Wenn die beste Band der Welt auf einen der schönsten Plätze der Republik ruft, kann es eigentlich nur bombastisch und ein Selbstläufer werden. Die große Unbekannte ist im Jahre 2008 der Sommer und wie es bei Open Air-Veranstaltungen der Fall ist, sind auch diese ein Stück von eben jenen nicht beeinflussbaren Bedingungen abhängig. Zum Glück spielte der Bonner-Wettergott mit und so gab es für die zahlreich erschienen Fans (die Bude war selbstverständlich ausverkauft!) fast perfekte Verhältnisse. Dem ein oder anderen war es vielleicht schon fast ein wenig zu trocken und so blieb der aufgewirbelte Staub selbst den drei Protagonisten auf der Bühne nicht verborgen.
Einen dicken Wermutstropfen gibt es fast bei jeder Veranstaltung auf dem Museumsplatz – das frühe Ende. Um 22 Uhr ist Schicht im Schacht und entsprechend zeitig ist dann auch der Beginn terminiert. Bei den Die Ärzte war das nicht anders und so öffneten sich schon um 16.30 die Pforten für die ersten Fans. Die Vorgruppe musste schon entsprechend früh rauf auf die Bühne. Viele dürften da noch im Stau rund um Köln/Bonn gestanden haben. Trotzdem war der Platz pünktlich zu Beginn von „Himmelblau“ gut gefüllt und die Party mit BelaFarinRod und knapp 8.000 Jüngern konnte beginnen.
Passend zum Songtitel war ab jetzt auch in der Tat blauer Himmel angesagt. Die Temperaturen waren ebenfalls recht angenehm und so gab es für Band und Publikum fast optimale Bedingungen. Der Sound war recht gut abgemischt und kam klar und deutlich von ganz vorne bis hinten aus den Boxen. Bei der Lautstärke hätten ruhig noch ein paar Dezibel draufgepackt werden können, aber das ist nicht der Die Ärztemannschaft zuzuschreiben, sondern zählt ebenfalls zu den Rahmenbedingung vor Ort. Ansonsten sind diese auf dem wunderbaren Gelände allerdings erste Sahne. Getränkestände gibt es in ausreichender Anzahl, die Mitarbeiter sind allesamt sehr freundlich und auch der Gang zur Toilette wird nicht zur Tortur, sondern ist Dank der freigegebenen sanitären Einrichtungen im Inneren schnell erledigt. Da sticht der Museumsplatz positiv aus der Vielzahl an Open Air-Veranstaltungsorten heraus!
Die Ärzte stechen aus der Vielzahl an deutschen Bands sowieso positiv heraus! Auf eindrucksvolle Art und Weise stellten die Drei dies in Bonn erneut unter Beweis und fügten ihrer Ausnahmestellung im deutschsprachigen Musikraum ein weiteres, dickes Ausrufezeichen hinzu. Warum? Weil Die Ärzte einfach Die Ärzte waren! Das reicht völlig aus. Mit einer Spielzeit von knapp 2 Stunden und 40 Minuten war dies mit Sicherheit nicht das längste Konzert der Berliner Band. Auch sonst wird der Auftritt jetzt sicher nicht in die Top 3 der Die Ärzte Live-Analen eingehen. Trotzdem ist ein Die Ärzte Konzert nie Durchschnitt. Über 30 dargebotene Songs und eine Spielzeit jenseits der magischen zwei Stunden Marke sprechen da eine mehr als deutliche Sprache. Welcher andere Künstler oder Band kann damit schon mithalten und dies zu sehr fairen und zivilen Eintrittspreisen? Eben!
Ein Konzert der drei Herren aus Berlin unterstreicht zudem eindrucksvoll, dass sie doch über eine Vielzahl an Hits im Backkatalog verfügen. So meinte dann auch mein Nebenmann fast ehrfürchtig, dass die ja einen Gassenhauer nach dem anderen spielen. Und in der Tat, es ging Schlag auf Schlag. „Lied vom Scheitern“, „Hurra“, „Nie wieder Krieg, nie mehr Las Vegas!“, „Angeber“ oder „Blumen“ sorgten direkt zu Konzertbeginn dafür, dass die Stimmung besonders in der ersten Welle prächtig war. Höhepunkt folgte auf Höhepunkt. Aber auch älteren Stücken wurde natürlich genug Platz eingeräumt und so durfte man sich an „2000 Mädchen“ oder „El Cattivo“ erfreuen.
Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass sich den Gesangspart Farin Urlaub und Bela B. teilten. Es sollte sich ja mittlerweile in der gesamten Republik rum gesprochen haben, dass Die Ärzte einen singenden und stehenden Drummer in den Reihen haben. Zudem absolviert der Mann Abend für Abend sein eigenes kleines sportliches Trainingsprogramm. Auch in Bonn lies er es sich nehmen und kam immer wieder an den vorderen Bühnenrand oder tigerte in seiner bekannten und markanten Art von rechts nach links. Die vorderen Reihen duften sich über den ein oder anderen Drumstick freuen, den er währenddessen ins Publikum warf.
Ein Ärztekonzert wäre ja kein Ärztekonzert, wenn sich Farin Urlaub und Bela B. zwischendurch nicht auch den ein oder anderen verbalen Schlagabtausch liefern würden. Kongenial werfen sich die beiden da die Bälle zu, auch wenn es schon mal hart an die Schmerzgrenze zum guten Geschmack geht. Die beiden Herren sind aber immer wieder für den ein oder anderen Schenkelklopfer gut. Rod hält sich bei diesen Geschichten lieber zurück und beobachtet das Geschehen sitzend aus dem Hintergrund. Den Höhepunkt der verbalen Höchstleistungen durften die Zuschauer dann bei „Zu spät“ erleben. Die beiden Reimmonster mussten sich schon selber am Riemen reißen, um nicht einem amtlichen Lachanfall anheim zu fallen.
Ein Die Ärzte Konzert ist ja auch immer eine Quell der Interaktion. Mitmachen des Publikums ist ausdrücklich erwünscht. In Bonn wurde gerade bei den schnellen Stücken aufgrund der örtlichen Gegebenheiten viel Staub aufgewirbelt. Bei „Junge“ gab es die schon legendäre „Wall Of Death“ der Zuschauer zu bewundern und zu „Unrockbar“ forderte Farin dann die Menge auch wieder auf sich zu setzen und zum Refrain aufzuspringen. Ein Großteil kam dieser Bitte natürlich bereitwillig und gerne nach. Mit „Elektrobier“ und „Punkbabies“ fanden sich auch erneut Songs der „Bullenstaat“ Scheibe im Set wieder. Zu „Lasse Redn“ gab es zudem noch ein zusätzliches Schmankerl. Der Die Ärzte-Fan Marvin(?) durfte auf der Bühne das Video zur Single nachstellen und machte seine Sache erfreulich gut. Daumen hoch! Die Stimmung war insgesamt recht gut und wenn es mal eine kurze Pause gab, feierte sich die Meute selber und stimmte „Seven Nation Army“ der White Stripes an.
Was bleibt von diesem Abend? Man war Zeuge eines abermals hervorragenden Die Ärzte Konzertes auf einem schönen Veranstaltungsgelände. Die drei Herren gaben sich mal wieder volksnah, authentisch und sympathisch. Da verzeiht man auch sehr gerne einen kleinen Texthänger oder einen kleinen Verspieler. Die Ärzte sind auch im Jahre 2008 immer noch ein Ereignis. Mittlerweile ist dies auch eine drei Generationenveranstaltung! Welche andere Band kann das sonst noch vorweisen? Und bei allem Klamauk, der auf den Konzerten eben auch dazugehört, darf man den eindrucksvollen Backkatalog nicht vergessen. Die Ärzte haben ja mittlerweile so viele Hits im Gepäck, dass dies schon beatleeske Züge annimmt. Am besten spielt die Band einfach so lange weiter, bis zumindest statistisch jeder Bundesbürger auf einem Konzert der Berliner war. Ich verneige mich in Ehrfurcht vor diesem Auftritt! Danke!
(Soundbase bedankt sich für die freundliche Unterstützung bei Hot Action Records, ganz besonders bei Benno und natürlich bei den Die Ärzte!)
(Bild-Credit: "die ärzte assistiert von Jörg Steinmetz").