Deichkind haben irgendwann mal als HipHop-Band angefangen. Mittlerweile hat die Truppe ein fast gänzlich anderes Gesicht. Es hat sich einiges getan seit dem Bundesvision Song Contest aus dem Jahre 2005 und dem letzten Werk „Aufstand im Schlaraffenland“. Malte ist weg und Buddy Inflagranti suchte ebenfalls das Weite. Dafür ist nun Ferris MC mit an Bord. „Arbeit Nervt“ ist nun also das neue Lebenszeichen der kunterbunten Truppe. Das Video zur Single zeigt ja im Groben schon, wohin die Reise gehen wird.
Wem das Niveau von der letzten Scheibe zugesagt hat, der wird auch mit „Arbeit Nervt“ sehr glücklich werden. Dies trifft nicht nur auf die Texte, sondern auch auf den Sound zu. Willkommen auf dem Deichind-Rave. Es werden wieder jede Menge Synthies ins Rennen geschickt und selbstverständlich gibt es auch wieder die obligatorischen Stimmverzerrer. Wer gehofft hatte, dass Deichkind wieder zurück zum HipHop finden, der sollte die Finger von der Scheibe lassen. Hin und wieder erinnert das Gehörte hier sogar an die schlimmsten Kirmestechnozeiten.
Die Single „Arbeit Nervt“ dürfte ja mittlerweile hinlänglich bekannt sein und ein gewisses Hitpotenzial kann man der Nummer sicher nicht absprechen. Auf Albumlänge ist der Witz allerdings ermüdend und nur halb so spannend. Vielleicht verstehe ich den ironischen Unterton nicht oder kann den lyrischen Ergüssen hier nicht folgen, aber schon bei „Hört Ihr Die Signale“ ist mir die Lust auf ein gesamtes Deichkind-Album deutlich vergangen. Prolllyrik und eine musikalische Reise in die 80er sind dann nicht mehr so ganz meine Tasse Tee. Vielleicht sind die Slogans ja wie gemacht für die Schulhöfe dieser Welt, aber eine Formation, die nun auch schon mehr als zehn Jahre im Geschäft ist, sollte dann doch schon eine Stufe weiter sein.
Die Texte sind bemüht komisch und bisweilen recht grenzwertig. „Ich und mein Computer“ ist dann beim ersten Durchgang sogar noch recht witzig, nervt aber spätestens in der zweiten Runde mit einer furchtbaren Mischung aus Captain Future-Titelmelodie und Kraftwerk-Anleihen. Tja, so rauschen große Teile des Albums an mir vorbei. Da, wo die letzte Scheibe noch irgendwie als innovativ durchging, klingt „Arbeit Nervt“ nur nach Wiederholung und einem lauen Aufguss. Ausgerechnet die Songs, die eben nicht so bemüht auf witzig getrimmt sind und mit einer Art Gesangslinie aufwarten, wissen zu gefallen. „Luftbahn“ wäre auch schon von Peter Schilling nur leidlich spannend gewesen, aber hier ist dies eine wohltuende Auflockerung und Abwechslung. Danach geht es dann allerdings mit „Metro“ wieder auf die Tanzfläche und in den Technotempel. „Gut dabei“ basiert auf einem Sample von Gary Glitter, ist insgesamt aber nur leidlich spannend und spätestens hier fragt man sich dann doch, was uns der Künstler hier sagen möchte.
Fazit: „Arbeit Nervt“ macht alle glücklich, die mit dem letzten Album von Deichkind schon eine Menge Spaß hatten. Alle anderen sollten tunlichst ihre Finger von der Scheibe lassen. Was beim flüchtigen, ersten Durchlauf noch als Witz verstanden werden kann, nervt spätestens bei der zweiten Runde. Vielleicht muss man einfach anders gepolt sein, um dieses Werk zu verstehen. Hört die Signale? Bei mir sind sie jedenfalls nicht angekommen…