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Deborah Harry: Necessary Evil

(Eleven Seven (Universal))

Autor: schlimm / Wertung: 8 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

 

Deborah Harry Necessary EvilDeborah Harry ist zurück! War sie denn überhaupt jemals weg? Natürlich nicht. Es sind nur schon wieder gut und gerne vierzehn Jahre seit ihrem letzten Soloalbum „Debravation“ ins Land gezogen. In der Zwischenzeit war sie als Schauspielerin tätig und hat mit einer gewissen Band namens Blondie für Furore gesorgt. Zusätzlich war sie für die Modewelt immer noch Inspirationsquelle und Stilikone. Die mittlerweile 62jährige hatte also genug um die Ohren. Ihre Fans werden jetzt aber auch nicht mal eben im Vorbeigehen mit ein paar Songs abgefertigt, nein, „Necessary Evil“ hat doch glatt derer 17, in Worten siebzehn, zu bieten. Der geneigte Fan bekommt also viel Material, da dürften unzählige Stunden gerettet sein.

Mitgewirkt an dem Album haben selbstverständlich wieder eine handvoll Leute. Klar, wenn Debbie Harry ruft, nimmt man sich ja auch nichts anderes vor. Vom New Yorker Produzententeam Super Buddha bis hin zu Chris Stein reicht die Palette. Die Kontrolle lag allerdings immer bei der Künstlerin. So hat sie dann auch direkt mal die Foto-Shootings, das Styling, den Videodreh zur Single in Manhattans Lower East Side und das Coverartwork selber in die Hand genommen. Dieses hat sie auch direkt per Selbstportraits gestaltet. „Necessary Evil“ ist damit voll und ganz das künstlerische Baby von Deborah Harry.

Und künstlerisch ist die Scheibe auf jeden Fall. Die siebzehn Tracks sind nämlich ein bunter Gemischtwarenladen. Hier ist so gut wie alles vertreten, was man heute wohl landläufig als zeitgenössische Popmusik bezeichnet. Das Album startet mit der Single „Two Times Blue“ fast konventionell im bewährten Blondie Stil und erinnert sogar stark an „Maria“. Trotzdem ein schöner Einstieg und eine sehr gefällige Popnummer. Danach wird es aber schon vertrackter. Bei „School For Scandal“ steht die Stimme noch mehr im Vordergrund und zum Refrain hin geht die Nummer sogar richtig gut ab. Der Song braucht sich hinter vielen ihrer angesagten jungen Kolleginnen sicher nicht verstecken. „If I Had You“ ist eine astreine Ballade, die man so sicher demnächst im Radio hören darf. Hat alles um ein Hit zu werden, somit leider auch keine Ecken und Kanten. Da ist „Deep End“ schon etwas besser und gefällt in den Strophen mit einer minimalistischen Instrumentierung und einer düster angehauchten Atmosphäre. Der Refrain ist dann leider wieder Standardkost, wird allerdings von dieser einzigartigen Stimme gerettet. „Love With A Vengeance“ wartet mit allerlei elektronisch angehauchten Spielereien auf, dazu noch diese sexy Stimme und fertig ist eine unkonventionelle Popnummer. „Necessary Evil“ rockt! Durch den fast schon gesprochenen Text verleiht Frau Harry dem Song eine ganz spezielle Stimmung, die mit dem elektronischen Zwischenspiel „Charm Redux“ ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. „You’re Too Hot“ erinnert fast schon an eine Indieband im Stile von The Gossip. Auch wenn der Text mit „Don´t touch me, you´re too hot“ fast wie ein Mantra wiederholt wird und mit seinen Uh-Ah Chören dies noch unterstützt, ist das insgesamt ein ziemliches Brett von einem Song. Wo andere so langsam zum Ende einer Platte kommen, wird mit „Dirty And Deep“ lediglich die erste Hälfte beendet. Sehr gefällige Popnummer, nach der sich wahrscheinlich auch eine Gwen Stefani, Madonna oder Kylie Minouge die Finger lecken würden.

„What Is Love“ ist im Balladengewand verpackt und mit seinen billigen Computersounds ziemlich missglückt. Zum Glück wird es dann mit „Whiteout“ wieder eine Spur zackiger, erinnert insgesamt sehr stark an P!ink. „Needless To Say“ ist leider dann schon wieder eine sehr langsame Nummer, diesmal eher im klassischen Songgewand. Belanglos und langweilig plätschert das Dingen so dahin, lediglich die Stimme rettet hier noch ein wenig, was eigentlich schon nicht mehr zu retten war. „Heat Of The Moment“ ist zweiminütiger, fast schon esoterischer Quatsch. Solche Zwischenspiele hätte sich Deborah Harry besser geschenkt. So wird der bisherige positive Gesamteindruck nämlich langsam getrübt. „Charm Alarm“ ist zwar jetzt auch kein Quell der Inspiration, auch wenn hier Guy Furrow beteiligt ist, kann aber trotzdem punkten. „Jen Jen“ geht noch weiter in die experimentelle Richtung, erinnert bisweilen sogar an Depeche Mode. „Naked Eye“ schlägt wieder mehr die Blondie-Richtung ein bevor das Album dann mit „Paradise“ in Easy-Listening Gefilden ausklingt.

Fazit: „Necessary Evil“ ist wahrlich kein schlechtes Album. Allerdings hätte es dem Gesamtwerk gut getan, wenn hier der ein oder andere verzichtbare Track gefehlt hätte. Weniger ist manchmal halt doch mehr! Insgesamt gesehen fällt das Album nach hinten raus auch deutlich ab, allerdings hat es in der ersten Hälfte auch ein paar richtige Knaller zu bieten. Deborah Harry hat somit im aktuellen Musikgeschehen jedenfalls immer noch ein gewaltiges Wörtchen mitzureden und wenn man die Skip-Taste zu nutzen weiß, dann erwartet einen sogar ein ganz formidables Werk!

 http://www.deborahharry.com/

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