Daniel Stoyanov? Nie gehört? Keine Angst, das könnte sich bald ändern. Mit „Draußen vor der Tür“ legt der 21jährige nun sein Debütalbum vor und den ein oder anderen Song davon dürfte man mit ziemlich großer Sicherheit auch demnächst im Radio hören. Die Eckdaten des jungen Künstlers lesen sich wie sie die Drehbuchschreiber der Traumfabrik nicht besser hätten erfinden können. Geboren wurde Stoyanov als Sohn einer Künstlerfamilie in Sofia. 1990 kam er nach Deutschland. Die schauspielernden Eltern konnten ihren Beruf hier nicht ausüben und mussten fortan die Familie anderweitig über Wasser halten. Der kleine Daniel bekam von beiden natürlich sämtliche Unterstützung bei seinen Gesangesversuchen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass er sich dann bei einer der üblich verdächtigen Castingshows beworben hat. Hat er aber nicht. Nein, Daniel Stoyanov schickte mit 18 Jahren ein Videotape an die Naidoo-Herberger Produktion. Kurze Zeit später steht er mit Xavier Naidoo in der Gesangeskabine und darf beim Refrain von „Was wird mich erwarten“ mitträllern.
Es kommt nicht von ungefähr, dass sich Stoyanov ausgerechnet Naidoo ausgesucht hat. Selbst, wenn man von dieser Verbindung nichts wüsste, hört man den 62 Minuten von „Draußen vor der Tür“ mehr als deutlich an, wen Stoyanov als Vorbild hat. Man könnte Wetten abschließen, dass viele Menschen z.B. „Wenn Du“ als einen Song von Xavier Naidoo ansehen würden. Ein guter Song übrigens. Folgerichtig hat dieser im Übrigen bei „Warum Bist Du Bei der Polizei“ auch direkt mitgewirkt. Manche Momente erinnern dann noch an Laith Al-Deen mit einem Tupfer Roger Cicero und fertig ist das Album. Ach ja, die Pseudo-Sprechgesang Einlagen rufen Erinnerungen an die Jazzkantine ins Gedächtnis zurück. Die besten Momente hat die Scheibe immer dann, wenn Stoyanov mit einer Ernsthaftig- und Glaubwürdigkeit Nummern wie „Weit Weg“ und das schon genannte „Wenn Du“ vorträgt. Auch ein Song wie „Flügel“ macht bisweilen Spaß und ist von der musikalischen Instrumentierung sogar recht gut gelungen und spannend umgesetzt. Auszusetzen gibt es hier eigentlich wenig bis nichts. Allerdings plätschern manche Nummern auch nur so vor sich hin und über die gesamte Länge eines Albums stellt sich doch eine gewisse Langatmigkeit ein. Der „Nachtzug“ rauscht so an einem vorbei, „Nachtwandel“ nervt sogar. Da sind nette Tracks wie „Evolution“ und „Alle Zu Mama“ sehr willkommen, bevor mit „Wolken“ im Stile eines Xavier Naidoo wieder zuviel gejammert wird.
Fazit: Schön zu sehen, dass Daniel Stoyanov seine Texte und seine Musik selber schreibt. Singen kann der Kerl im Übrigen auch, gar keine Frage. Die ein oder andere sehr nette und gelungene musikalische und textliche Idee hat er auf jeden Fall auch zu bieten. Wenn dann beim nächsten Mal die Durchhänger geringer ausfallen und die eigene Identität noch deutlicher zum Vorschein kommt, dann wird man auch in Zukunft von Daniel Stoyanov hören. Freunde der Musik von Xavier Naidoo und Laith Al-Deen sollten „Draußen vor der Tür“ auf jeden Fall antesten!