Ich habe viele Bands, die ich gerne höre, würde mich auch als Fan einiger Bands bezeichnen, aber nur wenige Bands haben mich nachhaltig so beeindruckt, wie die Briten Demon. Das Organ von Dave Hill und die Musik, von Hardrock bis Metal alles dabei, haben die Jungs in meine Top 3 gebracht. Nur ein Album hat mich bisher enttäuscht und das war das Comeback Album „Spaced Out Monkey“, welches für mich unausgegoren und schwächlich klang. Nun ist das neueste Album „Better The Devil You know“ auf dem Markt und es enthält alle Trademarks der Band, die sie im Untergrund so beliebt machten. Ich hatte das Glück mit Sänger Dave Hill zu sprechen und seine Freundlichkeit und Ehrlichkeit, machten das Interview zu einem wahren Erlebnis. SB: Zuerst einmal Herzlichen Glückwunsch zum neuen Album. Anders als bei „Spaced Out Monkey“ ist es wieder Demon was man hört und nicht irgendwas anderes. Ist es nicht ziemlich schwer immer einen derart hohen Level halten zu müssen, den Ihr euch selbst auferlegt habet? DH: Wenn es um das kreieren und schreiben der Musik geht, war „Better The Devil You Know“ das kreativ einfachste Album, was wir gemacht haben seit Mitte der Achtziger Jahre. Es geht wieder mehr in die simplere Richtung, was auch viel leichter zu schreiben ist, gerade wenn man schon ziemlich aufwändige Produktionen hinter sich hat. Einfachere Melodien, einfachere Songs….einfach schön, aber nicht schwierig! SB: Nach 25 Jahren im Business ist es auch nicht mehr so einfach, sich immer wieder neu zu erfinden. Viele Bands, die in etwa zeitgleich mit euch auf den Markt kamen, sind entweder verschwunden, oder haben ihre musikalische Ausrichtung in einer Art und Weise verändert. Was denkst Du, hat viele Bands dazu veranlasst, ihre musikalischen Ziele derart zu ändern oder warum habt gerade ihr immer euren typischen Sound behalten? DH: Auch wir als Band haben schon diverse Entwicklungen durchgemacht, aber wir haben unsere Identität behalten. Deiner Meinung nach ist dies eine gute Sache, aber es ist nur eine Richtung in die es sich entwickeln kann. Bei uns ist es halt so, wir spielen Live, schreiben Songs und am Ende ist es immer typisch Demon. Wir denken nicht groß darüber nach, wir schreiben einfach die Songs. Über die Jahre muss man einfach sagen, dass es immer so geschehen ist. SB: Hier in Deutschland habt ihr eine sehr treue Fanschar. Doch euer erstes Konzert, das ihr nach eurer längeren Auszeit gespielt habt, war nicht in Deutschland oder in eurem Heimatland, sondern in Schweden. Bei einem Festival haben die Fans abgestimmt und ihr seid die Band gewesen, die sie unbedingt Live sehen wollten. DH: Das ist schon ein wenig strange. In den Achtziger Jahren hatten wir zwei Alben in den schwedischen Top 20 Charts. Aber leider war es zu der Zeit so, dass die meisten Bands, die in Europa tourten, einfach nicht nach Skandinavien gefahren sind, denn scheinbar gibt’s da nicht so viele Plätze, wo man spielen kann. Man konnte 40 Dates in Europa spielen, aber das Management, die Booker und die Bands, haben einfach nicht die Möglichkeit gesehen, in Skandinavien, insbesondere in Schweden, zu spielen. Das Sweden Rock Festival ist ein sehr großes Festival und vor einigen Jahren haben sie die Fans gefragt, welche Band sie gerne mal Live sehen würden. Über die Jahre hatten wir sehr viele Mails und Anfragen aus Schweden, aber es hat nie geklappt. Doch dann haben sie die Fans gefragt und die Band die sie am liebsten sehen wollten war Demon. Seitdem waren wir schon ein paar Mal da. Doch damals war es ein Ort wo wir noch nie vorher waren, auch wenn wir dort Platten verkauften und Erfolg hatten. SB: Apropos Live, kann man euch denn mal wieder auf den Bühnen Deutschlands sehen? DH: Da war eigentlich was geplant, wurde dann aber geändert. Im November sollte eigentlich was stattfinden, so 12-14 Dates und eine der anderen Bands war, glaube ich, Flotsam & Jetsam. Aber leider wird das so wahrscheinlich nicht klappen, ich hoffe mal dass es in den ersten Monaten des neuen Jahres so weit sein wird. SB: Dann bin ich ja mal gespannt, denn auch wenn ich euch noch nicht Live gesehen habe. Bin ich doch der Meinung, dass ihr eines der Live Alben ever („One Helluva Night-In Germany) auf den Markt gebracht habt. DH: Es ist gut, dass du das Live Album erwähnst. Denn ich bin der Meinung, dass wir nach 16 Jahren ein neues Live Album auf den Markt bringen sollten. Ich habe mit unserem Manager gesprochen und auch er ist der Meinung, dass es Zeit wird, ein weiteres Live Album und ein Video raus zu bringen. Es gibt ein paar Aufnahmen von uns aus den frühen Jahren, aber nichts, was man auf eine DVD packen sollte. Im Laufe des nächsten Jahres werden wir also was Neues aufnehmen und es wird definitiv in Deutschland sein, so schließt sich der Kreis. Viele der Live Alben in den Achtzigern waren einfach überladen und man hatte nicht mehr das Gefühl, dass es sich um ein Live Album handelt. Wir wollten es rau und reell, wir wollten alle Fehler hören und haben sie auch belassen. Wir haben