Neben hippen Dance-Klängen, auf die von Gretchen Mausetot bis Hubert Hahnenbrust alles was dabei sein möchte tanzt, hat sich in den Jahren eine etwas abgelegene Szene gebildet, die ihr Heil vor allem in 8-Bit Klängen sucht. Wer in Zeiten aufgewachsen ist, wo Nintendo noch ein Dosenöffner und die Playstation ein Puff auf St. Pauli war, der wird sich vielleicht an frühere Daddelkisten wie den C-64 oder den VC-20 erinnern. Ganz alte Muster haben vielleicht sogar mit einem Atari gestartet, andere Generationen erinnern sich sicherlich auch noch an den Amiga. Was damals aus den Boxen drang und uns beim Hüpfen mit kleinen quadratischen Figuren oder Ausziehen von Damen mit eckigen Brüsten begleitet hat, das war und ist der so genannte 8-Bit-Sound. In Finnland haben sich vor Jahren zwei Künstler zusammengeschlossen, die mithilfe dieser Minimalmittel sich dransetzen und die Daddelkistensounds in fetten Soundgewändern auf CD ablichten. Das klingt erst einmal wenig beeindruckend, aber das Ergebnis ist streckenweise ein unglaublicher Kracher. Wer bei einem Song wie Breakout Button eine ruhige Sohle schiebt, der hat entweder Gicht, klebt am Sofa fest oder schlichtweg nichts über für solch pfiffige Retortensounds. Dem alternativen Rocker oder schmierigen Metaller dürfte hingegen zumindest trotz fehlender Gitarren Granny Hunt ein Lächeln auf die Lippen legen, bilden immerhin die Eläkeläiset-Trinker bei diesem Lied einen feinen Chor. Ansonsten sind es vor allem die flotteren Nummern wie Salsa Kong und die hier und da eingesetzten Hilfe, mein Helikopter stürzt ab, Game Over oder Ich springe hoch, aber nicht hoch genug-Effekte, die Späßken machen. 80er Jahre Nüsse, Nostalgiesammler, Freunde von finnischer Sauna und andersdenkende Tanzmäuse können hier zugreifen.
Rezensionen > Musik
Desert Planet: Mario Built My Hot Rod
(9pm Records)
Autor: DJ / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
No Comments »
No comments yet.
RSS feed for comments on this post. TrackBack URI