formen einer La Ola Welle an. Bei „Unrockbar“ schaffte es das Trio sogar die ganze Halle zum Sitzen zu bewegen. Erst beim Refrain sprangen alle im Kollektiv auf, die Bude stand so komplett Kopf. Auch die mittlerweile obligatorische „Wall Of Death“ wurde zelebriert. Die Ärzte haben so mal eben eine neue Form des Pogo kreiert. Im Front Of Stage Bereich formierten sich zwei Pulks, die sich gegenüberstanden und dann ineinander rannten. Erstaunlich, dass die Zuschauer dabei ohne größere Blessuren davon gekommen sind. Wie sagte Farin Urlaub zu Beginn? „Wir sind eine interaktive Band“. Stimmt, das Publikum wird permanent in die Show einbezogen.

Die Show selber bestand im Grunde nur aus dem Trio. Videoscreens, wurden nur ganz dezent eingesetzt, die Lichtshow war passend, aber hatte nicht das übliche Brimborium einer Rockshow zu bieten und die Bühne selber wurde von zwei überdimensionalen „Gwendoline“-Figuren flankiert. Mehr brauchte es aber auch nicht. Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo González überzeutgen auf ganzer Linie, da brauchte es kein Schnickschnack! Zum Schluss des Konzertes blickte man in glückliche Gesichter allerorten. Generationen vereinigten sich und feierten sich und Die Ärzte. Und auf die ganz junge Generation warteten schon Mami und Papi in der Eingangshalle – so soll es sein!

Fazit: Die Ärzte wissen auch heute noch zu überzeugen und erfreuen die Zuschauer immer noch mit immens großen Livequalitäten. Klar, wer bisher nichts mit der Band anfangen konnte, wird sich auch heuer nicht mehr mit ihnen identifizieren können, alle anderen kommen immer noch voll und ganz auf ihre Kosten und wenn das so weitergeht, dann wird auch bald die fünfte Generation auf einem Die Ärzte Konzert zu finden sein - wäre zu wünschen, denn in dieser Form sollten die Jungs noch viele, viele Jahre die Republik mit ihren Konzerten, ihrem Nonsens und natürlich mit ihrer Musik erfreuen!

(Soundbase bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Hot Action Records, ganz besonders bei Benno und natürlich bei den Die Ärzte!)

(Bild: Credit: "die ärzte assistiert von Jörg Steinmetz").

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