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Conor Oberst: dito
(Universal)


Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Und plötzlich ist es da – ein Soloalbum von Conor Oberst. Sein erstes ist es freilich nicht, da er im zarten Alter zwischen 13 und 15 Jahren schon das ein oder andere Album aufgenommen hat. Drei sind überliefert, es gibt aber auch Stimmen, die von sieben sprechen. Wie dem auch sei, der Mann lebt, liebt und denkt Musik. In jungen Jahren hat er sich zu einem der besten Singer- und Songwriter entwickelt und zählt heute schon zu den ganz außergewöhnlichen Erscheinungen im Musikgeschäft. Dass er nun eine Scheibe unter eigenem Namen und diese dann auch nicht beim Hauslabel veröffentlicht, hat einen ganz einfachen Grund: es fehlen Mike Mogis und Nate Walcott. Mittlerweile ist aus Bright Eyes eine richtige Band geworden und ohne diese beiden Mitstreiter ist es eben nur noch Conor Oberst.

Auf der anderen Seite – was heißt nur noch? Conor Oberst alleine ist immer noch ein Ereignis und auch die vorliegende Scheibe zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise, dass der Mann Musik auf höchstem Niveau vertont. Klar, man könnte auch von Stagnation sprechen und im Grunde gibt es nicht viel Neues an der musikalischen Oberst Front zu vermelden. Dies liegt aber einzig und alleine daran, dass der Mann zwei herausragende Alben und sonst nur sehr gute Scheibe mit den Bright Eyes aufgenommen hat. Stagnation auf höchstem Level also, davon können andere bestenfalls träumen.

„Conor Oberst“ unterscheidet sich nur marginal vom Oeuvre der Bright Eyes und doch steckt hier sehr viel Liebe im Detail und die textliche Tiefe ist einer erfrischenden Leichtigkeit gewichen. Musikalisch rangiert die Geschichte wieder irgendwo zwischen Singer/Songwriter, Folk, Country (mehr Nashville, denn Alt.) und natürlich einer großen Prise Americana. Die Stimme von Conor Oberst kippt zum Teil immer noch über oder wirkt brüchig und hinter jeder Ecke kann eine schräge Idee, ein verstimmtes Instrument oder eben auch mal ein Horn lauern. Oberst scheint somit nie Gefahr zu laufen sich beim Mainstream anzubiedern.

Entstanden ist die Platte übrigens in Mexiko und wurde in einem Rutsch in einem Landhaus eingespielt. Selbstverständlich hat Oberst auch hier mit der Mystic Valley Band veritable Mitstreiter im Rücken. Dieses selbst betitelte Werk wird jedenfalls den Mythos Conor Oberst nicht zerstören, sondern nur noch weiter festigen. Schon der luftig leichte halbakustische Albumeinstieg „Cape Canaveral“ macht Lust auf mehr. Spätestens beim wunderschönen „Get-Well-Cards“ ist man wieder mittendrin im Kosmos Conor Oberst. Hier ist er schon ganz nah am Genie eines Bob Dylan dran und reiht sich in die Reihe der großen Geschichtenerzähler nahtlos ein. Mit dem melancholischen „Lenders In The Temple“ hat er (abermals) einen der besten Tracks seiner Karriere aufgenommen. Getragen von Akustikgitarre und Stimme gefällt dieses Kleinod. Mit dem schmissigen „I Don’t Want to Die (In the Hospital)“ nimmt Conor Oberst den Zuhörer direkt mit in den Saloon, bevor „Eagle on a Pole“ abermals die ganz große Erzählkunst intoniert. Hier entführt einen die Band allerdings mehr auf den Highway, denn an das Lagerfeuer. Mit „NYC – Gone, Gone“ gibt es einen Stampfer in irischer Sauflied-Tradition, der nach knapp anderthalb Minuten schon wieder vorbei ist. Und der Rest der Scheibe? Großartig! „Moab“ ist einfach nur bezaubernd und wenn „Milk Thistle“ den Songreigen dann mit akustischer Gitarre und dieser markanten Stimme beendet, ist man als Zuhörer einfach nur gefangen von diesem Album.

Fazit: Vermutlich wird es Stimmen geben, die in "Conor Oberst" keine Weiterentwicklung sehen oder denen die Nähe zum Schaffen der Bright Eyes zu groß ist. Wer allerdings auf die vielen kleinen Details achtet, wird wieder verzaubert in die Welt von Conor Oberst eintauchen. Conor Oberst ist übrigens immer noch keine 30 Jahre alt – wo soll das nur hinführen? Die Magie funktioniert jedenfalls auch "solo".

http://www.conoroberst.com

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