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Cindy aus Marzahn: Schizophren – Ich wollte ’ne Prinzessin sein

(Sony BMG)

Autor: Katze / Wertung: 8.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Cindy aus Marzahn: Schizophren – Ich wollte ’ne Prinzessin sein„Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, dann kommen die Toten auf die Erde.“, so heißt es gleich zu Beginn des Filmes „Dawn of the Dead“. Bezogen auf vorliegenden Release könnte man dieses Zitat umdichten in „Wenn im Marzahner Plattenbau kein Platz mehr ist, dann kommt Frau Cindy auf die Bühne“. Und man fragt sich schnell, was von beidem man lieber will.

Denn ebenso wie die Toten aus der Hölle wohnt auch Cindy aus Marzahn etwas infernalisches inne, das sich mit brachialer (Wort-) Gewalt seinen Weg durch die Lebenden walzt. Hier werden keine Gefangenen gemacht, wenn die Dicke aus dem Plattenbau im pinkfarbenen Dress über Arbeitslosigkeit, Hartz IV bis XII, ungewollte Schwangerschaften, Alzheimer Bulimie und Co fabuliert. Zwischendurch noch mal schnell das Publikum angebrüllt und angepöbelt, fertig ist die Comedyshow. Hört sich schlimm an? Ist es auch! Zumindest im ersten Moment des damit konfrontiert Werdens, denn was Frau Cindy ihren Zuhörern zumutet ist fernab der gemütlichen Spießbürger-Idylle im sauberen Reihenhaus mit Blumen auf der Fensterbank und netten Spitzenvorhängen am Fenster, das tut weh, das erschüttert in der eigenen gefühlten inneren Sicherheit. Hat man allerdings den Anfangsschock überwunden und hat man sich vor allem an den lauten Ostberliner Slang erst einmal gewöhnt, dann entdeckt man doch eine ganze Menge feinsinnigen Humor, der hinter all der Plattenbaudramatik steckt. Auf einmal schleicht sich einem ein Schmunzeln auf die Lippen und kurz danach auch schnell der ein oder andere herzhafte Lacher in die Kehle bis man am Ende des Programms gar süchtig nach den Geschichten der rundlichen Prinzessin ist und die CD gleich noch mal von vorne hören muss.

Fazit: Cindy aus Marzahn ist authentisch, weil sie offensichtlich fast ausschließlich selbst erlebtes erzählt, sie ist skurril, weil sie aussieht wie eine dicke Prinzessin und komplett überdreht Vollgas gibt,  und sie ist witzig (vorausgesetzt, man hat sich einmal an sie gewöhnt hat), weil sie ihren Geschichten nicht den mahnenden Zeigefinger aufdrückt, sondern sich und ihr Leben mit spielerischer Leichtigkeit auf die Schüppe nimmt. Gute Laune Blödelcomedy gibt es heuer wie Sand am mehr, aber Cindy aus Marzahn dürfte einzigartig sein. Wer sich mit Krawallcomedy arrangieren kann, der sollte hier ruhig einmal vorsichtig seine Ohren riskieren. Aber Vorsicht! Die CD könnte beißen. 8½  Punkte!

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