header photo

Sound Base

Online Magazin

Classic Queen: Fotografien von Mick Rock Tipp
(Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)


Autor: schlimm / Wertung: 11 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Queen sind unverwüstlich und erfreuen sich auch heute noch allergrößter Beliebtheit und sei es auch nur durch das Musical „We Will Rock You“. Auf der anderen Seite, was heißt hier nur? Die Leute lechzen anscheinend immer noch wie verrückt nach den ganzen Hits, für die die Band stand und immer noch steht. Wie kaum eine andere Formation und Gruppe prägten sie den Glamrock der 70er Jahre. Ein fester Platz unter den Rockgrößen des 20. Jahrhunderts dürfte ihnen sicher sein.

Ich für meinen Teil muss gestehen, dass mir die Musik von Queen noch nie besonders viel gegeben hat. Klar, den ein oder anderen Titel summt man auch immer mal wieder gerne mit und wer noch nie „We Are The Champions“ mitgegrölt hat, der darf sich gerne mal melden – ich habe dies vermutlich schon öfters getan als mir lieb ist. Nein, mich hat die Musik von Queen einfach nie sonderlich berührt oder angesprochen. Umso erstaunlicher ist es, dass ich „Classic Queen“ förmlich verschlungen und aufgesogen habe.

Der vorliegende Bildband ist mal wieder so viel mehr als eben nur ein Bildband. Hier tut sich eine weitere Fundgrube aus dem Hause Mick Rock auf. Und nein, wir werden weder von Herrn Rock noch vom Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag bezahlt, die Bücher sind halt einfach unschlagbar gut! Egal ob über David Bowie/Ziggy Stardust, Syd Barrett oder nun eben Queen – allesamt unschlagbare Meisterwerke von DEM Fotografen der 70er schlechthin.

Das schöne Teil beginnt mit einem Vorwort von Jeff Hudson. Hier wird kompakt die Anfangszeit der Band geschildert und wie sie sich den Erfolg erarbeitet haben, erarbeiten mussten. Zudem zieht Hudson einige Vergleiche zu Künstlern, die ein ähnliches Feld beackerten, von Bowie, über Iggy Pop hin zu Lou Reed oder T. Rex. So wird dokumentiert, dass Queen schon immer etwas anders tickten. Mick Rock selber beschreibt natürlich das erste Treffen und wie es zur Zusammenarbeit mit den Vieren kam – letztlich überzeugte Rock die Musik.

In „Classic Queen“ gibt es selbstverständlich auch jede Menge O-Töne der Band. So kann man sich z.B. noch mal vor Augen führen, was Queen damals für einen Wirbel und Schock ausgelöst haben müssen – heute sicher unvorstellbar aber damals…oder wie Freddie Mercury selber sagte: "Als wir anfingen, trugen alle Rockbands Jeans, und plötzlich war da Freddie Mercury in einem Kleid von Zandra Rhodes mit Make-up und schwarz lackierten Fingernägeln. Das war skandalös“. Viel gelesen und gehört hat man ja auch schon vom legendären Konzert am 18. November 1973 im Imperial College in London, hier bekommt man noch mal ein paar essentielle Fakten dazu geboten.

Ebenso wird die erste Studiosession in Worten festgehalten. Rock erinnert sich an die Arbeit und wie es zu der Fotoserie kam, die mit dem königlichen Bandnamen spielte. Der Fotograf macht aus seinem Herzen auch keine Mördergrube und so darf man auch an den ein oder anderen Dingen teilhaben, die Queen nicht unbedingt immer gut wegkommen lassen. Genau dies ist es, was die schriftlichen Anmerkungen so wertvoll macht! Auch die einzelnen Kommentare und die jeweiligen Vorstellungen von John Deacon, Brian May, Roger Taylor und Freddie Mercury zeigen nicht nur kurz und prägnant welche Charaktere hinter den berühmten Rockstars steckten, nein, Rock erklärt auch wie er die Vier sah und sieht. Abgerundet wird der schriftliche Teil durch eine unverzichtbare Chronologie der Jahre 1970-1975.

Die Fotografien von Mick Rock sind natürlich mal wieder über jeden Zweifel erhaben. Insgesamt finden sich hier ca. 200 Schwarzweiß- und Farbabbildungen wieder. Der überwiegende Teil ist meist im Großformat dargestellt, was den intensiven Eindruck der Bilder beim Betrachter noch zusätzlich verstärkt. Auch für Fans, die glauben schon alles zu kennen, wird „Classic Queen“ eine neue Tür öffnen, denn hier sind zum Teil auch unveröffentlichte Bilder zu sehen. Diese zeigen die Gruppe fast in allen Lebenslagen, egal ob auf der Bühne, beim legendären Auftritt im Rainbow Theatre, bei offiziellen Shootings im Studio, Testpolaroids und selbst in privaten Momenten. Dabei darf man nicht vergessen, dass dies nicht unbedingt die Queen sind, als die viele die Band noch aus den 80ern in Erinnerung haben. Hier regieren ganz furchtbare Frisuren, Tonnen von Make-up, grässliche Kleidung (gut, die wurde auch später nicht besser) – der Aufstieg der Band halt und genau dies macht die ganze Geschichte hier so interessant.

Fazit: Es ist immer wieder faszinierend die Arbeiten von Mick Rock zu bewundern. Mit jedem seiner Bildbände setzt der Mann Maßstäbe und wenn man sich dabei vor Augen hält, wie alt die Fotografien sind, ist dies umso erstaunlicher. Auch „Classic Queen“ wird Freunde der Fotografie wieder zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Fans dürften aufgrund der Tatsache, dass hier einer aus dem Nähkästchen plaudert und die Anfangszeit von Queen beschreibt und mit zum Teil unveröffentlichtem und intensivem Fotomaterial belegt zu Tränen gerührt niederknien. Alle anderen Musikbegeisterten dürfen hier auch gerne zugreifen und sicher zum Teil schmunzelnd an einem Stück Musikgeschichte teilhaben. Sensationeller Bildband! Ich verneige mich erneut in Ehrfurcht!

http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

Hinterlasse eine Antwort

Aktuelle Artikel