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Dashboard Confessional: Dusk And Summer Tipp

(Interscope (Universal))

Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Dashboard Confessional Dusk And SummerChris Carraba ist Dashboard Confessional und Dashboard Confessional ist Chris Carraba – nicht mehr und nicht weniger. Gab es bisher viele Unplugged-Aufnahmen oder Gitarrensongs, die gerne in die Emo-Schublade gesteckt wurden, so ist „Dusk And Summer“ nun ein richtiges Bandalbum, auch wenn Mr. Carraba natürlich Hirn und Herz in einer Person ist. Fans dürften trotzdem auf ihre Kosten kommen! Es ist nicht alles anders, aber der Vierer hat ganze Arbeit geleistet. Natürlich wird es auch hier wieder Nörgler geben und früher war ja bekanntlich alles besser und überhaupt ist nichts mehr wie es mal war und nun sind natürlich Dashboard Confessional auch auf dem absteigenden Ast - geschenkt! Mit „Dusk And Summer“ liegt hier ein Album im CD-Spieler, welches für den Schreiber dieser Zeile auf alle Fälle zu den schönsten Popalben des Jahres gehört. Ja, Emotionen werden hier jede Menge bedient und freigesetzt, von daher kann man da auch gerne wieder die Emo-Keule schwingen. Ist im Grunde aber auch völlig egal, gute Musik bleibt gute Musik und Schubladendenken führt meistens sowieso in eine Sackgasse. Es stellt sich allerdings die Frage, warum die Scheibe jetzt erst bei uns veröffentlicht wird?! Über dem großen Teich ist das Dingen nun schon seit einem Jahr raus. Fans dürften die Scheibe jedenfalls per Import erworben und längst im Schrank stehen haben. Nun denn, Hauptsache „Dusk And Summer“ erscheint überhaupt bei uns.

Und natürlich gibt es auch für die Fans wieder den obligatorischen Kaufanreiz. Die Schmachtballade „Stolen“ findet sich nämlich auch in einer zweiten Version bei uns auf dem Silberling wieder. Nun wird der Track als Duett vorgetragen und Chris Carraba wählte dazu die Sängerin Eva Briegel und ihre Band aus. Eva wer? Klingelingeling – genau, die Eva und genau, die Band Juli. Carraba wusste nach eigener Aussage gar nicht, wer Juli waren und wie bekannt die bei uns sind. Dafür kriegt er natürlich auch wieder Prügel, aber recht hat er, wenn ihn die Mainstreamvorwürfe kalt lassen. Im Übrigen gewinnt „Stolen“ so sogar noch mal an Intensität und die Stimme von Eva (langjähriger Fan von Dashboard Confessional) passt hervorragend.

Die weiteren neun Songs sind wohl konzipiert für die ganz großen Arenen dieser Welt. Die ein oder andere Hymne findet sich jedenfalls hier wieder, die Produktion von Don Gilmore und Daniel Lanois passt da nur zu gut ins Bild. Und nein, das ist überhaupt nicht negativ gemeint, hier sitzt alles, hat Platz und die nötige Luft zum atmen. Kleinode, die trotzdem die ganz großen Gesten nicht scheuen, Melodien, die sich im Ohr festsetzen und begeistern.

Schon der rockige Einstieg mit „Don´t Wait“ und „Reason To Believe“ versteht es den Hörer aufhorchen zu lassen und ist mitreißend in jeglicher Hinsicht. „The Secret´s In The Telling“ besticht in den Strophen mit einer poppigen Melodie, packt zum Refrain hin aber wieder diesen unwiderstehlichen und emotionalen Gesang aus. „Rooftops And Invitations“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, ist insgesamt aber einen Ticken druckvoller. Danach wird es ruhiger. „So Long, So Long“ wird in erster Linie von Piano und Violine getragen. Die Wahl des Duettpartners mit Adam Duritz hätte auch nicht besser ausfallen können, würde sich das Stück doch auch gut im Gesamtwerk seiner Counting Crows machen.

Die zweite Albumhälfte startet dann mit „Currents“ vergleichsweise gemächlich und ist irgendwo im Midtempobereich angesiedelt. Bevor es aber allzu kitschig wird kriegen Dashboard Confessional noch mal die Kurve und spätestens im Refrain wird alles gut. Den vielleicht schwächsten Track gibt es danach mit „Slow Decay“, erinnert entfernt an Life Of Agony. Wobei „schwächster“ unter vielen sehr guten bis herausragenden Songs ja immer noch gut bedeutet. Entspannt kommt der Titeltrack „Dusk And Summer“ um die Ecke und bietet etwas Zeit zum Durchatmen und um die Gedanken schweifen zu lassen. Sehr schöner Akustiksong. Danach schält sich „Heaven Here“ langsam aus den Boxen und türmt sich zu einem wahren Monster auf, ohne dabei brachial zu werden – auch eine Kunst.

Fazit: Chris Carraba haben nach eigener Aussage Tom Petty, Bruce Springsteen, Neil Young und Pearl Jam besonders beeindruckt und beeinflusst. Die Tour mit U2 im Jahre 2005 scheint allerdings auch ihre Spuren hinterlassen zu haben. „Dusk And Summer“ hört sich unter der Oberfläche doch verdammt an vielen Ecken an wie die vier Iren – jedenfalls scheint deren Einfluss nicht zu leugnen zu sein. Insgesamt ist die Scheibe mitreißend und begeisternd, vom Gesang über die Instrumentierung bis zur Produktion. So soll es sein, ich habe zu danken und verneige mich mit 11 emotionalen Punkten!

http://www.dashboardconfessional.com/

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