Tingeln als Musiker durch kleine Bars und Clubs, spielen auf und an Marktplätzen und Straßenecken ist manchmal die beste Schule für das harte Leben im Musikgeschäft. Man lernt nicht nur sich durchzubeißen, sondern weiß auch, dass der Erfolg nicht unbedingt vom Himmel fällt und manchmal harte Arbeit ist. Zudem scheinen Musiker, die diesen Weg gegangen sind, extrem geerdet zu sein. Einer dieser immer selten werdenden Spezies ist Cris Cosmo.
Es selber bezeichnet Straßenmusik als „Schlüssel zur Welt“. In seinem Fall hat er mit dieser Einschätzung definitiv den Nagel auf den Kopf getroffen. In der Ferne lernte er seine Wurzeln zu schätzen und kehrt nun zurück. Im Gepäck hat er sein Album „Sandkorn“. Mit 22 Tracks ist das Werk, welches auf seinem eigenen Label „Musik Für die Bewegung“ erscheint, auf den ersten Blick recht üppig ausgefallen. Cris interviewte bei seinen Reisen nach Brasilien viele Menschen und schnitt diese außergewöhnliche Atmosphäre und Musik mit. Eine Auswahl davon verbindet nun die 14 Stücke auf dem Album. Die Scheibe durchweht so ein besonderer Charme!
„Sandkorn“ passt natürlich perfekt zur Jahreszeit und den momentan vorherrschenden schwülwarmen Temperaturen. Sommer in Deutschland, Cris Cosmo im CD-Player – das passt! Alles hier klingt nach Sommer, Sonne, Sonnenschein. Das Album für den Urlaub in warmen Sommergefilden ist somit gefunden. Die Songs selber wurden hauptsächlich mit Akustikgitarren und dem entsprechenden Gesang aufgenommen. Durch den Einsatz von Bläsern und brasilianischer Percussion bekommt die Scheibe dieses schöne Sommergefühl verpasst. Trotz aller guter Laune, ist das Album alles andere als in seichten, nichts sagenden Popgefilden angesiedelt. „Sandkorn“ hat Herz und Seele zu bieten. Zudem ist Cris Cosmo ein guter Musiker und Texter und scheut auch nicht vor der deutschen Sprache zurück. Wo andere sich in Peinlichkeiten ergehen, schafft er es eine luftig leichte Atmosphäre zu verbreiten. Eine, auf den ersten Blick, simple Nummer wie „Ich liebe Dich dafür“ ist von der musikalischen bis textlichen Umsetzung einfach wunderbar auf den Punkt gebracht. Großartig! Wer gerne das Tanzbein schwingt, kommt bei einem Groover vom Schlage „Minha Menina“ voll auf seine Kosten. Auch die balladesken Momente von „Unik“ stehen Cris Cosmo gut zur Gesicht und selbst die Moloko-Coverversion von „The Time Is Now“, hier mit portugiesischem Text „Abra seu Coracao“ betitelt, ist sehr gut umgesetzt worden.
Fazit: „Sandkorn“ ist ein wunderbares Sommeralbum geworden, welches jenseits aller Peinlichkeitsgrenzen angesiedelt ist. Cris Cosmo schafft sich in Deutschland so eine ganz eigene Nische. Hoffentlich hält der Sommer noch lange vor, denn dieses Album soll noch an ganz viel heißen Tagen, wie auch lauen Sommernächten auf Dauerrotation laufen. Und wer mag, holt sich auch in den kalten Tagen ein Stückchen Sonnenschein mittels „Sandkorn“ in die heimischen vier Wände!