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Death Cab For Cutie: Narrow Stairs Tipp
(Atlantic/Warner)


Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Death Cab For Cutie sind eine ungewöhnliche Band, die noch ungewöhnlichere Musik machte, so zumindest der Status Quo. Mit dem neuen, sechsten Album "Narrow Stairs" werden sie das alles über den Haufen werfen. Jetzt sind sie nicht nur eine ungewöhnliche Band, sondern auch noch nahe dran am Wahnsinn. Was sie hier vertont haben spottet jeder Beschreibung. „Narrow Stairs“ raubt einem schier den Atem. „Narrow Stairs“ lässt den Hörer bisweilen ungläubig auf die Anlage schauen. „Narrow Stairs“ wird noch lange nachhallen.

Dabei muss die Band keinem mehr was beweisen. Längst sind sie in den USA von Indiehelden zu Rockstars aufgestiegen. Auf „Narrow Stairs“ gehen sie allerdings nicht den Weg des geringsten Widerstands. Sie machen es sich auch nicht besonders leicht und liefern ein zuckersüßes und leicht zugängliches Album ab. Ecken und Kanten wurden nicht abgeschliffen, sondern sind überall offensichtlich zu finden.

Schon der Albumopener „Bixby Canyon Bridge“ haut dem Hörer zum Schluss eine schöne Feedbackorgie um die Ohren. Dies ist aber nur der Vorbote für die erste Single. "I Will Possess Your Heart“ ist für die Musikindustrie sicher eine mittelgroße Katastrophe. Nicht etwa, weil der Song schlecht wäre, nein, er passt schlicht in kein Format. Die Nummer dauert mal eben über 8 Minuten. Die ersten vier Minuten basieren allerdings auf einem Bassriff, welches Unterstützung von Klavier- und Gitarrenimprovisationen erhält. Diese vier Minuten bauen den Song ganz langsam auf, bis überhaupt mal der Gesang einsetzt. Wer dann einen Refrain erwartet, der wird diesen dann vergeblich suchen. Und so langweilig sich das erstmal liest, umso spannender ist diese kleine Indiekeule. Immer und immer wieder wird man diesen einen Track abspielen und versuchen zu verstehen. Zu verstehen, welcher Teufel Death Cab For Cutie hier geritten hat. Vielleicht bekommt man noch die Erleuchtung, vielleicht auch nicht, nur entziehen kann man sich diesem Brocken nicht. Schon alleine dafür hat „Narrow Stairs“ seine Daseinsberechtigung.

„No Sunlight“ macht es dem Hörer dann allerdings etwas leichter. Eine wunderbare Indiepopnummer par Excellanze. Auch „Cath…“ ist einfach nur bezaubernd, irgendwo angesiedelt zwischen Bright Eyes, Wilco und Pavement. Und wem bei „Talking Bird“ nicht das Herz aufgeht, der muss einfach ein solches aus Stein haben. Die Instrumentierung ist im Grunde simpel und dann doch so wirkungsvoll. Die Gitarren werden dezent eingesetzt, die Drums sind eher monoton und der Basslauf langsam, dazu diese zuckersüße Stimme – und doch passt alles wunderbar zusammen und verbreitet in der Summe eine großartige Stimmung. Selbst eine musikalische Skizze wie „You Can Do Better Than Me“, irgendwo im Beach Boys Gewand, fügt sich wunderbar im Gesamtsound der Platte ein. „Grapevine Fires“ überzeugt mit verträumten Pianoklängen, die den Zuhörer sofort an und in der Seele berühren. „Your New Twin Sized Bed“ ist zwar eine gute Nummer, aber insgesamt fast etwas beliebig. Im Grunde ist „Narrow Stairs“ ein Gitarrenalbum. Auch wenn dies nicht sofort offensichtlich und präsent ist, sind Songs vom Schlage „Long Division“ und „Pity and Fear“ nichts anderes. Zum Abschluss gibt es mit „The Ice Is Getting Thinner“ eine wunderschöne Ballade auf die Ohren.

Fazit: „Narrow Stairs“ wird die Lager wieder spalten. Für die einen wird es das beste Album der Karriere von Death Cab For Cutie sein, für die anderen den Karriereknick darstellen. Im Grunde kann man sich bei Death Cab For Cutie nur bedanken, dass sie auf sämtliche Gesetze des Musikgeschäfts pfeifen und ihr Ding durchziehen. Erstaunlich daran ist, dass sie sich zwar in einem Song verlieren können, den Song selber aber nie aus den Augen verlieren. Egal, ob eine Nummer nun über 8 Minuten dauert oder unter der Grenze von 2 Minuten bleibt. Zudem ist das Werk fast zu jeder Sekunde äußerst spannend, inspirierend und mit einem enormen innovativen Potenzial versehen. „Narrow Stairs“ ist eine beachtliches Album, welches den Indiesektor bereichert, wie schon lange keine andere Scheibe mehr. Danke, Danke, Danke!

Albumseite inkl. Prelistening & Video:

http://www.prelistenings.de/narrow-stairs

Tourdates sind auch wie folgt bestätigt:

9. Juli – Köln – Live Music Hall
11. Juli – Berlin – Kesselhaus
12. Juli – Hamburg – Grosse Freiheit

www.deathcabforcutie.com

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