kein Gitarrensolo neu eingespielt, was auch in den Achtzigern eine große Mode war. Deswegen mögen scheinbar so viele Menschen unser Live Album, weil es so ist wie wir Live klingen. Wir haben soviel Material aus den letzten Jahren, dass wir problemlos ein Live Album in ein paar Tagen zusammen schustern könnten. Aber wir wollen, dass ein Live Album was besonders ist und bleibt und deswegen werden wir nächstes Jahr auch ein Neues aufnehmen und außerdem arbeiten wir noch an neuem Material für das nächste Studioalbum, also langweilig wird uns mit Sicherheit nicht. SB: Wo wir beim Songs schreiben sind, da gibt es auch eine Besonderheit. Nicht nur, das Du bei jedem Song involviert bist, sondern auch, dass Du die viele Songs mit eurem Drummer schreibst. Drummer sind ja nicht gerade oft ins Songwriting involviert. DH: Stimmt, bei dem neuen Album haben wir es so gemacht. Unser Drummer Neal (Ogden) ist schon lange ein guter Freund von mir. Er hatte schon immer einige Ideen, doch nie die Chance, sie auch umzusetzen. Als es dann losging, dass wir in der Band Ideen sammelten, sagte ich zu den Jungs, dass wir ein simples Album in der Art und Weise von „The Unexpected Guest“ machen sollten. So saßen wir zusammen und sammelten. Neal hatte dann einige, schöne Ideen, die wir dann weiter ausgearbeitet haben. Diese Songs passten genau ins Schema. Wir haben das Album im Studio von Ray (Walmsley) (Git.) aufgenommen. Es ist wirklich nicht normal, dass der Drummer so viele Songs schreibt, aber es liegt daran, dass Neal auch kein normaler Drummer ist. Er ist auch ein ziemlich guter Gitarrist, der schon immer gute Ideen hatte. Er brauchte nur die Möglichkeit, sie auszudrücken. Es hat einfach gepasst, da die Songs auch perfekt in das Konzept des neuen Albums passen. SB: Auch wenn die Songs auf „Better The Devil You Know“ vom Prinzip her einfacher gehalten sind, als auf den meisten Alben die ihr auf dem Markt habt, sind die Stücke auch wesentlich emotionaler. DH: Das Album hat Tiefe und wir haben, wie immer, sehr viel wert auf die Inhalte der Songs gelegt. Wir haben nichts kompliziert, ich habe einfach Dinge aus der Vergangenheit in die Gegenwart geholt. SB: Und ihr habt den Mut gehabt einen echten Love Song zu schreiben („Change“)! Viele Bands schreiben halt „Sozialkritische“ Balladen. DH: Wir haben über die Jahre auch sehr viele sozialkritische Songs geschrieben. „Change“ war plötzlich als Idee da und wollte so geschrieben werden, wie wir es auch getan haben. Songtexte sind eine filigrane Sache und ich habe mir die Regel auferlegt, sie nicht zu verändern. Die Worte werden so aufgeschrieben, wie sie aus meinem Kopf kommen. Ich setze mich nicht stundenlang hin und brüte über den Texten. Sie sind meistens schon im Hinterkopf, wenn wir die Musik schreiben. Es ist schwer einen guten Love Song zu schreiben, weil es schon so viele Leute gemacht haben. SB: Demon kann man als Legende bezeichnen, wenn man mit Menschen spricht, die Hardrock oder Metal hören, dann haben sie schon einmal von Demon gehört. Wenn ihr jetzt auf Tour geht, dann besteht die Möglichkeit, dass Leute, die euch vor 20 Jahren gesehen haben, nun mit ihren Kindern zu euren Konzerten kommen. DH: Diese Sache ist mir auch schon aufgefallen und das besonders in Deutschland. Das deutsche Publikum ist sowieso einzigartig. Wenn sie merken, dass eine Band ehrlich ist, dann ist es auch egal ob du einen fürchterlichen Sound hast, sie feiern dich trotzdem. (Anm. des Verf.: Da habe ich aber schon anderes erlebt). Eine weitere Besonderheit, die mir schon in den Achtzigern aufgefallen ist, sind die Zuschauer an sich. Es sind Leute von 15 bis Fünfzig Jahren. Es war damals so und es ist heutzutage immer noch dasselbe. Die Söhne die uns vor 15 oder 20 Jahren gesehen haben, haben nun schon selbst Söhne und wir können vielleicht vor drei Generationen spielen. Wir haben eine lange Pause gehabt, lange nicht in Deutschland gespielt und trotzdem ist es dasselbe und doch ein neues Publikum. SB: Bei Demon wissen die Leute aber auch, was sie erwarten können, weil ihr halt nie eure musikalische Ausrichtung geändert habt. DH: Demon sind eine gewachsenen Band, die sich von Album zu Album entwickelt haben. Wir spielten letztes Jahr in Italien, wo wir auch lange nicht mehr waren, dort kam ein Gentleman auf mich zu, er sprach nicht gut Englisch und der einzigste Satz war :“Your music is beautiful ! It´s like a painting.“ Er hatte das erste Album von Demon dabei und wir waren über Jahrzehnte hinweg ein Teil seines Lebens. Wir alle wachsen mit Musik auf, Musik ist ein Teil unserer Leben und ich finde es immer wieder faszinierend, wenn ich ein Teil dieser Musik für andere bin. Auch für mich sind Demon ein Teil meines musikalischen Lebens und wenn die Herren aus Großbritannien so weiter machen, werden sie auch noch einige Menschen mit ihrer Musik glücklich machen. Dessen bin ich mir mehr als sicher…
Interviews > Musik
Demon
Autor: CF / Kommentare: Bisher keine
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