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Dave Gahan: Hourglass

(Mute (EMI))

Autor: schlimm / Wertung: 7,5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Dave Gahan HourglassDave Gahan scheint mit seinem Soloalbum „Paper Monsters“ so viel Selbstvertrauen getankt zu haben, dass er nun anscheinend Pausen von Depeche Mode (immer?) nutzt und auf Solopfaden wandelt. Sein Solodebüt hat die Welt zwar nicht aus den Angeln gehoben, hatte aber durchaus seine Momente und so wartet die treue Anhängerschaft und der interessierte Musikhörer doch recht gespannt auf den zweiten Sologehversuch.

Der liegt nun mit „Hourglass“ vor. Auch wenn das Werk in Rekordzeit von nur acht Wochen in seinem New Yorker Studio produziert wurde, klingt es wesentlich reifer und ausgefeilter als das Debütalbum. Unter die Arme gegriffen haben ihm übrigens Depeche Modes Tourdrummer Christian Eigner und Programmer Andrew Phillpott. Thematisch dreht es sich hier um das Älterwerden und die Auseinandersetzung mit dem Tod. Themen also, bei denen sich Dave Gahan bestens auskennt. Musikalisch fällt auf, dass die Scheibe wesentlich elektronischer geworden ist als das Erstlingswerk.

Der Albumopener dürfte so ziemlich alle Anhänger zufrieden stellen. „Saw Something“ beginnt sehr langsam, steigert sich aber immer mehr und baut sich sehr atmosphärisch auf. „Kingdom“ hat alles was eine Single braucht. Eingängige Nummer, mit schönem Refrain und insgesamt sicher sehr, sehr nah an der Hauptband. In den Strophen weiß Gahan mit etwas mehr Dreck und Rotz in der Stimme zu überzeugen. „Deeper And Deeper“ ist eine Hammernummer. Schon alleine, weil das Dingen schlicht und ergreifend die Lager spalten wird. Entweder man mag diese außergewöhnliche und überraschende Nummer oder man hasst sie – dazwischen gibt es nix. Schnell, aggressiv, böse und schmutzig schält sich der Track aus den Boxen. Hier kommen einem schon fast Assoziationen zu einem Marilyn Manson. Mit seiner Gesangsinterpretation dürfte Mr. Gahan jedenfalls auch für eine Überraschung gesorgt haben. Danach wird der Spannungsbogen allerdings nicht hoch gehalten. Mit „21 Days“ schließt sich ein gemächlicher Song an, der hier und da Gospelanleihen auffährt. Insgesamt ein sehr minimalistisches Stück, welches durch die markante Stimme getragen wird. Anschließend fällt das Album mit „Miracles“ in die völlige Langeweile ab. Hier passiert absolut nichts, plätschert von Anfang bis Ende nur so vor sich hin – schwach.

Zum Glück geht es mit „Use You“ gefällig in die zweite Albumhälfte. Die Strophen sind zwar recht belanglos, dafür haut Gahan im Refrain schön auf den Putz. Insgesamt erinnert die Nummer entfernt an „I Feel You“. „Insoluble“ mit seinen verspielten Elektrosounds ist wieder sehr ruhig geraten und nur unweigerlich besser als „Miracles“ und schleppt sich eher mehr, als weniger bis zum Ende nur so dahin. Gahan ist immer dann gut, wenn er das Tempo etwas anzieht. „Endless“ ist zwar jetzt nicht die schnelle Beatnummer, hat mit seinen verspielten Sounds und seinem pumpenden Beat aber durchaus das Zeug ein Tanzflächenfüller zu werden. Fast tranceartig baut sich das Stück auf, dazu ein Dave Gahan mit ordentlich Sex in der Stimme und fertig ist eine großartige Nummer. „A Little Lie“ fängt an wie „Take My Breath Away“ von Berlin, entwickelt sich dann zu einem Song aus dem Depeche Mode Baukasten. Der Refrain reißt hier aber noch einiges raus und macht doch noch einen recht gefälligen Track daraus. Kann man sich sicher öfter geben, hat alles, was der DM-Fan braucht. Mit „Down“ gibt es dann einen sehr schönen Albumabschluss, der in gewisser Weise mit dem Opener eine Einheit bildet und das gesamte Werk so sehr schön einbettet.

Fazit: Mit „Hourglass“ ist Dave Gahan ein fast gänzlich anderes Album wie „Paper Monsters“ gelungen. Auch wenn Fans jetzt schon wieder Tränen der Glücksseeligkeit vergießen, das Album ist ebenso wenig ein Meisterwerk, wie es Mist ist. Gahan ist eine absolut hörenswerte Scheibe gelungen, die ihre Schwachstellen hat, aber auch sehr oft zu überzeugen weiß. In dieser Verfassung darf der Mann gerne weiter auf Solopfaden wandeln!

http://www.davegahan.com/

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