Nachdem Diane Reeves in den letzten Jahren vor allem mit dem exzellenten Soundtrack zu George Clooney’s „Good Night, and Good Luck“ von sich reden machte, so steht sie jetzt wieder mit einem reinen Studioalbum in den Startlöchern, um der Welt ein weiteres Mal zu beweisen, dass sie vollkommen zu Recht als eine der besten Jazzsängerinnen der Gegenwart gefeiert wird.
„When You Know“ heißt die aktuelle Langrille und präsentiert einen Reigen neu interpretierter Liebeslieder der älteren und auch jüngeren Vergangenheit. Inspiriert wurde Diane Reeves zu dieser Titelauswahl durch ein Bild Gustav Klimt’s, das ihr in der Galerie Belvedere in Wien aufgefallen war und das eine Frau zeigt, die mitten durchs Leben wandelt. Und genau das will auch die Sängerin mit ihren Titeln tun: durchs Leben wandeln und die verschiedenen Aspekte der Liebe mit ihren Liedern berühren. Und da Berührung oftmals sehr intim ist, wählte sie auch für die musikalische Umsetzung mit nur zwei Gitarristen eine sehr intime Besetzung. Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen, auch wenn ich die Euphorie des Labels, dass diese Platten ganze Generationen von Jazzsängerinnen beeinflussen werde, nicht so ganz teilen kann. Klar verfügt Frau Reeves über unbestreitbare Qualitäten und sicherlich bietet sie ihre Titel stets einwandfrei und stimmlich sicher dar, aber gerade der aktuelle Longplayer ist mir unterm Strich betrachtet einfach eine ganze Spur zu weich und glatt ausgefallen. Hier gibt’s kaum noch Ecken und Kanten, an denen man sich reiben kann, wo man vielleicht mal verkommenen Blues oder experimentellen Jazz erwartet rutscht die Musik immer öfter mal in massenkompatiblen Tanzboden-‚Soul’ ab. Das Album klingt halt mehr als einmal danach, als ob Diane Reeves nach ihrem „Good Night, and Good Luck“ Erfolg nun den Spagat zwischen altem Anspruchdenken und neuen Kommerzaussichten versucht, was ihr – relativ ungeübt in dieser Disziplin – nicht immer ganz gelingen will.
Fazit: Auch wenn es hier vielleicht etwas viel Kritik für „When You Know“ zu hageln scheint, so soll hier keineswegs der Eindruck entstehen, Diane Reeves habe ein schlechtes Album abgeliefert, es entspricht halt nur irgendwo nicht den Erwartungen, die ich persönlich daran hatte. Wer auf stimmlich gut dargebotenen wie eingängigen Pop-Soul mit Schmuse-Blues Charakter steht, der kann hier durchaus einen feinen Schnapp beim nächsten Plattenkauf tätigen. Wer musikalisch höher gesteckte Ambitionen beim Hören einer Diane Reeves Platte hegen sollte, der wäre sicherlich mit ausgiebigem Probehören vor einem Kauf sehr gut beraten. 8½ Punkte!
Homepage www.diannereeves.com
Als ganz großer Fan von Frau Reeves bin ich mit dieser Kritik vollkommen einverstanden. Auch für mich ist dieses CD eine kleine Enttäuschung. Auf ihrer neuen CD wiegt sich Dianne Reeves in andauernder, sanfter Harmonie – angepasst dem Repertoire von Lovesongs im Jazzgewand. Man kann ihren Vortrag in manchen Songs durchaus „beseelt“ finden, aber mir fehlt es auf die Dauer an „Biss“ oder Leidenschaft. Verglichen mit ihren CDs “The Grand Entcounter”, „Art & Survival”, „I Remember”, „Quiet AfterThe storm”, und”In The Moment”, die wahre Kunstwerke des Jazzgesangs sind,- ist das neue Album Mittelmaß
Comment by WERNER — May 17, 2008 @ 6:04 pm