Rezensionen

Chuck Berry: Hail! Hail! Rock´n´Roll Tipp

(Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Mittlerweile ich es auch schon wieder zwanzig Jahre her, dass Taylor Hackford zu Ehren von Charles Edward Anderson Berry, der Musikwelt auch besser als Chuck Berry bekannt, die hier vorliegende Dokumentation drehte. Ja richtig, Taylor Hackford zeichnet sich auch für das Oscar-gekrönte Ray Charles Porträt verantwortlich. Anlass dafür war der 60. Geburtstag von Berry. Gedreht und aufgenommen wurde das Material bereits im Jahre 1986 um im folgenden Jahr erstmalig gezeigt zu werden. 1990 kam die ganze Geschichte dann kurzzeitig als VHS auf den Markt. Nun liegt das Material endlich auch auf DVD vor.

Hierbei handelt es sich allerdings alles andere im aufgewärmte Suppe. Reichlich Mühe hat man sich bei der technischen Überarbeitung gegeben und nicht nur einen lauen Abklatsch der VHS hingeschludert. Der Sound und die Bildqualität sind absolut Top restauriert worden. Da macht das Angucken doch gleich doppelt so viel Spaß. Die zwanzig Jahre, die diese Dokumentation nun auch schon auf dem Buckel hat merkt man hier überhaupt nicht. Doppelt ist hier sowieso Programm, gibt es doch nicht nur bereits bekanntes Material zu sehen, sondern auf der beiliegenden Bonus-DVD noch jede Menge allerfeinster Schmankerl. Nach einem Vorwort aus dem berufenen Munde von Hackford erhält man einen erstklassigen Einblick hinter die Kulissen. Berry, Keith Richards und Eric Clapton kann man hier z.B. beim ausgelassenen jammen beobachten. Der zweite Teil des Silberlings beschäftigt sich dann eher mit Chuck Berrys Charakter und seinen eigenwilligen Handlungen, die die Filmcrew immer wieder an den Rande des Wahnsinns trieben und doch das gesamte Projekt nicht gefährden konnten. Aufnahmeleiter Tom Adelman drückt sich dazu wie folgt aus: „ Es war kein Trip in die Hölle. Es war ein Trip in den Himmel, aber ab und zu fuhr der Teufel in einem Cadillac vorbei, nur um zu zeigen, wer der Boss ist“

Kernstück ist und bleibt natürlich das etwa einstündige Konzert. Die Band hierfür hat kein Geringer wie Keith Richards zusammengestellt. 1986, zu Berrys 60. Geburtstag setzte er es sich in den Kopf die ultimative Liveband für Berry zu finden um dann im Fox Theatre in St. Louis aufzutreten. Während des Konzertes haut die Band u.a. fulminante Versionen „Roll Over Beethoven“, „Sweet Little Sixteen“, „Johnny B. Goode“ oder „Wee Wee Hours“ raus. Clapton, Richards und all´ den anderen merkt man den Spaß dabei deutlich an. Aber auch dies ist nur ein Teil des Films, genauer gesagt Teil drei. Der erste widmet sich Chucks Vergangenheit und der zweite zeigt die Proben in dessen Clubhaus. Besonders sticht dabei der Disput zwischen Richards und Berry heraus. Berry ist mit dem Johnny B. Goode Intro von Richards einfach nicht zu frieden und korrigiert diesen immer wieder wie einen blutigen Anfänger. Die Halskrause schwillt da von Sekunde zu Sekunde und jedem anderen hätte der gute Keith wohl sein Instrument über den Schädel gezogen. Köstlich zu beobachten. Daneben kommen natürlich auch alte Weggefährten wie Bo Diddley, Jerry Lee Lewis, Little Richard oder auch Bruce Springsteen zu Wort.

Fazit: Diese DVD ist für Berry- Fans, für Clapton-Fans, für Stones-Fans, ach was, für Fans der Rockmusik Pflicht! Sehr liebevoll hat man das herausragende Material überarbeitet und ins Hier und Jetzt transportiert. Dazu gibt es mit der Bonus-DVD Material zu sehen, welches diesen Zusatz auch endlich mal verdient und ebenso überzeugen kann. Wer den Film damals auf VHS verpasst hat, der sollte nun unbedingt diese Lücke schließen – begeisterndes Werk!

http://www.chuckberry.de/

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