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Courtney Love: Dirty Blonde – Die Tagebücher

(Kiepenheuer & Witsch)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Wenn es eine Frau geschafft hat sich so ziemlich den kompletten Hass einer Fangemeinde zu sichern, dann ist es sicherlich diese. Nein, die Rede ist nicht von Yoko Ono, obwohl der Vergleich gerne genommen wird, sondern von Courtney Love. Ihr ganzes Tun und Handeln hat die Menschen immer polarisiert, nur Gleichgültigkeit gab es selten. Sie wird als heilige Schlampe des Rock and Roll bezeichnet, sie ist immer mal wieder Stilikone, Schauspielerin und eine Person des öffentlichen Interesses. Im Gegensatz zu den ganzen „It-Girls“ kann Frau Love aber doch auch auf die ein oder andere künstlerisch wertvolle Arbeit verweisen und zurückblicken, auch wenn viele das sicher gerne vergessen (wollen).

Wer und was Courtney Love ist, können wir ja fast tagtäglich der Regenbogenpresse entnehmen, doch wie tickt sie wirklich? Wer ist der Mensch hinter der Fassade? Hat die Öffentlichkeit vielleicht ein ganz falsches Bild von ihr? Fragen, die eigentlich nur ein Mensch beantworten könnte: Courtney Love selber. Was ist da besser geeignet als eine Biografie oder gar ein Tagebuch? Mit „Dirty Blonde“ hat sie nun auszugsweise ihre Tagebücher in einem Band zusammengefasst. Geführt hat sie diese seit frühester Kindheit, was ein ziemlich komplettes Bild ergeben dürfte.

Es gibt Künstler, da ist deren eigentliche Arbeit eher sekundär, da lohnt sich eine Anschaffung der Biografie oder Tagebücher auch ohne dass man den kompletten Backkatalog im Schrank stehen hat. Oder sind etwa alle Leser von dem kurzweiligen und sehr, sehr unterhaltsamen „The Dirt“ von und über Mötley Crüe Fans selbiger Band? Eben! So darf der interessierte Leser von „Dirty Blonde“ auch gerne Courtney Love neutral gegenüberstehen.

Das erste was einem bei diesem über 300 Seiten starken Band auffällt ist neben dem markanten Cover die liebevolle Gestaltung. So beginnt man nicht sofort mit der Lektüre des Buches, sondern blättert vor, zurück, bleibt mal hier hängen, mal da und ehe man sich versieht ist man schon mittendrin im Kosmos dieser Frau. Viele Bilder gibt es hier zu bewundern – aus fast allen Lebensphasen. Egal ob Fotos als Kind, mit ihrer Familie, ihrer Band, ihrem Mann oder Tochter, vieles dürfte bisher noch unveröffentlicht gewesen sein. Dazu gesellen sich dann handgeschriebene Notizen, jede Menge Zeichnungen, Songtexte und sonstige Gedanken, alles vom original Material abgelichtet. Diese Aufmachung wird einen immer wieder in dem Buch schmökern lassen, ein absoluter Pluspunkt, dass man hier an kein festes Korsett gebunden ist.

Natürlich gibt es aber auch allerlei Lesestoff. Lediglich vier Jahre aus dem Leben der Courtney Love fehlen hier. Nach eigener Aussage hat sie diese wirren Aufzeichnungen nicht mit aufgenommen, da sie diese Jahre mit massiven Drogenproblemen zu kämpfen hatte und dementsprechend derangiert war. Die Schulzeit findet sich hier reichlich repräsentiert wieder und schon hier wird deutlich, dass sie auch als kleines Mädchen sicher alles andere als einfach war. Vom Mädcheninternat bis hin zu staatlichen Fürsorgeeinrichtungen ist alles dabei. Enthalten sind aber nicht nur die Gedanken von Courtney, sondern auch Schriftstücke wie z.B. vom Jugendamt. So erhält der Leser schon einen detaillierten Einblick, der auch von zwei Seiten beleuchtet wird. Was für die weitere Lektüre des Buches unbedingt erforderlich ist, dass man immer wieder im hinteren Teil die Anmerkungen und die Chronologie nachliest, sonst steht man nämlich schwer auf dem Schlauch, da die Kommentierung ansonsten eher spärlich ist und man etwas den Überblick verliert. Da hier auch persönlich Briefe enthalten sind, kann man natürlich nur schwerlich erahnen, dass ein Brief an eine gewisse Chrissie, die Sängerin der Pretenders meint. Ebenso erklären sich so erst manche Fotos, zudem sind hier die einzelnen Daten enthalten. Dies wertet das Gesamtwerk noch mal zusätzlich auf, da so einiges Licht ins Dunkel gebracht wird. Die Entwicklung von Courtney als Schauspielerin, wie natürlich auch als Bandgründerin findet sich hier ebenso wieder. Insgesamt fällt immer wieder auf, dass es Courtney Love um Liebe und Annerkennung geht, die sie wohl erstmalig durch Kurt Cobain erfahren hat. Wer sich über diese Verbindung und die Ehe neue Erkenntnisse erhofft, der wird hier allerdings enttäuscht werden, aber das konnte man auch nicht erwarten.

Fazit: Um „Dirty Blonde“ zu lesen muss man kein Fan von Courtney Love sein, auch ist hier keine Kenntnis über ihr bisheriges Schaffen erforderlich. Nein, die Tagebücher können auch durchaus von absoluten Neulingen in der Welt von Courtney Love gelesen werden. Natürlich ist sie insgesamt so schlau und gibt hier keine Dinge preis, die die Welt nicht eh schon wusste. Aber das macht das Buch ja nicht schlechter. Die Aufmachung wertet das Werk insgesamt noch mal deutlich auf und so verbleibt ein sehr positiver Gesamteindruck. Sehr runde Sache ist das hier!

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