David Bowie ist ja als umtriebiger Geschäftsmann bekannt. Es ist umso erstaunlicher, dass das Konzert vom 20. Oktober 72 nun erst offiziell auf den Markt kommt. Das Konzert darf man durchaus als legendär bezeichnen und es wurde dementsprechend oft als billiges Bootleg aufgelegt. Die Geschichte wurde zwar mitgeschnitten und auch im Radio ausgestrahlt und trotzdem waren die lieblosen Zusammenstellungen bisher ein einziges Ärgernis. Es gab zwar so was wie eine halboffizielle Veröffentlichung im Jahre 94, aber erst jetzt kommt das Ereignis auch zu den angemessen Ehren, die es verdient.
Bowie erlebte im Jahre 72 gerade den internationalen Durchbruch, was nicht zuletzt an seinem Meilenstein „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“ lag. Im Anschluss daran startete er seine erste US-Tour. Bowie erschuf nicht nur seine Kunstfigur schlechthin, sondern war auch musikalisch in aller Munde. Die Scheibe und die dazugehörige Tour legten den Grundstein für das Denkmal David Bowie. Umso schöner, dass es nun endlich ein musikalisches Ausrufezeichen des Livekünstlers dieser Zeit gibt!
Dieses Zeitdokument der Ziggymania sollte unbedingt in der Special Edition den Weg in das heimische CD-Regal finden. Die Aufmachung ist dem Anlass entsprechend sehr edel geraten. Ein stabiler Pappkarton mit aufgeklebter Eintrittskarte hält nicht nur die CD in schicker Papphülle bereit, sondern erfreut den Fan auch noch mit einiger netter zusätzlicher Gimmicks. Das Booklet punktet mit allerlei Informationen und ist sehr nett umgesetzt worden. Vier Fotos in S/W-Optik und ein ausklappbares reproduziertes Review, welches seinerzeit der Los Angeles Times beilag, ist hier ebenfalls enthalten. Da dürften keine Wünsche offen bleiben und in Zeiten liebloser und gesichtloser CD-Gestaltungen ragt dieses Paket aus der breiten Masse eindrucksvoll heraus.
Die schönste Verpackung hilft natürlich nicht, wenn der eigentliche Inhalte, die Musik, da nicht Schritt halten kann. Es dürfte fast unnötig zu erwähnen sein, dass hier knapp 75 Minuten natürlich über jeden Zweifel erhaben sind. Ist der Auftakt mit „Hang On To Yourself“ noch etwas hölzern, steigert sich Bowie und seine Band mit zunehmendem Verlauf in beeindruckende musikalische Sphären! Dies ist auch ein Verdienst von Mick Ronson, der sich nicht nur in Höchstform präsentiert, sondern den kongenialen Gegenpart zu Bowie bildet. Die Band ist eine dynamische Einheit, die den Songs live noch mehr Würze verleiht. Höhepunkt auf Höhepunkt folgt. „Ziggy Stardust“ und besonders „Changes“ haben mehr Schmiss und Schmackes als auf Platte. Auch Bowie ist absolut auf der Höhe und zeigt seine stimmlichen Qualitäten in dem damals frischen und auch heute noch beeindruckenden „Life On Mars?“. Deutlich kommt auch hier die verbessertet Klangqualität zum Vorschein und gibt diesem formidablen Konzert auch für die heimische Anlage den richtigen Kick! Beeindruckend ist auch die Dichte an großartigen Songs. Höhepunkte zu nennen fällt da umso schwerer, da dies im Grunde ein 75minütiger Höhepunkt ist. Die Intensität von „Space Oddity“ und deren Umsetzung erzeugt beim Zuhörer eine dicke Gänsehaut. Die feinen Nuancen von „Andy Warhol“ kommen im Akustikgewand so ebenfalls voll zur Geltung. Aber auch im Rockgewand von „Queen Bitch“ sind Bowie und seine Band eine perfekt abgestimmte Einheit. „Waiting For The Man“ von The Velvet Underground und das rockige „The Jean Genie“ überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie.
Fazit: David Bowie hat auf Albumlänge schon oft seine Extraklasse bewiesen. Der Livekünstler und –Musiker war aber ebenfalls ein Ereignis. Umso schöner, dass nun endlich, endlich das Santa Monica Konzert aus dem Jahre 72 in entsprechend guter Qualität vorliegt. Eine Bereicherung für jede Musiksammlung und für jede Bowie-Sammlung im Speziellen!